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Interview
Es geht um die Souveränität über Jerusalem

Mannheim/Rhein-Neckar

„Als Jesus in Jerusalem auftrat, hat er keine Kirchen und Moscheen gesehen, aber Jerusalem war damals schon Hauptstadt des jüdischen Volkes“ und das sei auch heute so, erklärt Aviv Shir-On, der stellvertretende Generaldirektor für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit im Jerusalemer Außenministerium. Mordechay Lewy, der diplomatische Berater des Jerusalemer Oberbürgermeisters in interreligiösen Angelegenheiten, meint, die arabischen Muslime stellten Israels Souveränitätsrechte in Jerusalem überhaupt in Frage. Der Vorsitzende der AG Mannheim/Rhein-Neckar, Johannes Barth, sprach mit den beiden Diplomaten.

Frage: Seit etwa 40 Jahren schlagen die Muslime Alarm, wenn Israel in der Nähe des Tempelbergs archäologische Ausgrabungen vornimmt oder wie jetzt an der Rampe zum Mugrabi-Tor notwendige Restaurierungen durchführt. Gibt es da irgendeine Gefährdung der muslimischen Heiligtümer auf dem Tempelberg?

Aviv Shir-On: Unglücklicherweise werden von Fundamentalisten und Extremisten völlig unwahre Behauptungen aufgestellt, dass Israel oder die Juden die Al-Aksa-Moschee zerstören oder dort eine Synagoge bauen wollen. Dabei soll nur der Zugang zum Mugrabi-Tor, der im Winter 2004 durch starken Regen und ein Erdbeben beschädigt wurde, erneuert werden. Es ist doch Israels Pflicht dort für die Sicherheit der Touristen und Pilger zu sorgen – nicht mehr und nicht weniger.

Mordechay Lewy: Der Tempelplatz oder Haram al Scharif wird durch den geplanten neuen Zugang (Brücke) nicht angetastet und daher kann auch nicht das Heilige Gelände gefährdet werden.

Frage: Warum dann aber der aufgeheizte Protest nicht nur der arabischen Muslime, sondern der islamischen Welt? Um was geht es ihnen in Wirklichkeit?

Lewy: Es geht eigentlich nicht so sehr um die Heiligen Stätten, sondern viel mehr darum, ob Israel überhaupt Souveränitätsrechte im seit 1967 vereinten Jerusalem beanspruchen kann. Nach deren Ansicht dürfen daher Juden und Israelis dort nichts tun, auch nichts reparieren. In ihren Augen sollen wir offenbar irgendwie verschwinden.

Frage: Doch auch einige israelische Politiker wie Verteidigungsminister Amir Peretz meinten, die Arbeiten nahe des Tempelbergs könnten die regionale Stabilität gefährden.

Shir-On: In dieser Diskussion geht es darum, wie die Spannungen abgebaut werden können. Was wir tun sollen, um den falschen Behauptungen radikaler und fundamentalistischer Muslime entgegen zu wirken. Unsere Diskussion ist ganz sachlich. In der islamischen Welt wird allerdings versucht, sie ins Gegenteil zu verdrehen. Wir haben vor Ort Kameras installiert, die im Internet 24 Stunden zeigen, was dort passiert. Und Jerusalems Bürgermeister hat die Arbeiten für den Zugang zum Mugrabi-Tor in Absprache mit Rabbinern und muslimischen Geistlichen bis zu Klärung der Angelegenheit vorerst gestoppt.

Frage: Das Jerusalem-Problem gilt als schwierigster Streitpunkt im Nahost-Konflikt. Sehen Sie da einen Ausweg, eine Möglichkeit für einen Kompromiss?

Shir-On: Das Problem ist doppelgleisig. Es zeigt einerseits religiösen Fanatismus und anti-israelische Hetze sowie andererseits den Versuch, den Juden die legitimen Rechte in Jerusalem zu leugnen und zu bestreiten. Es geht hier um die Souveränität über Jerusalem. Nachdem die religiösen Behauptungen arabischer Extremisten allenthalben als falsch zurückgewiesen werden, konzentrieren sie sich nun vermehrt darauf, Israel die Legitimität in Jerusalem abzusprechen. Selbst so genannte arabische Wissenschaftler oder Imame leugnen heute historisch belegte Fakten jüdischer Vergangenheit in Jerusalem. Übrigens als Jesus in Jerusalem auftrat, hat er keine Kirchen oder Moschen gesehen, weil diese noch nicht existierten, aber Jerusalem war schon damals die Hauptstadt des jüdischen Volkes und das ist sie auch heute. Wir leugnen indessen nicht die Tatsache, dass Jerusalem heute auch anderen Religionen heilig ist.

 


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