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Ostfriesland

Mit allen ostfriesischen Wassern gewaschen – Jugendaustausch zwischen Tee und Kanalbad

Teilnehmer am Israel-Austausch der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis und der Integrierten Gesamtschule Aurich-West, den die DIG-Ostfriesland seit Jahrzehnten fördert und begleitet, wirkten mit am ökumenischen Gottesdienst zum Volkstrauertag in der Lambertikirche Aurich. Zum Thema des Gottesdienstes „Versöhnung erwächst aus wahrhaftigem Erinnern“ berichteten sie von der Zeremonie, die während des Besuchs einer Delegation aus Bat Yam in der Gedenkstätte beim ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen gestaltet wurde. Texte waren für diesen Anlass aus dem Hebräischen ins Deutsche, andere vom Deutschen ins Englische übersetzt worden und konnten so im Gottesdienst weitergegeben werden. Der Beitrag im Gottesdienst wurde abgerundet durch kurze Eindrücke vom Verlauf des Austausches, die zeigten, dass in einer Partnerschaft mit Israel aus dem Erinnern auch eine fröhliche Gegenwart und eine ernsthafte Besinnung auf die Zukunft wachsen kann.

Die israelische Delegation der ORT-Melton Highschool in Bat Yam war über Amsterdam angereist. Was lag näher als ein Besuch im Anne Frank-Haus? Die Authentizität des Ortes und die vielsprachige Aufarbeitung sind geeignet, die besondere Geschichte der beiden Völker auch für diese Begegnung in Erinnerung zu rufen. Interessant war aber auch die unterschiedliche Wahrnehmung der Amsterdamer Stadtsilhouette: Die israelischen Schüler waren überzeugt, dass die Einwohner sehr reich sein mussten, da ja alle Häuser ein Giebeldach hätten.

In Ostfriesland nutzten viele die Gelegenheit, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Angesichts der aktuellen Ereignisse im Libanon war dies eine willkommene Gelegenheit, Näheres aus erster Hand zu erfahren. Es zeigte sich, dass der Krieg auch das Alltagsleben der Gäste berührte, auch wenn die Zerstörungen in Israel auf den Norden konzentriert waren. Für deutsche Schüler erstaunlich war die einmütige Unterstützung der Gäste für ihre Regierung und ihre militärische Führung. Allenfalls Unentschlossenheit wurde kritisch kommentiert.

Die Gäste ließen sich auch durch stürmisches Wetter nicht von Ostfriesland-Touren abhalten. In der Dornumer Synagoge, die heute als Museum genutzt wird, konnten sich die Gäste und Gastgeber einen Eindruck vom Gemeindeleben bis zur Shoah machen. Die angesetzte Kutterfahrt von Harlesiel war allerdings nicht durchführbar. Der Hafen stand bei Windstärke 7 und auflandigem Wind unter Wasser und die Schifffahrt war eingestellt. Die Gäste nahmen es mit Humor – und Dankbarkeit, weil einigen der bevorstehende Seegang schon bedrohlich erschienen war – und erkundeten stattdessen den Sielhafen von Neuharlingersiel. Ob Krabbenbrötchen wohl koscher sind, wurde vorsorglich nicht zuende diskutiert.

Um den Gästen auch das großstädtische Leben in Deutschland präsentieren zu können, führten wir vom 9. bis 11.10. eine Exkursion nach Hamburg durch. Das besondere Erlebnis war der Besuch der Synagoge in Eimsbüttel. Der Rabbiner, Herr Barsilai, erläuterte die Architektur sowie die Einrichtung und stellte sich den Fragen der deutschen und israelischen Teilnehmer mit Geduld und Humor. Anschließend durfte die Gruppe noch einen Blick in die Sukkot-Laubhütte werfen, die im Innenhof der Synagoge errichtet war. Auf der Rückfahrt über Bergen-Belsen schloss sich gewissermaßen der Kreis, der durch den Besuch des Anne-Frank-Hauses begonnen hatte.

Der sportliche Höhepunkt der Begegnung war eine Kanutour, bei der ein 10er Kanadier während einer improvisierten Wettfahrt kenterte. Die Betroffenen, unter anderem die beiden israelischen Delegationsleiter, ließen sich die Stimmung auch von dieser Erfahrung nicht verderben und wurden von nahebei wohnenden Gastfamilien ins Trockene gebracht. Beim Rating der Aktivitäten am Abschlussabend war die Kanutour trotz – oder wegen – des Missgeschicks jedenfalls Spitzenreiter. Der Reinfall wurde nicht zum bestimmenden Symbol des Austauschs, der – so Gott will – Pessach 5767 in Bat Yam seine Fortsetzung findet.

Alexander Wiebel

 


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