AG Bonn
Das Bonner Lesefest „Käpt'n Book“: Nava Semel und Mirjam Pressler zu Gast in Bonn
Die Arbeit mit Jugendlichen ist ein Schwerpunkt der Aktivitäten der Bonner Arbeitsgemeinschaft der DIG. Nach dem Schulaustauschprogramm dieses Sommers (s. den Artikel von Magdalene Krumpholz im DIG-Magazin 4/06) hat die AG Bonn sich am Bonner Jugendlesefest „Käpt'n Book“ mit der Einladung der israelischen Autorin Nava Semel und deren deutscher Kollegin und Übersetzerin Mirjam Pressler engagiert. Insgesamt gab es sechs Lesungen eigens für Schüler und Jugendliche neben der DIG-Veranstaltung im Haus der Sprache und Literatur.
Die beiden Autorinnen, die vom 6. bis 8. November in Bonn zu Gast waren, haben kleine wie große Leser für die Bücher von Nava Semel gewonnen, und sie haben in ihren Lesungen eine fruchtbare Zusammenarbeit und Freundschaft präsentiert, die sicher auch von den beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten lebte.
Nava Semel, die in Deutschland vor allem als Jugendbuchautorin bekannt ist, als die sie die DIG zusammen mit der Botschaft des Staates Israel eingeladen hatte, gab lebendige Einblicke in ihre Arbeit. Sie verriet etwa, dass sie erst beim Schreiben feststellt, ob ein Buch sich überwiegend an Jugendliche richten wird oder ob es eher für erwachsene Leser zugänglich ist. So ging es ihr auch mit ihrem Roman „Und die Ratte lacht“, der im kommenden Jahr im Persona Verlag auf Deutsch erscheinen wird – natürlich wieder übersetzt von Mirjam Pressler. Die Geschichte von einem kleinen Mädchen, das den Holocaust unter widrigsten Umständen überlebt, wurde auch in eindringlicher Form als Oper adaptiert, die möglicherweise bald in Bonn zu sehen sein wird – die Verhandlungen laufen schon.
Diese Vielseitigkeit der Autorin machte den Reiz aus, sie auch unseren Mitgliedern vorzustellen. So gab sie im Haus der Sprache und Literatur bereitwillig und in lebhaftester Weise über ihre Arbeit und ihren Umgang mit ihrer Identität als Tochter einer Auschwitz-Überlebenden Auskunft. Diese Thematik bildet den roten Faden durch ihren Erzählband „Gläserne Facetten“, aus dem Mirjam Pressler einfühlsam las.
Foto: Nava Semel und Mirjam Pressler lesen in der Zentralbibliothek in Bonn
Gegenstand der Lesungen für Kinder und Jugendliche war ihr Jugendroman „Die Braut meines Bruders“, der die Sorgen und Nöte des 12-jährigen Uzik im Palästina des Jahres 1935 beschreibt, dessen Bruder merkwürdigerweise immer wieder nach Polen reist, um dort Frauen zu heiraten, von denen er sich in Palästina gleich wieder scheiden lässt. Ein guter Plan, wenn die erste Braut seines Bruders nicht gleich die liebenswerte Anna wäre...
Eine Kindheit, in der Scheinehen, Waffenschmuggel und britische Militärflieger eine wichtige Rolle spielen, fanden die Zuhörer aus den Klassen 7 bis 10 natürlich sehr spannend und nutzten die Gelegenheit zu zahlreichen Fragen an die beiden Autorinnen.
Verena Bergfeld