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Arbeitsgemeinschaft Düsseldorf

Die Hamas in Gaza. Ein neuer „neuer Naher Osten“?

Der Nahostkorrespondent Dr. Gil Yaron analysierte die jüngsten Ereignisse und Entwicklungen in Nahost nach dem Krieg im Libanon und der Machtübernahme der Islamisten im Gazastreifen in Düsseldorf.

Die dramatische Eskalation des Bruderkampfes in den Autonomiegebieten und die Machtübernahme der Hamas in Gaza werden in Israel und von den Freunden Israels in aller Welt mit großer Besorgnis beobachtet. Dr. Gil Yaron hatte auf Einladung der DIG Düsseldorf, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Jüdischer Gemeinde am 27. August im Leo-Baeck-Saal der Jüdischen Gemeinde die derzeitige fragile Situation kenntnisreich und kritisch beschrieben und anschließend diskutiert.

Nach der Begrüßung durch Wolfgang Wende, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Düsseldorf, skizzierte Yaron die Geschichte der Hamas, die sich aus der ägyptischen Muslimbruderschaft entwickelt hat. Von Beginn an spielte Palästina bei der im Jahre 1928 gegründeten Muslimbruderschaft eine zentrale Rolle. Bereits 1947 gab es in Gaza etwa 20.000 Muslimbrüder. Geschickt hat es die Hamas verstanden, über die Einrichtung religiöser Zentren hinaus eine Infrastruktur zu schaffen, die unter anderem auch Schulen und medizinische Einrichtungen umfasst. Zunächst sogar mit israelischer Unterstützung, in der Erwartung, dadurch die Position der PLO zu schwächen. Yaron kritisierte die Strategie Israels „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, denn spätestens ab der ersten Intifada 1987 zeigte die Hamas offene Feindschaft gegenüber dem Staat Israel. Während die PLO Kontakte zu Israel aufnahm, forderte die Hamas ein „Islamisches Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan“. Die Korruption der PLO ließ den Einfluss der Hamas steigen. So entwickelte sich eine innerpalästinensische Auseinandersetzung zwischen den beiden rivalisierenden Blöcken. Neben diesem Machtkampf kam es dann ab 2000 zu einem „Konkurrenzkampf des Terrors“ mit vielen Opfern unter der Zivilbevölkerung Israels.

Auch nach dem Tod Arafats und der Wahl Mahmud Abbas als erstem pragmatischen Führer der Palästinenser wird der Kampf zwischen Hamas und PLO mit aller Härte weitergeführt. Die von Abbas angesetzten Parlamentswahlen im Jahre 2006 enden mit einem Desaster für die Fatah. Hamas gewann die Mehrheit der Sitze. Das löste einen Boykott der westlichen Welt aus. Nachdem es insbesondere in Gaza zu chaotischen Verhältnissen kam, gab es den von arabischen Staaten vermittelten Versuch eines Abkommens zwischen PLO und Hamas Anfang dieses Jahres. Trotz des Versuchs einer Annäherung geht der grausame Bruderkrieg weiter. Die Palästinenser verfolgen unterschiedliche Ideologien: die der PLO, die auf einer Zusammenarbeit mit Israel setzt, und die der Hamas mit seinen Verbündeten in Syrien und Iran mit dem Ziel der Vernichtung Israels. Offen ist die Frage der künftigen Entwicklung. Ramallah setzt auf Gespräche mit Israel. Bringt eine Nahostkonferenz im November mit Ergebnissen vorsichtige Schritte in Richtung Frieden?

Gerd Spliedt

 


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