Arbeitsgemeinschaft Berlin
Treffen mit Israelis in Berlin
Im 60. Jubiläumsjahr Israels luden wir eine um Ilan Weiss entstandene, lockere Gruppe von in Berlin lebenden Israelis zu einem ersten Kennenlern-Treff in den Berliner Reichstag ein. Zuvor hatten sie an einer Führung durchs Gebäude teilgenommen. Die Gruppe nennt sich "Kesher" (hebräisch Verbindung, Beziehung, Zusammenhang), besteht aber darauf, dass sie sich aus „Individualisten“ zusammensetzt. Die einen verschlugen die Geschäfte nach Berlin, die anderen – Studenten, Filmemacher, Künstler und Musiker - lockte das attraktive kulturelle Angebot in die Hauptstadt. Viele von ihnen haben auch deutsche Wurzeln und sind aus emotionalen Gründen nach Berlin gekommen.
Robert Schwerzenzer wurde in der Nazizeit mit seiner Familie aus Deutschland vertrieben und lebt in Falkensee. Bis heute kämpft er um weitere Grundstücke des Lederwarenhandels seines Vaters. Unter dem Titel "Die beste Lüge ist die Wahrheit" erschien 2007 ein Film über sein Leben, der im Deutschen Fernsehen lief. Seine Rückkehr versteht er auch als "späte Rache an Hitler", schließlich wollte dieser Deutschland "judenrein" machen. Für den jungen Musiker Gilad Hochmann ist Berlin "nicht deutsch", sondern multikulturell. Hier werde künstlerische Kreativität inspiriert und gefördert - vielleicht auch ein Grund, warum Israelis in Berlin leben wollen. Mehrfach fiel an diesem Abend das Wort "Heimat". Dass Israel für die meisten aber auch ein wichtiger Bezugspunkt bleibt, zeigte die Reaktion von Robert Schwerzenzer auf die Frage, welche Identität man heute eigentlich als Israeli habe. Nach der Vertreibung aus ihrer Heimat, der sich gerade die deutschen Juden vor der Nazizeit zutiefst verbunden fühlten, sei es gut zu wissen, dass jeder Jude bei erneuter Bedrohung heute in Israel eine Heimat finde.
Moniert wurden die "kühlen Temperaturen" in Berlin sowie fehlende Englischkenntnisse bei der (vielleicht auch türkischen?) Bevölkerung in Kreuzberg.
Ilan Weiss, den seine Kinder wieder zurück nach Berlin gezogen hatten, stellte mit Sharon On und Aviv Russ zwei junge Radioredakteure vor, die mit "Kol Berlin" und "Kaktus TV" ein hebräisches (jeden Freitag, 17.00 Uhr, im OKB, UKW, 97,2) und ein deutschsprachiges Programm anbieten. Sie wollten ihre Zuhörer, so Aviv, über wichtige Themen im deutsch-israelischen Verhältnis informieren. Den jüdischen Sender "Babel TV" kannten sie nicht und machten auch deutlich, dass sie als „Israelis“ über ihre Landsleute berichten wollten.
Befragt nach ihrer Motivation, als Deutscher in der DIG mitzuarbeiten, schilderte Vorstandsmitglied Dr. Martin Kloke, wie er über einen Kibbuz-Aufenthalt später als politisch-interessierter Mensch auf den Antisemitismus und Antizionismus der deutschen Linken gestoßen sei und seitdem für ein differenziertes Israelbild streite. Maya Zehden kam nach Beginn der Zweiten Intifada zur DIG. Hier fühle sie sich "zuhause". Da sie Familie in Israel habe, wolle sie mithelfen, Missverständnisse und Vorurteile gegenüber Israel auszuräumen. Wie zuvor schon Jochen Feilcke, ermunterte sie die israelischen Gäste, bei uns "mitzumischen" und rief gerade die Künstler unter ihnen dazu auf, sich bei unserer Geburtstagsfeier für Israel am 8. Mai am Gendarmenmarkt in welcher Form auch immer mit einzubringen.
Meggie Jahn
Mehr zu Israelis in Berlin:
http://DerBerliton.de
- Der deutsch-israelische Treffpunkt. Neue Website für Israelis und Israelfreunde.
http://spree-aviv.de
- Israelisches Leben in Berlin. Eine von jungen Volontären der Axel-Cäsar-Springer-Akademie gestaltete Website.