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Arbeitsgemeinschaft Hannover

Sprechen wir Tacheles!

„Wenn die Araber die Waffen endlich niederlegen, wird es keinen Krieg mehr geben. Aber wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es kein Israel geben.“ Mit diesem uneingeschränkten, klaren Bekenntnis hat sich Wolf Biermann als einer der wenigen deutschen linken Intellektuellen für die Existenz und das Überleben des Staates Israel in seiner Dankesrede zur Verleihung des Theodor-Lessing-Preises der DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover, ausgesprochen. Diese Auszeichnung „für aufklärerisches Handeln“ schien dem Liedermacher und Dichter, vor allem aber dem streitbaren Publizisten als persönliche Würdigung fast zweitrangig zu sein. Er stellte bei der Preisverleihung klar, dass es ihm nicht um seine Person, sondern um die Sache geht: Solidarität mit Israel.

Die stellvertretende Regionspräsidentin Angelika Walther freute sich über die fast 500 Besucher in dem neuen Regionshaus und bezeichnete es als Ehre, Wolf Biermann hier willkommen heißen zu können. Auch wegen der seit über 25 Jahren bestehenden engen Partnerschaft mit der Region Unter Galiläa in Israel bedankte sie sich bei dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Kay Schweigmann-Greve, dass die DIG gerade diesen Saal für die Preisverleihung an Wolf Biermann gewählt hat.

In seinem Grußwort schwärmte der Oberbürgermeister der Landshauptstadt Hannover, Stephan Weil, begeistert von der beidhändigen Unterschrift Wolf Biermanns bei der Eintragung zuvor in das Goldene Buch der Stadt, so dass er die vorbereitete Rede in der Jackentasche ließ und ohne Konzept und mitreißend von dem anregenden Gespräch mit Wolf Biermann während dieser Zeremonie berichtete. In diesem Zusammenhang betonte Weil die besonders gute und ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit zwischen DIG und Stadtverwaltung bei der Verlegung der Stolpersteine und sprach die Bitte aus, dass diese vorbildliche Kooperation auch in der Zukunft weitergeführt werden sollte.

Der Theodor-Lessing-Preis wird von der DIG Hannover alle zwei Jahre verliehen. Kay Schweigmann-Greve würdigte den Namensgeber des Preises als kritischen Demokraten, Sozialisten und Kämpfer gegen den Obrigkeitsstaat und Antisemitismus, insbesondere für sein Eintreten für aufklärerisches Handeln. Dieser ungewöhnliche jüdische Wissenschaftler Theodor Lessing sagte von sich: „Ich war von ganzer Seele Arzt, mit ungeteilter Seele Lehrer, mit voller Hingabe Psychologe und mit ganzer Kraft Philosoph.“ Man müsste hinzusetzen, auch Dichter, politischer Journalist, Theaterkritiker und forensischer Psychologe. Hannover verdankt ihm – aber auch seiner Frau Ada – die Gründung und den Aufbau der Volkshochschule Hannover, die heute beider Namen trägt.

Theodor Lessings Eintreten für eine kritische Auseinandersetzung mit der Weimarer Republik, seine Schlüsse aus dem Prozess des Massenmörders Haarmann mit dem Ergebnis einer Teilschuld auch der damaligen Gesellschaft und insbesondere seine vernichtende Charakterstudie des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg führten bereits 1926 zum Entzug seiner Lehrtätigkeit als Professor an der Universität Hannover. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten flüchtete er im Februar in die Tschechoslowakei, wo er am 30. August 1933 von den Nazis heimtückisch ermordet wurde.

In seiner Laudatio betonte der ehemalige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Prof. Dr. h.c. Manfred Lahnstein: „Für Lessing steht eins fest, die Kraft für aufklärerisches Handeln lässt sich aus dem Denken allein nicht gewinnen, und schon gar nicht aus ,Nutz- und Arbeitswerten’, wie er es formuliert. Ihm, Lessing, geht es immer um Kopf und Herz, um Verstand und Seele.“ Aufklärerisches Denken durch aufklärerisches Handeln zu vervollständigen und die nicht nur geistigen, sondern auch seelischen Wurzeln dieses Handelns offen zu legen, beeindruckte Lahnstein zutiefst. Lahnstein meint: „Im Unterschied zu Theodor Lessing hat Wolf Biermann die Chance gehabt, seinen Weg bis in diese zusätzliche Sphäre zu gehen. Und er ist dabei, diese Chance entschlossen zu nutzen.“

Wie Wolf Biermann betonte, sollte im 60. Gründungsjahr des Staates Israel seine Souveränität eine Selbstverständlichkeit sein, was ausgerechnet in Deutschland keineswegs immer anerkannt wird. Biermann sieht die politischen und kulturellen Wurzeln Israels, seine wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen mit Deutschland so eng verknüpft, dass seiner Meinung nach dieses Land eher in die EU gehöre, als einige osteuropäische Staaten. Der einstige Linke Wolf Biermann ist heute mit seiner Haltung nach rechts gerückt und bezeichnet sich als uneingeschränkter Freund Israels.

Frank Lehmberg

 


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