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Arbeitsgemeinschaft Berlin

Gisela Dachs: „Die aktuelle Lage in Israel und Nahost“

ZEIT-Redakteurin in Israel, Gisela Dachs, kam dienstlich nach Berlin. Sie erklärte sich kurzfristig zu einem Gedankenaustausch bereit. Fast 50 Mitglieder der DIG kamen in die Landesvertretung von Sachsen-Anhalt.

Die ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen und der Besuch der Bundeskanzlerin in Israel im März 2008 waren Schwerpunkt ihres Vortrags. Unabhängig vom Inhalt der Merkel-Rede in der Knesset seien die Israelis vom Auftreten der Bundeskanzlerin tief beeindruckt gewesen. Sie sei authentisch, glaubwürdig und warmherzig bei den Israelis angekommen und jeder habe verstanden, dass sie als ehemalige DDR-Bürgerin keine Lippenbekenntnisse abgegeben, sondern ihre Worte zu Freiheit und Demokratie ernst gemeint habe. Merkel konnte „geduldig zuhören“, wodurch ihre mangelnde Rhetorik kaum aufgefallen sei. Selbst der israelische Oppositionsführer Netanyahu habe sich schließlich für die ferngebliebenen Knesset-Abgeordneten während der Merkel-Rede entschuldigt.

Zum Thema Iran habe sich die Kanzlerin weit vorgewagt, aber es bleibe die Frage, was dem eigentlich konkret folge. Dies habe selbst der Linke Yossi Beilin kritisch angemerkt. Merkel habe, so Dachs, einen glasklaren und klugen Eindruck hinterlassen und als Person vermittelt, was den Menschen in den neuen Bundesländern Vergangenheitsbewältigung der Nazizeit bedeute.

Neben der Schilderung ihres Eindrucks vom Merkel-Besuch in Israel sprach Gisela Dachs in der nachfolgenden Diskussion folgende Punkte an:

Die Überlebensfähigkeit der Regierung Olmert bleibe fraglich, doch habe dieser sich schon nach der Veröffentlichung des ersten Berichts der Winograd-Kommission, die den Libanon-Krieg untersuchte, als „Überlebenstiger“ erwiesen. Niemand in Israel wolle wirklich Neuwahlen, es sei denn, um ein umfassendes Abkommen mit den Palästinensern absegnen zu lassen. Die Alternative Benjamin Netanjahu vom oppositionellen Likud sei für viele eher abschreckend.

Zum Schluss noch ein Wort zum US-Wahlkampf. Die Mehrheit in Israel scheint keine positiven Erwartungen an Barak Obama zu knüpfen, zumal die Beziehungen zwischen Juden und Afro-Amerikanern in den USA eher gespannt seien. Die meisten Israelis setzten Hoffnungen in einen Wahlsieg Mc Cains, der am Ende der „lachende Dritte" sein könne.

Fußnote: Wer ist Gisela Dachs?
1963 in Deutschland geboren studierte sie Literaturwissenschaften und Philosophie an der Sorbonne in Paris. Von 1987 bis 1989 war sie Auslandsredakteurin der französischen Tageszeitung „Libération". Inzwischen auch Publizistin, z.B. des Jüdischen Almanach, schreibt sie seit 1990 für die Wochenzeitung „DIE ZEIT", zunächst für die politische Redaktion, seit 1994 ist sie deren Israel-Korrespondentin in Israel. Seit 1996 schreibt Gisela Dachs auch für den ZÜRICHER TAGESANZEIGER. Sie lebt heute in Tel Aviv und hat zwei Kinder.

Meggie Jahn und Marcus Mohr


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