Arbeitsgemeinschaft Hannover
Mörder sind keine Helden!
Zum Andenken an Ehud Goldwasser und Eldad Regev
Am 22. Juli fand eine kurzfristig organisierte Veranstaltung der DIG Hannover in der Marktkirche in Hannovers Zentrum statt. Offensichtlich wurde die Empörung über die Begrüßung des Kindermörders Kuntar im Libanon von einem großen Teil der hannoverschen Bürger geteilt: Obwohl nur wenige Tage blieben, um die Veranstaltung bekannt zu machen, war die Kirche mit ca. 400 Besuchern sehr gut besucht. Es sang der Chor der Jüdischen Gemeinde Hannover und es sprach der angehende Rabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, außerdem gab es nach der Eröffnung durch die Pastorin der Marktkirche Grußworte der Landeshauptstadt Hannover und der Region Hannover, die deutlich machten, dass auch die politisch Verantwortlichen – wie schon während der Solidaritätsdemonstration für Israel während des Libanonkrieges 2006 – klar zu Israel als einziger Demokratie im Nahen Osten stehen und arabischem Antisemitismus und Terror eine klare Absage erteilen.
Die Hauptrede des Vorsitzenden der DIG Hannover, Kay Schweigmann-Greve, geben wir in gekürzter Form wieder.
„Wir alle haben in den letzten Tagen die Fernsehbilder gesehen wie zwei Särge mit den Leichen der in den Libanon verschleppten Reservisten Ehud Goldwasser und Eldad Regev an die israelischen Angehörigen übergeben wurden. Diese hatten bis zum Ende die Hoffnung, ihre Männer bzw. Söhne lebend zurück zu erhalten. Diese Hoffnung wurde von der Hisbollah zynisch instrumentiert um Israel zu genau dem Deal zu nötigen, der nun stattgefunden hat.
Der niederträchtige Triumph stand den Überbringern, die die Leichname aushändigten, deutlich ins Gesicht geschrieben. Die Entführer sind islamistische Verbrecher, die sich mit iranischem Geld zu einer Privatarmee und einem Staat im Staate im Libanon entwickelt haben. Sie fühlen sich jetzt als die Sieger in diesem Pokerspiel und führen sich entsprechend auf. Im Austausch gegen die beiden toten Soldaten wurden dem Libanon fünf lebende Terroristen und 199 Tote übergeben. Man muss schon ein besonderes Verständnis von Sieg haben, um dies als Sieg zu empfinden. Man stelle sich vor, Israel müsste eine solche Zahl gefallener Soldaten entgegennehmen – es würde dies wie jede zivilisierte Nation als eine menschliche Katastrophe empfinden! Nur wer den Tod mehr liebt als das Leben, kann angesichts so vieler Toter Freudenfeste feiern. Wer jedoch den Tod mehr liebt als das Leben, womit sich die Islamisten bekanntlich nicht nur bei der Hisbollah brüsten, kann auch nur Tod und Verderben verbreiten. Nicht nur bei den „Feinden“, auch in der eigenen Gesellschaft. Solche Leute lieben auch Mörder wie Samir Kuntar, der seinen Ruhm in der arabischen Welt damit begründet hat, dass er nachts in Israel einfiel, einen Polizisten erschoss, in ein Wohnhaus eindrang, Geiseln nahm, einen Familienvater erschoss und noch Minuten vor seiner Gefangennahme einem vierjährigen Mädchen den Schädel mit einem Gewehrkolben zerschmetterte. Er wird gefeiert als nationaler Held. Selbst Regierungschef Fouad El Siniora, angeblich „westlich orientiert“, erweist diesem Killer die Ehre. Dies zeigt eine humane Verirrung, wie sie in einem Teil der arabischen Welt verbreitet ist. Wer weiß eigentlich, dass seit Jahrzehnten vom Libanon aus arabische Übersetzungen von Hitlers „Mein Kampf“ unters Volk gebracht und in die ganze arabische Welt exportiert werden? Scheich Nasrallah, der Führer der Hisbollah, verkörpert genau diese Ideale des Unmenschentums. Wenn es um den Triumph über Israel geht, kennt die politische Klasse des Libanon keine Parteien mehr, dann sind selbst so erbitterte innenpolitische Feinde wie Regierungschef Siniora und Scheich Nasrallah ein Herz und eine Seele.
Ein Staat, dessen Repräsentanten einen verurteilten Kindermörder mit Jubel und staatlichen Ehren empfangen, stellt sich außerhalb der Grundlagen menschlicher Zivilisation. Israel zog sich im Jahre 2000 aus dem Libanon zurück, die Uno bestätigte, dass Israel alle internationalen Verpflichtungen seinem nördlichen Nachbarn gegenüber eingelöst habe. Dennoch kam es an dieser Grenze nie zur Ruhe. Der Abzug stärkte auch nicht etwa mögliche Friedenskräfte, die nun nach einem Ausgleich mit Israel suchten, vielmehr setzte sich die Hisbollah in den Gebieten fest, die Israel verlassen hatte und rüstete militärisch auf. Im Sommer 2006 war der Südlibanon dann durchsetzt von Militäranlagen und Waffenarsenalen der Hisbollah. Diese fühlte sich nun stark genug, um über die Grenze hinweg Anschläge in Israel zu verüben. Damit trat genau das ein, was die in Europa so gescholtenen Kritiker des Libanonabzuges vorausgesagt hatten. Rückzug bedeutet nicht „Land für Frieden“ sondern bessere Ausgangsbedingungen für Terroristen. Dafür mussten Ehud Goldwasser und Eldad Regev und ihre Kameraden, die im Juli 2006 auf israelischem Boden die Grenze sichern sollten, mit ihrem Leben bezahlen.
Trotz ihrer massiven Reaktion auf den Anschlag und die Entführung gelang es den Israelis im Sommer 2006 weder die entführten Soldaten zurück zu holen, noch den Raketenterror gegen seine Zivilbevölkerung zu unterbinden. Selbst das schwer erkämpfte Zurückweichen der Hisbollah bis zum Litanifluss ist inzwischen Geschichte. Die Resolution 1701 der UN und die Versprechen der Völkergemeinschaft, Wiederbewaffnung und Rückkehr der Terroristen an die israelische Grenze zu verhindern, sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Die Hisbollah ist heute stärker als vor dem letzten Libanonkrieg.
Die Stärke der Hisbollah ist auch eine Niederlage, ja eine Existenzbedrohung für die zivilgesellschaftlichen Elemente, die es in der libanesischen Gesellschaft wie in keinem anderen arabischen Land gibt. Indem die UN und der Westen zulassen, dass der Iran mit Hilfe Syriens seine Schergen finanziert, aufrüstet und militärisch trainiert, untergräbt er nicht nur die Sicherheit Israels, sondern lässt das zarte Pflänzchen einer demokratischen, zivilgesellschaftlichen Entwicklung des Libanon verdorren. Denn, und das ist die andere Seite des Libanon, in keinem arabischen Land gibt es vergleichbar freie Medien, ja sogar solche, die offen von der moralischen Verwilderung, die in der Ehrung eines Samir Kuntar liegt, sprechen.
Nichts demonstriert den Unterschied zwischen humaner Gesellschaft und Barbarei krasser als die Reaktionen auf den Leichenaustausch in beiden Ländern: Trauer um die Opfer hier, Hasstiraden und Triumph dort. Dies sollte man in Erinnerung behalten, wenn man von Israel das nächste Mal „vertrauensbildende Maßnahmen“ und „den ersten Schritt“ fordert. An allen Grenzen, an denen die israelischen Friedenskräfte den Rückzug auf die international anerkannten Grenzen durchgesetzt haben, hat Israel Raketenbeschuss und die Infiltration durch Mordkommandos geerntet. Die Voraussetzung für einen Frieden, den nicht nur die Israelis, sondern auch viele Menschen in der arabischen Nachbarschaft herbeisehnen, ist eine grundlegende Änderung innerhalb dieser arabischen Gesellschaften. Ohne eine grundsätzliche Ablehnung von Mordanschlägen gegen Zivilisten, ohne die Erkenntnis, das Judenmord kein Freiheitskampf sondern eben nur verabscheuungswürdiger Mord ist, wird es keinen Frieden in der Region geben. Wenn Hisbollah und Hamas ihre Waffen niederlegen, kann es Frieden in der Region geben, wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es kein Israel mehr geben. Bis diese Situation sich geändert hat, hat Israel unsere Solidarität verdient, auch wenn es sich mit robusteren Methoden zur Wehr setzen muss, als wir dies im friedlichen Europa gewohnt sind.
Auch im Gazastreifen wurden übrigens in den vergangenen Tagen aus Freude über den Triumph über Israel Süßigkeiten auf den Straßen verteilt. Gleiches war bereits am 9.11.2001 und während der Intifada nach erfolgreichen Mordanschlägen auf israelische Omnibusse geschehen. Auch dort existiert eine islamistisch barbarisierte Gesellschaft, repressiv und mörderisch nach innen wie nach außen, deren Machthaber einen weiteren israelischen Soldaten von israelischem Boden in ihre Gewalt gebracht haben. In den Tagen ihrer Machtergreifung im Gazastreifen warf die Hamas – die Gewinner einer demokratischen Wahl, wie ihre Freunde auch hierzulande gerne betonen – ihre politischen Gegner von der Fatach einfach aus dem Fenster, jedenfalls dann, wenn diese hoch genug lagen, um deren Tod zu garantierten. Wie solche Leute mit einem jüdischen Gefangenen umgehen, mag man sich nicht konkret ausmalen. Es ist zu hoffen, dass Israel mit seiner Entscheidung, einen so hohen Preis zu zahlen, wie gerade geschehen, nicht die Verhandlungen über die Befreiung des Verschleppten Gilad Shalit erschwert und selbst den Preis in die Höhe getrieben hat, den es dort zahlen muss.
Im Libanon wird gefeiert. Mit Staatsempfang und Feuerwerk für Samir Kuntar, freudehupende Autokorsos fahren durch Beirut. Hisbollah, libanesische Regierung und ein fanatisch aufgestachelter Mob feiern die von Nasrallah versprochenen künftigen Siege. Das darf in der westlichen Welt nicht hingenommen werden! Wenn wir auf diesen politisch-ethischen Bankrott einer Gesellschaft nicht reagieren, so signalisieren wir Zustimmung. In der arabischen Welt wird sehr genau registriert, was „im Westen“, in Europa und den USA geschieht, ein Westen, der seine Resolutionen im Libanon nicht durchsetzt und zu Inszenierungen wie der in Beirut schweigt, hat in den Augen der arabischen Welt seine Selbstachtung verloren oder nimmt augenzwinkernd für ihre Sache Partei. Beides wollen wir nicht!
Einer Politik der Gewalt, die nicht einmal Rücksicht auf die arabischen Opfer, deren Interessen sie zu vertreten vorgibt, muss widersprochen werden. Ohne Blutrausch müsste auch die libanesische Gesellschaft erkennen, dass die über 1000 Toten und der schwere wirtschaftliche Schaden ein viel zu hoher Preis für die Demütigung der Juden und die Freipressung eines Mörders ist (die anderen lebend ausgetauschten Personen waren erst während des Krieges gefangen genommen worden). Mörder bleiben Mörder, auch wenn sie Allah und den nationalen Befreiungskampf für ihre Untaten ins Feld führen. Diesen die Macht im Libanon zu nehmen, ist zuerst gut für den Libanon selbst. Israel führt unseren Kampf, wenn es diesen Leuten das Handwerk legt! Wenn wir nicht reagieren, lassen wir die Terroristen in dem Glauben, dass Sie auch in Deutschland, in Europa und weltweit Anschläge durchführen und die Attentäter anschließend freipressen können. Wer skrupellos ein kleines Kind erschlägt, hält einen nuklearen Anschlag wo immer in der Welt für eine noch größere Heldentat!
Wir trauern mit der israelischen Gesellschaft um die Opfer, beileibe nicht die einzigen israelischen Soldaten, die in diesem Konflikt ihr Leben lassen. Wir wünschten den libanesischen Opfern, dass auch ihre Gesellschaft um sie trauerte, statt Freudenfeste zu feiern. Wir wünschen Israel und auch den friedenswilligen Menschen in der libanesischen und palästinensischen Gesellschaft, dass dieser Konflikt bald zuende geht. Unser Beitrag hierzu muss es sein, Israel als Teil unserer westlichen Wertegemeinschaft beizustehen.“