Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar / Mannheim
Kunstausstellung Nurith Eppstein zum 60. Geburtstag Israels
„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ Dieser Satz von David Ben Gurion stand gleichsam als Botschaft über der Ausstellung mit Werken der Künstlerin Nurith Eppstein aus Haifa, die von der DIG-Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar und der Jüdischen Gemeinde Mannheims anlässlich des 60. Geburtstags Israels veranstaltet wurde. Bei der Vernissage war das Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums mit einem neugierigen Publikum gefüllt.
Der Oberbürgermeister Mannheims, Dr. Peter Kurz, überbrachte die Grüße der Stadt und sprach von vielen persönlichen Verknüpfungen, die Mannheim und Haifa miteinander verbinden. Nurith Eppsteins Vater Yohanan wurde 1925 in Mannheim geboren. Darüber hinaus habe die Familie Eppstein tiefe und alte Wurzeln in der Geschichte Mannheims. Dr. Kurz äußerte die Hoffnung, dass aus dem 2005 geschlossenen Freundschaftsvertrag zwischen Mannheim und Haifa bald eine Partnerschaft werde.
Dr. Kurz, dessen erste Auslandsreise als Oberbürgermeister nach Israel ging, bezeichnete es als ein Wunder, dass Israel in den 60 Jahren seiner durch Krieg und Terror ständig bedrohten Existenz die einzige Demokratie im Nahen Osten geblieben sei. Das sei nicht selbstverständlich, betonte Dr. Kurz und stellte die Frage: „Ob wir das schaffen würden?“
Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Orna Marhöfer, widmete ihr Grußwort vor allem den künstlerischen Wandlungen im Judentum. Jüdische Lehrer und Professoren hätten einst in Deutschland an vielen Kunstschulen alle Stilrichtungen gelehrt – beispielsweise höchstmeisterlich im Impressionismus. Jüdische Architekten hätten im 19. und 20. Jahrhundert großartige Baudenkmäler geschaffen. Dies geschah bis zum Bruch durch die Nazis. Viele Künstler seien damals nach Palästina geflüchtet. In Israel sei dann wieder eine weltweit beachtete Kunst entstanden, wie die Ausstellung mit den Werken Nurith Eppsteins zeige.
Der Vorsitzende der DIG Rhein-Neckar, Johannes Barth, berichtete, wie ihm und seiner Frau Dagmar bei der Begegnung mit Nurith Eppstein in Haifa der Satz vom „Brückenbauen der Kunst und der Künstler zwischen den Völkern“ in den Sinn kam. Verlange doch die bedrohte Existenz Israels in allen Bereichen des Lebens, auch in der Kunst, einen ganz persönlichen Einsatz. Barth fügte hinzu: „Deutschland und Israel werden unter der Prämisse des Erinnerns immer ein einzigartiges Verhältnis zueinander behalten.“ Das Wissen um die Herkunft helfe, den richtigen Weg in die Zukunft zu finden. Diese Erkenntnis unterstreiche die Bedeutung der Kunst zum gegenseitigen Verstehen und zu gegenseitiger Annäherung. Künstlerin und Künstler würden so gewissermaßen zu Kulturbotschaftern.
Die Kunstmalerin Nurith Eppstein erläuterte dem Publikum die besondere Mischung verschiedener von ihr angewandter Drucktechniken, wie Kupferradierungen, Holzschnitt, Linolschnitt, Lithographie, Monoprint und Kolographie. Sie erklärte auch, wie sie selbst Papier herstellt und wie sie in ihrem „Studio für künstlerische Drucke“, durch das sie weithin bekannt wurde, anderen Künstlern die verschiedenen Techniken für Radierungen vermittelt. Nurith Eppstein unterrichtet als Kunstlehrerin israelische Mädchen und Jungen und betreut neben ihrer schulischen Tätigkeit auch eine Gruppe hochbegabter drusischer Kinder in Dalyad El Carmel.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Nelli Berditschevskaia, Geige, und Julia Chifrina, Klavier, mit der Meditation aus der Oper „Thais“ von J. Massenet, dem Ungarischen Tanz D-Moll von J. Brahms und der Hatikwa.
Johannes Barth