Arbeitsgemeinschaft Hannover
60 Jahre Israel „Wir feiern mit“ und Fahrt nach Bergen-Belsen
Am 4. Mai 2008 haben wir den dritten Israel-Tag am Freizeitheim Lister Turm gefeiert, der unter dem Motto „60 Jahre Israel“ stand.
Nach der Eröffnung des Israeltages durch den Vorsitzenden Kay Schweigmann-Greve, der in seiner engagierten Ansprache insbesondere hervorhob, dass sich seit der Proklamation des Staates Israel durch David Ben Gurion in den vergangenen 60 Jahren Israel aus einem Agarland in ein Hightech-Land entwickelte, das einen Spitzenplatz in der Welt eingenommen hat. Inmitten eines undemokratischen Umfeldes wurden eine stabile Demokratie und ein Rechtsstatt aufgebaut. So ist die Zahl der Staatsbürger von einst 700.000 auf mehr als 7 Millionen Bewohner angestiegen.
Hannovers Erster Bürgermeister Bernd Strauch freute sich über die zahlreich erschienenen Besucher, gratulierte dem Staat Israel und seinen Bewohnern zu den Erfolgen der vergangenen 60 Jahre und wünschte, dass man dem lang ersehnten Frieden näher kommen möge. Er erinnerte an die vielfältigen Kontakte insbesondere zu ehemaligen Bewohnern Hannovers in Israel und an den regen Besuchsaustausch. Danach folgte ein vielfältiges Bühnenprogramm. Die Klezmergruppe „Schalom Chawerim“, die Gruppe „Mizwah“ mit ihren Interpretationen klassischer Werke aus Jazz und Klezmer, das „Duo Hora“ und die israelische Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde sorgten für Feststimmung. Die über 600 Teilnehmer, die an den Ständen der mit Israel verbunden Gesellschaften, Vereine pp. regen Austausch führten, freuten sich darüber, dass es gelungen war, zu dem besonderen Anlass ein so buntes und abwechslungsreichen Programm zu erleben. Neben Gad Lahad von der israelischen Botschaft, der in seinem Grußwort auf die vielfältigen Errungenschaften seines Landes hinwies, wurde Ministerpräsident a.D. Ernst Albrecht, der mit seiner Anwesenheit und seinem Beitrag zur Vertiefung der deutsch-israelischen Freundschaft nachhaltig beigetragen hat, herzlich gegrüßt.
Ein gelungener Tag, der bei Sonnenschein, vielen kulinarischen Genüssen und den engagierten Wort- und Musikbeiträgen die Verbundenheit mit Israel zum Ausdruck gebracht hat.
Fahrt nach Bergen-Belsen
Der Tradition der Gesellschaft folgend wurde am 6. Juli eine Tagesfahrt nach Bergen-Belsen unternommen, die regen Zuspruch der Mitglieder und Freunde der Arbeitsgemeinschaft fand. Die Fahrt stand unter dem Motto: „Leid, das nie vergessen werden darf“.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangnen- und Konzentrationslagers erinnern Massengräber und Mahnmale an das Grauen, das sich hier ereignete. Der Besuch in dem seit einigen Monaten neu errichteten Dokumentationszentrum mit einer neuen Dauerausstellung mit erschütternden Dokumenten, in denen Einzelschicksale stellvertretend für Tausende anderer Opfer stehen, war mehr als sehenswert. Die Mitreisenden wurden vom Leiter der Gedenkstätte, Herrn Dr. Rahe, begrüßt, der in die Geschichte einführte. Zunächst wies Dr. Rahe auf die Kriegsgefangenen hin, die von 1941 bis 1943 – anfangs teilweise unter freiem Himmel – eingepfercht waren. Später wurden Juden und Häftlinge aus frontnahen Lagern aufgenommen. In den letzten Monaten vor Kriegsende begann ein unbeschreibliches Massensterben.
In Vitrinen des Dokumentationzentrums werden Leihgaben ehemaliger Lagerinsassen wie kleine Alltagsgegenstände, persönliche Aufzeichnungen und Kleidungsstücke gezeigt. Im Boden sind Funde späterer Ausgrabungen wie Stacheldraht, Besteck und Münzen eingelassen. Ein „Steinerner Weg“, gesäumt von hohen Wänden, der wie ein Tunnel ohne Fluchtmöglichkeit anmutet, führt auf das Freigelände Bergen-Belsen. Auf einem Plateau, das sich genau in der Mitte der beiden Lagerstraßen befindet, lässt sich an Modellen das ehemalige Lager mit den Gegebenheiten der heutigen Gedenkstätte vergleichen. Jugendliche aus vielen Ländern legen in Arbeitseinsätzen Fundamente ehemaliger Gebäude frei.
Ein Obelisk und eine lange Inschriftenwand ragen auf dem Gelände hervor. Ein in dieser Nähe errichteter jüdischer Gedenkstein mit Inschriften in hebräischer und englischer Sprache erinnert an das sich dort ereignete Grauen. Zahlreiche symbolische Grabsteine, die Angehörige der Opfer hier aufgestellt haben, umgeben den Gedenkstein. So ist auch ein Gedenkstein Anne und Margot Frank gewidmet, die hier in Bergen-Belsen im März 1945 an Typhus starben. Insbesondere für Jugendliche ist dieser Gedenkstein ein besonderer Anziehungspunkt.
Georg Berthold