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Arbeitsgemeinschaft Stade

Eine Talmudistin in und aus Stade

Begeisterte Zuhörer in Stade erfreuten sich an einem Vortrag „Töchter des Talmud – Geschichte einer schwierigen Beziehung“ von Christiane Steuer, Doktorandin am Institut für Judaistik an der Freien Universität Berlin. Die Einstimmung auf das Thema wurde mit den aufgestellten 12 Bänden der Goldschmidt-Übersetzung des Talmud erreicht und daneben das Neue Testament. Die gut vorbereitete und klar formulierende Referentin händigte 12 Texte aus 10 Traktaten aus, so dass jeder gut folgen konnte. Mit den ersten Worten aus dem ersten Traktat (Berachot) behandelte sie Fragen der Struktur, dann aber immer mehr solche des Inhaltes. Die im Abendland ungewohnte Diskussionsweise der Rabbinen in den Traktaten verglich Frau Steuer mit einem bunten Faden in einem Gewebe, der dann auf einmal an einer ganz anderen Stelle wieder auftaucht. Die Beziehung Gott – Israel stellte sie bildhaft durch die von Vater – Tochter dar, wofür eine sehr poetische Übersetzung des Jesaja 3:16-21 benutzt wurde. In ihrem nachdenkenswerten feministischen Ansatz zeigte die Referentin, dass die Töchter in den Geschichten der Rabbinen die Charakteristika ihrer Väter unterstrichen und hervor hoben und selbst als Ehefrauen berühmter Gelehrter immer als die Töchter ihrer Väter wahrgenommen wurden. Frau Steuer verstand ihre Begeisterung für die inhaltliche und sprachliche Vielfalt des Talmud überzeugend ihren Zuhörern in Stade zu vermitteln.

Diese Faszination für die hebräische Sprache, die sich die 15-jährige Schülerin aus Stade ohne Hilfe selbständig beigebracht hatte, war schon seinerzeit bei der ersten Begegnung mit ihr erkennbar. Sie wollte unbedingt nach der 10. Klasse in Israel zur Schule gehen, nach Überwindung vieler Schwierigkeiten und mit Hilfe von Herrn Freitag (DIG-AG Ostfriesland) war sie ein halbes Jahr während der 11. Klasse in einer High School im Galil. Nach umständlichen Zick-Zack-Wegen saß etliche Jahre später die Studentin Christiane Steuer drei Wochen lang an einem Strand in Italien und versuchte sich eine Talmud Stelle und die entsprechende Tosefta in hebräisch und aramäisch zu erschließen. Sekundärliteratur dazu gab es nicht, wie ihre Lehrerin Frau Prof. Tal Ilan versicherte. So las sie die Stellen wieder und wieder, zeichnete Verbindungslinien, drang zu immer größerem Verständnis vor und hatte schließlich ein Gewebe geknüpft, das tragfähig zu sein schien. Noch als Studentin hielt Christiane ihren ersten Vortrag in Haifa, später in Toronto und Jerusalem. An der Herausgabe von "A Feminist Commentary of the Babylonian Talmud. Introduction and Studies" Tübingen 2007 ist sie beteiligt.

So versucht Frau Steuer mit Hilfe der Gender-Wissenschaft zu neuen Erkenntnissen im Talmud zu gelangen und diese ihren Hörern nahe zu bringen.

Für uns in Stade war die Talmudistin aus Stade ein Erlebnis. Anderen DIG-AGs ist sie als Referentin über den Talmud zu empfehlen.

Dr. Peter Meves


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