Arbeitsgemeinschaft Oldenburg
Mit Musik Konflikt überwinden
„Zusammentrommeln – Jugendliche aus Orient und Okzident hauen auf die Pauke“
Wenn Ariel, Mohammed, Jakob und die anderen Jungen zusammen trommeln, wird es laut. Große, tiefe Trommeln, helle Glocken und Rasseln finden einen Rhythmus – ein Klang mit einer großen symbolischen Bedeutung. Denn die Jungen, die zum Percussion-Workshop zusammengekommen sind, sind arabische und jüdische Israelis und Deutsche – eine Kombination, die an Konflikte denken lässt, aber auch Hoffnung weckt. Veranstalter sind die Deutsch-Israelische Gesellschaft, das Projekt klangpol, das Jugendamt und das Büro für Internationale Beziehungen.
Vier jüdische und vier arabische Israelis aus Oldenburgs Partnerlandkreis Mateh Asher sowie vier Oldenburger zwischen 12 und 16 Jahren wohnen seit einigen Tagen im Missionarischen Zentrum. „Obwohl die Jungen in einem Landkreis leben, sind sie sich nie begegnet. Jeder wohnt in seiner Gemeinde“, berichtet Roland Neidhardt, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Bis nach Oldenburg mussten sie reisen, um gemeinsam zu musizieren. Am 26. Juli gaben sie im Rahmen des Kultursommers ein Konzert. „Es wird – auch wenn der Begriff abgedroschen ist – Weltmusik“, sagt Axel Fries, Schlagzeuger und Leiter des Workshops. Arabische und hebräische Volksmusik haben das Programm beeinflusst, dazu Samba, Jazz und Pop.
Bei den Proben, sagt der arabische Lehrer Mussa Shuli, spielt die große Politik keine Rolle, auch Vorurteile gebe es kaum. Der Nahostkonflikt ist weit weg. Statt Araber, Juden und Deutsche sind sie Schüler von Axel Fries, Riwka Zalalyachin und Mussa Shuli – die Musik ist entscheidend.
Und doch merken die Jungen Unterschiede im Umgang miteinander. Da kommt es auch zu Reibereien – wann Spaß aufhört und Ernst anfängt, davon haben die Jungen teils verschiedene Vorstellungen. „Anfangs war es schwierig“, sagt der 15-jährige Jakob aus Oldenburg. Und dann die Verständigung: Die jüdischen und deutschen Jungen sprechen englisch, die arabischen besser hebräisch. Aber Musik und Sport sind internationale Sprachen. Das Proben macht allen viel Spaß.
Alle Verantwortlichen und Betreuer sind sicher, dass den Jungen dieses Erlebnis in Erinnerung bleiben wird und es ein kleiner Schritt in Richtung Verständigung sein kann. „Es ist eine emotionale Bindung“, sagt Lehrer Mussa Shuli. „Das wird sich auch auf die Familien auswirken.“
Ulrike Gerards