Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein
„Chance auf eine Nahost – Lösung“
Vortrag von Dr. Johannes Gerster im Lübecker Rathaus
Bis auf den letzten Platz besetzt war der Audienzsaal des Lübecker Rathauses, als am 10. Juni der Präsident der DIG über den Nahost-Konflikt referierte. Eingeladen hatte die Bundestagsabgeordnete für Lübeck und Nordlauenburg, Anke Eymer (CDU), zugleich Vizepräsidentin der Gesellschaft und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Schleswig- Holstein. Sie konnte nahezu 200 Besucherinnen und Besucher begrüßen, die mit großem Interesse den Ausführungen von Dr. Gerster folgten. Nach langjähriger parlamentarischer Tätigkeit hatte er in der Zeit von 1997 bis 2006 die Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel geleitet.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war das Bemühen, die Konflikte Israels mit den Palästinensern und den arabischen Nachbarstaaten einer friedlichen Lösung näher zu bringen, etwa durch unterstützende Dialogveranstaltungen mit israelischen und palästinensischen Studenten, Unternehmern und vor allem Politikern. Nicht nur die dabei gemachten Erfahrungen schilderte Dr. Gerster seiner Zuhörerschaft. Er machte auch deutlich, dass ohne die Anerkennung des Existenzrechtes Israels ein dauerhafter Frieden nicht zu erreichen sei und insbesondere radikale Gruppen wie die Hamas ihre Position aufgeben müssten. In einem Gespräch mit deren später von den Israelis getöteten Mitbegründer und Chefideologen, Scheich Ahmed Yassin, habe dieser auf die Frage, wie lange die Hamas den Krieg gegen Israel führen wolle, erklärt: „Ganz einfach. So lange, bis der letzte Jude Israel verlassen hat“.
Trotz solcher persönlicher Erfahrungen zeigte sich Dr. Gerster optimistisch. Neuesten Umfragen zufolge glaubten zwar Israelis und Palästinenser mehrheitlich nicht an ein schnelles Ende des Konflikts, doch nahezu zwei Drittel der Menschen auf beiden Seiten sprächen sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus. Auch in den Staaten der arabischen Welt zeichne sich, vor allem unter den politisch gemäßigten Führungen, eine entsprechende Mehrheit ab. Wenn nun die Vertreter des sog. „Nahost-Quartetts“, bestehend aus EU, USA, Russland und den Vereinten Nationen, in abgestimmter Weise ihren Druck auf Israel und die Palästinenser verstärken würden, so bestünde eine durchaus reale Chance für eine friedliche, dauerhafte Lösung.
Nach Ende seines Vortrags stellte sich Dr. Gerster in einer lebhaften Diskussion den Fragen der Anwesenden, unter ihnen neben zahlreichen Schülerinnen und Schülern auch Frau Soja Kanuschin, Verwaltungsleiterin der jüdischen Gemeinde Lübeck und Mitglied der CDU-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft. Frau Kanuschin ist die erste Abgeordnete aus den Reihen der jüdischen Gemeinde seit über 100 Jahren. Bei einem Glas Wein und traditionellem Marzipan klang mit anregenden Gesprächen ein Abend aus, dessen Thema viele Zuhörer noch durch die Lektüre eines Buches vertiefen wollten, welches Dr. Gerster bereitwillig signierte und in dem er über seine Erlebnisse in Israel berichtet: „Meine Briefe aus Jerusalem“.
Anke Eymer, MdB