Arbeitsgemeinschaft Düsseldorf
Zeitläufe - Frank Schablewski liest Ilana Shmueli
Zu einer Lesung hatte die DIG ins Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus eingeladen. Frank Schablewski las aus den Werken der gebürtigen Czernowitzerin und jetzt in Jerusalem lebenden Schriftstellerin Ilana Shmueli. Die 84-jährige Ilana Shmueli erhielt in diesem Jahr gemeinsam mit Josef Burg, dem kurz vor der Lesung am 11. August 2009 97-jährig verstorbenen und bis zu seinem Tod in Czernowitz lebenden großen Dichter in jiddischer Sprache, den Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil.
Der Düsseldorfer Schriftsteller Frank Schablewski befasst sich seit einigen Jahren mit Leben und Werk Ilana Shmuelis und besuchte sie mehrfach in Jerusalem, zuletzt im Sommer dieses Jahres. Die 1924 als Liane Schindler in ein großbürgerliches Haus geborene Shmueli flüchtete nach dem Czernowitzer Ghetto über Constanza und Istanbul nach Palästina. Dort studierte sie Musikerziehung, Sozialpädagogik und Kriminologie und arbeitete lange Jahre in Tel Aviv. 1965 traf Ilana Shmueli ihren Jugendfreund Paul Celan in Paris wieder. Er zeigte ihr Paris, dafür versprach sie, ihm Jerusalem zu zeigen, was sie auch im Jahre 1969 tat. Ein intensiver Briefwechsel begann. Erst 20 Jahre nach der Wiederbegegnung mit Paul Celan begann Ilana Shmueli eigene Gedichte zu schreiben. Ihre Aufzeichnungen „Sag, dass Jerusalem ist“ erschienen 1999 auf Hebräisch und enthielten auch die Übersetzung von 27 Gedichten Celans. Der Briefwechsel mit Paul Celan wurde 2004 im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Zwei Jahre später folgten im Rimbaud-Verlag ihre Erinnerungen „Ein Kind aus guter Familie“, im Jahr 2007 der Gedichtband „Zwischen dem Jetzt und dem Jetzt“ und zuletzt 2009 das Werk „Zeitläufe – ein Brief“.
Frank Schablewski weiß spannend von den Begegnungen mit Ilana Shmueli zu berichten und die ausgewählten Textpassagen aus ihren Büchern unterstreichen das Erzählte. So wurde der kulturelle Hintergrund ihres Schreibens deutlich. Gerade auch Shmuelis Lyrik, die, zwar beeinflusst von Celan, den eigenen Weg sucht.
Gerd Spliedt