Arbeitsgemeinschaft
„Jugend im (Nahost-)Konflikt“ – Das erste Jugendseminar der DIG Bonn
Vom 4. bis 6. September veranstaltete die DIG Bonn ihr erstes Jugendseminar für Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedener Schüleraustausche, die in der Bonner Region zahlreich vertreten sind. Diesmal waren es Schüler des Rhein-Sieg-Gymnasiums, Sankt Augustin und des Dreikönigsgymnasiums, Köln, die zu dem Thema „Israel – Palästina – Jugend im (Nahost-)Konflikt“ in der Abtei Michaelsberg in Siegburg zusammenkamen, um sich mit Grundlagen und Hintergründen des Nahostkonflikts auseinanderzusetzen.
Das Jahresseminar der DIG Bonn hat eine lange Tradition und findet seit 23 Jahren in Königswinter statt. Daran nehmen immer auch Schüler von Gymnasien der Region teil, deren Interesse an Israel durch einen Schüleraustausch geweckt worden ist, häufig gestalteten sie auch Teile des Seminars. Dies wurde sowohl von den Mitgliedern der DIG als auch von den Schülerinnen und Schülern immer als große Bereicherung empfunden, und dennoch blieb häufig das Gefühl zurück, dass über den klassischen Vortrag mit anschließender Diskussion hinaus für Jugendliche andere Methoden und Formen der Information und Auseinandersetzung reizvoller wären. So wurde die Idee geboren, ein Seminar für Schüler verschiedener Schulen zu organisieren, das sowohl eine fundierte und jugendgerechte Auseinandersetzung mit der Thematik als auch die Möglichkeit zum Austausch zwischen verschiedenen Schulen bieten sollte.
Mit dem „Politischen Arbeitskreis Schulen“ fand sich ein Partner, der über viel Erfahrung und die Infrastruktur in Sachen Schülerarbeit verfügt, und mit Petra Schöning wurde eine überaus kompetente und engagierte Seminarleiterin gewonnen – eine Nahost-Expertin, die unter anderem zwei Jahre als Zivile Friedensfachkraft für das Willy Brandt Center Jerusalem gearbeitet hat. Sie konzipierte für die DIG ein Seminar, das sowohl für Einsteiger in die Thematik Grundlagen bereitstellte, als auch reichlich Diskussionsstoff für Fortgeschrittene bot.
Während der Freitagnachmittag für grundlegende Informationen über den Staat Israel genutzt wurde, beschäftigten sich die Jugendlichen am Samstag vor allem mit der politischen und gesellschaftlichen Situation junger Erwachsener in Israel aus israelischer und palästinensischer Sicht. Anhand von Filmausschnitten, Fotos und Texten erarbeiteten sie weitgehend selbstständig Biographien und Problematiken und setzten sich mit der Menschenrechtssituation in den palästinensischen Gebieten auseinander. Zwischendurch gab es im Rahmen der Präsentationen immer auch Raum für Nachfragen und kontroverse Diskussionen.
Insbesondere der Film „Hass und Hoffnung“, der im Zentrum des gemeinsamen Abends stand und in dem ein Projekt dokumentiert wird, das israelische und palästinensische Kinder mehrere Jahre begleitet und einen Austausch zwischen ihnen fördert, führte zu einem bewegenden Gespräch. Hier konnten auch die Schüler, die ihre israelischen Austauschpartner schon kennen gelernt hatten, denjenigen, die sich darauf noch vorbereiteten, wertvolle Einblicke in das Dilemma israelischer Jugendlicher geben und sich so gemeinsam auf die besondere Thematik eines deutsch-israelischen Jugendaustausches einstellen.
Den Höhepunkt des Seminars stellte das Planspiel einer Nahost-Friedenskonferenz dar, wofür die historischen Voraussetzungen schon am Samstag erarbeitet worden waren. Eingeteilt in Vertreter verschiedener Interessengruppen – Israelis, Palästinenser, USA, EU und Arabische Liga – bereiteten sich die Jugendlichen anhand von Materialien auf dieses Zusammentreffen vor – mit dem Ziel, den Nahost-Konflikt zu lösen. Es wurden Vorgespräche geführt, Absprachen getroffen und Statements verfasst, bis man schließlich am runden Tisch zusammenkam. Als nach einer Stunde intensiver und konstruktiver Gespräche auf hohem Niveau noch immer keine Lösung des Konflikts in Sicht war, wurde für alle Beteiligten die Komplexität der Problematik erfahrbar.
Am Schluss stand bei allen Teilnehmern das Gefühl, in zwei Tagen unwahrscheinlich viel gelernt zu haben, einen tiefen Einblick in die Thematik gewonnen zu haben und einem Austausch mit israelischen Jugendlichen mit sehr viel mehr Wissen über und Gespür für Hintergründe entgegensehen zu können. Für die DIG Bonn waren die Ergebnisse dieses ersten Jugendseminars so ermutigend, dass wir die Idee ganz sicher fortführen und das Konzept weiterentwickeln möchten.
Verena Bergfeld