Arbeitsgemeinschaft Hamburg
Das Schulprojekt der DIG Hamburg
Die DIG AG Hamburg hat 2009 das Schulprojekt „Information über den Staat Israel: Politik, Religion, Land und Leute” mit finanzieller Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg realisiert. Ziel des Projektes ist es, Hamburger Schülern durch israelische Referenten authentische Einblicke in das Israel von heute, in seine Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik zu vermitteln – anschaulich, lebendig, nachhaltig. Das Projekt dient der Völkerverständigung, dem Abbau von Vorurteilen und der Vertrauensbildung. Die DIG AG Hamburg fungiert hierbei als Mittler zwischen fachkundigen Referenten und Hamburger Schulen. Sie stimmt die Vortragsvorschläge im Dialog mit den Schulen ab, organisiert die Begegnungen und sorgt für deren Nachbereitung.
„Muss ich Jude sein, um meinen Zivildienst in Israel ableisten zu können”
Eindrücke von dem Schulprojekt 2009 der DIG Hamburg
1. September, 11 Uhr: Unser Referent, Rabbiner Shlomo Bistritzky (32), eilt der bunten Gruppe der Georg-Leber-Schule an diesem geschichtsträchtigen Tag im Hamburger Grindelviertel entgegen. Eben noch hat er die Erstklässler an der Talmud-Tora-Schule begrüßt, jetzt will er den 24 Gesamtschülerinnen und -schülern der 11. Klassenstufe Rede und Antwort stehen zu Fragen rund um das Spannungsfeld von Religion, Alltagsleben und aktueller Politik. Zwei Stunden anschaulichen Vortrags wie reger Diskussion entfalten dabei die ganze Fülle des Themenkatalogs des Schulprojektes 2009 der DIG Hamburg.
„Information über den Staat Israel: Politik, Religion, Land und Leute”: Unter diesem Motto wird nach den Wünschen und Bedürfnissen der Schulen und in enger Absprache mit den Lehrkräften zielgruppengerecht und multiperspektivisch gearbeitet. Ziele sind der Abbau von Vorurteilen sowie die Vermittlung von Wissen über Israel. Das Angebot ist kostenfrei, da das Projekt von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert wird.
Zurück zu unserer Schülergruppe aus Hamburg-Schnelsen: Was macht denn ein Rabbiner? Welche Regeln lernt er an der Jeschiwa? Wie ist die Stellung der Frau im Judentum? Und wie steht es zur Homosexualität? Welche Bedeutung haben Familie, Kinder und der Schutz des Lebens? Und wie verträgt sich das mit dem permanenten Zwang Israels zur Selbstverteidigung? Was unterscheidet orthodoxe von liberalen Gemeinden? Ist Israel ein jüdischer Staat? Engagiert und neugierig diskutieren die Schüler mit dem freundlichen Rabbiner, der jede Frage kompetent wie lebensnah und anschaulich beantwortete.
Einen Monat später, 1. Oktober, 9.45 Uhr: Der Journalist Igal Avidan (47) sitzt auf der Bühne 13 der Gesamtschule Bergedorf vor über 50 Schülerinnen und Schülern der obersten Klasse. Die drei Leistungs- wie Grundkurse haben sich auf das Thema Israel und Naher Osten gut vorbereitet. Doch mit seiner Einstiegsfrage überrascht Avidan: Was fällt Euch bei dem Wort Israel ein? Spontan wird Gaza genannt und Krieg. „Aber Gaza gehört doch gar nicht zu Israel.”
Also erst mal zu den einfachen Fragen: Wie wird man Israeli? Wer darf einwandern? Wie heiratet man und was tun Konfessionslose? Es folgen Informationen zum Bevölkerungsaufbau, zu den religiösen Gruppen und zur Geographie. Anhand von Landkarten erläutert Avidan die Teilungspläne seit der Peel-Kommission über die Staatsgründung, den 6-Tage-Krieg, den Oslo-Prozess bis hin zur Gegenwart: „Und wer kontrollierte eigentlich die Westbank bis 1967?”
Schließlich rundet der Referent die lebhafte Diskussion mit Informationen zum Schüleraustausch der Bundesrepublik mit Israel ab, der seit 1961 über 500.000 Schüler nach Israel geführt hat. Über 150 deutsche Schulen sind zur Zeit darin engagiert. Und wer Zivildienst leisten möchte, könne das auch in Israel (z.B. in Yad Vashem) tun – und er muss dafür nicht Jude sein.
Thomas Thanisch
Mitglied des Vorstandes und Projektleiter