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DEN ARBEITSGRUPPEN: AG Magdeburg
THEMA: Ein Auftakt:
40 Jahre diplomatische Beziehungen
zwischen Deutschland und Israel
Schon im Februar wurde das Jubiläum als gemeinsame Veranstaltung von FES, LpB und DIG in Magdeburg erfolgreich begangen
und damit zu einer Art Eröffnung der vielen und vielfältigen Angebote überall im Lande.
Es wurde eher eine Veranstaltung zum Nachdenken, als ein Jubelfest, welches zum Ort - einem üppigen Palais im Stil eines
italienischen Palazzo - gepasst hätte und das die auswärtigen Gäste schwer beeindruckte. Das tat auch die Zahl der Teilnehmer:
Botschafter Stein nahm den "einen Wunsch" in Anspruch: Alle Anwesenden sollten doch Mitglieder der DIG werden, was Professor
Manfred Lahnstein zu dem Schmunzelscherz veranlasste: Magdeburg nach Hamburg und Berlin die Nr. 3 in der DIG?
Also: Präsident Lahnstein sprach im Podium mit Botschafter Shimon Stein und Botschafter a. D. Otto von der Gablentz in erster
Linie über die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen. Insofern betrachteten alle drei die bisherigen Beziehungen als
Auftakt für die notwendige Weiterentwicklung:
"Wie tragen wir das, was wir in den ersten 40 Jahren entwickelt haben, hinüber in die nächsten 1 1/2 bis 2 Generationen?" so
Prof. Lahnstein in der Eröffnung.
Im notwendigen, aber kurzgehaltenen Rückblick betonte Botschafter Stein die staatsmännische Weitsicht von Ben Gurion und
Adenauer, "zum richtigen Zeitpunkt eine in ihren jeweiligen Gesellschaften - aus ganz verschiedenen Motiven heraus - heftig
umstrittene Entscheidung zu treffen." Er erinnerte aber auch an die deutsche Sprachakrobatik zur Etikettierung der Beziehungen
(Willy Brandt: "normale Beziehungen mit besonderem Charakter.") Was allein zählt, seien die Inhalte.
Otto von der Gablentz berichtete, er habe sich als Botschafter Anfang der 90er weniger mit Diplomatie, also mit den Beziehungen
der Regierungen zu befassen gehabt: "Es ging eher um das Verhältnis von 5 Millionen Israelis und 80 Millionen Deutschen," etwa
wenn Israelis 1991 mit Gasmasken in ihren Schutzräumen saßen, ahnend, dass Saddam deutsches know-how schickt.
Den Rückblick schließt Prof. Lahnstein so ab: "Beide Botschafter erinnern, dass wir uns nicht mehr auf ganz brüchigem Gelände
bewegen." Und nach der durch persönliche Erfahrung gestützten Empfehlung, man könne aus Krisen in den deutsch-israelischen
Beziehungen auch lernen: "Wir sind nicht sicher, dass sich nicht irgendwann auch wieder einmal ein Abgrund auftun kann.
Die Brückenbauer müssen weiter aktiv sein!"
Wenn man bedenkt, wie wenig in den vielen öffentlichen Talk-Runden zu den Beziehungen wirklich deren Substanz für die Zukunft
thematisiert wird und man sich statt dessen bei dem Sinn des Denkmals in Berlin oder dem Konflikt mit den Arabern aufhält,
dann kann man nur dankbar sein, wie sich die Drei im Magdeburger Podium dieser wichtigeren Frage gewidmet haben:
Welches werden die Grundlagen der künftigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sein?
Präsident Lahnstein hatte Botschafter Stein ausdrücklich um seinen Beitrag zu den Zukunftsfragen gebeten. Der sagte einleitend,
dass, was er zu sagen habe, nicht einfach sei und er damit die Zuhörer zum Denken locken wolle. Deshalb sei dies hier auch
ausführlicher wiedergegeben:
Die Grundlagen der Beziehungen Israels zu den Vereinigten Staaten - Freiheit und Demokratie als Leitbild der Außenpolitik,
die jüdische Gemeinschaft als tragende Säule und Brücke sowie die strategische Interessenlage - fänden in den Beziehungen
zu Deutschland keine Entsprechung, sagte Botschafter Stein.
Auch im politischen Bereich blieben Fragen offen: Shimon Stein zitierte Bundespräsident Köhler, der in seiner Antrittsrede
als wichtigste Partner Polen und Frankreich nannte, mit denen habe Deutschland eine Vergangenheit. Deutschlands Schicksal
entscheide sich in Europa. Deswegen seien Polen und Frankreich für Deutschland von großer Bedeutung. Israel wurde in
diesem Zusammenhang nicht erwähnt. Es sei ja auch nicht durch institutionalisierte Rahmenbedingungen verknüpft wie die
EU-Staaten. Noch gäbe es solche institutionellen Verknüpfungen zwischen Deutschland und Israel nicht.
"Hat Israel für Deutschland auch solch eine Bedeutung - Fragezeichen," so Botschafter Stein.
Wenn die amerikanisch-israelischen Grundlagen die Beziehungen zu Deutschland nicht begründen, was bleibt dann, außer
der Erinnerung als Kern dieser so bestehenden Beziehungen?
Die erste Aufgabe im Blick auf die Zukunft sei dann, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu gestalten für eine Zeit,
wo die Zeitzeugen nicht mehr unter uns sind und wo sich vielleicht auch andere Bedingungen der Beziehungen ändern.
Erinnerung sei ein Bestandteil der israelischen Identität. Sie bleibt tief verankert in einem Volk, das - bedingt durch
die Jahrtausende - ein langes historisches Gedächtnis hat. Es sei die Frage, ob und wie die Erinnerung auch in
Deutschland verankert ist. Eine gemeinsame Erinnerungskultur sieht Botschafter Stein als deutsch-israelische Aufgabe,
damit sie sich als tragfähige Grundlage der Beziehung entwickelt.
Der Berichterstatter darf hier als Fußnote an die enge Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Denkmal und Yad Vashem
an der Datei der Namen und an die Rede des Bundespräsidenten vor der Knesset erinnern: "Die Verantwortung für die Shoah
ist Teil der deutschen Identität."
Eine weitere Gemeinsamkeit bestehe darin, dass Deutschland und Israel als Demokratien im 21. Jahrhundert unter den
Herausforderungen durch die Bedrohung durch den radikalen islamistischen Terrorismus gegen die zivilisierte Welt
stehen. Nur gemeinsam und mit den anderen westlichen demokratischen Ländern können sie sich erfolgreich wehren.
Auf dem von Prof. Lahnstein schon angesprochenen Gebiet der technischen und wissenschaftlichen Kooperation wie auch
auf anderen Gebieten bestünden gute Chancen, zu beiderseitigem Gewinn und Zuwachs ("win win") zu gelangen.
Botschafter a. D. von der Gablentz betonte den Jugendaustausch mit Nachdruck als tragende Säule der Beziehungen und
ihrer Weitergabe in die nächsten Generationen.
Joachim Krüger
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