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AUS DEN ARBEITSGRUPPEN: Kempten-Allgäu

THEMA: Auf jüdischen Spuren in Ulm

Der diesjährige Ausflug der DIG Kempten-Allgäu führte an einem sonnigen Allgäuer Oktobersonntag ins neblige Ulm. Auf dem Bahnhof erwartete Christof Maihöfer die DIG-Gruppe und erinnerte gleich an dieser Stelle an den Abtransport der Ulmer Juden zwischen 1941 und 1943. Durch die Augen der Resi Weglein, die nach dem Krieg mit ihrem Mann nach Ulm zurückkehrte, ließ Herr Maihöfer die schreckliche Zeit der Verfolgung in der Nazizeit lebendig werden. Die gedemütigte jüdische Ulmer Bürgerin, ein schwäbisches Urgestein, stand stellvertretend für die Überlebenden, die in der Nachkriegszeit mehr als schlecht behandelt wurden. Die Lage der Juden in den zahlreichen DP-Lagern (Lager für displaced persons) ist ein Thema, das noch lange nicht erforscht ist. Jahrelang mussten die Menschen unter Unfreiheit und Hoffnungslosigkeit leiden. Viele starben in diesen Lagern oder sie wurden einfach erneut deportiert und verschwanden z.B. in den Weiten Sibiriens. Diese Tatsachen sind vielen Menschen unbekannt.
Herr Maihöfer führte die Gruppe dann in das mittelalterliche jüdische Ulm. Seinem Forschungsdrang ist es zu verdanken, dass viele Spuren wieder sichtbar wurden, vor allem die alten jüdischen Grabsteine, die schon im Mittelalter vom Friedhof entwendet wurden. Man missbrauchte sie, indem man die Rückseiten mit christlichen Reliefs versah oder sie als Baumaterial verwendete. Sogar das Grundsteinlegungsrelief des Ulmer Münsters ist ein alter jüdischer Grabstein. Im Ulmer Münster finden sich neben mittelalterlichen Judenverunglimpfungen eindrucksvolle Zeichen des Umdenkens. Das Israelfenster zeigt die leuchtende Menorah, den Davidsstern, der auch von außen sichtbar ist, und Symbole des Überwindens der Schrecken der Shoah. Trotz all der Verfolgungen im Mittelalter und der Neuzeit ist Ulm wieder Heimat für eine jüdische Gemeinde geworden. Durch den Zuzug russischer Juden ist die Gemeinde gewachsen und plant intensiv den Bau einer Synagoge. Diese neue Entwicklung findet in der Stadt Ulm breite Zustimmung. Zum Beispiel findet an Chanukka neben dem Gedenkstein für die Verfolgten und Ermordeten das Lichtzünden an einer großen Chanukkia statt. Christof Maihöfer hat mit seiner fachkundigen Führung den Teilnehmern viel Wissen vermittelt. Sein Besuch in Kempten ist ins Auge gefasst, damit mehr Menschen von seinen Forschungen erfahren.

Maria Lancier


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