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AUS DEN ARBEITSGRUPPEN: Trier

THEMA: Ausstellung "Abgestempelt - Judenfeindliche Postkarten" vom 4. Oktober bis 8. November 2006 in der Volkshochschule Trier

Die Ausstellung umfasst Postkarten vom Kaiserreich und der Weimarer Republik bis zum Nationalsozialismus aus der Sammlung Haney. Die Ausstellung wurde vom Jüdischen Museum Frankfurt/Main erstellt und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung präsentiert.
Die DIG AG Trier lud gemeinsam mit der Volkshochschule Trier im Oktober zur Eröffnung der Ausstellung "Abgestempelt - Judenfeindliche Postkarten" ein. Sie wurde am 4. Oktober 2006 im Foyer der Volkshochschule am Domfreihof für das Publikum eröffnet und war dort bis zum 8. November zu sehen.
Antisemitische Bildpublizistik ist ein Element des Alltagsantisemitismus, das im Kaiserreich kurz nach Erfindung der Postcorrespondenzkarte aufkommt. Bildpostkarten fanden im Deutschland des Kaiserreichs einen rasanten Absatz. Eine ganze Reihe von Verlagen führte in ihrem Programm auch antisemitische Bildpostkarten, die Juden diskriminierten, aus dem Tourismus und den Hotels ausschlossen, sie rassistisch verzeichneten, des Ritualmordes bezichtigten und Vertreibungs- und bereits im Kaiserreich schon Vernichtungsphantasien propagierten. Es zeigt sich, dass diese Form des Alltagsantisemitismus schon weit vor dem Nationalsozialismus ein in der radikalen Bildpropaganda verbreitetes Alltagsphänomen war. Die Ausstellung analysiert die verschiedenen Phasen und Deutungsmuster, die über dieses populäre Medium verbreitet wurden.
Einleitende Worte sprachen Oberbürgermeister Helmut Schröer und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Benz Botmann. Schröer betonte, dass das erste Befremden über das Thema, dessen unmittelbare Relevanz sich nicht sofort erschließe, beim Betrachten der Ausstellung sofort weiche. Man sehe, dass über das Medium der Postkarte alltäglicher Antisemitismus im Kaiserreich und in der Weimarer Republik transportiert wurde. Benz Botmann führte aus, dass die Ausstellung keine rein historische Ausstellung sei oder eine nur theoretische Angelegenheit, sondern dass das Thema auch für die Gegenwart Relevanz besitze, so dass mit der Ausstellung ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Antisemitismus gemacht werde.
Thomas G.A. Mank sprach für die Bundeszentrale für politische Bildung in seinem Grußwort über die Entstehungsgeschichte der Ausstellung und über die Sammlung Haney, auf der die Ausstellung basiert. Die Ausstellung, die ursprünglich in einer großen Fassung mit über 1000 Karten für das Jüdischen Museum Frankfurt und einige Kommuni-kationsmuseen konzipiert gewesen sei, werde in einer komprimierten und gestrafften Fassung seit 2004 auf Tour geschickt und erfahre großen Zuspruch. Durch die geschickte Ausstellungs-architektur sei es möglich, die ganze Postkarte mit Vorder- und Rückseite als Kommuni-kationsmedium zu erfassen.
Schließlich führte in einem Einleitungsvortrag zum Thema "Antisemitische Bildpostkarten - Alltagsantisemitismus von 1880-1930" Hannes Platz, Historiker an der Universität Trier und Vorstandsmitglied der DIG AG Trier, in das Thema der Ausstellung ein. Kernthese des Vortrags war, dass es sich bei den Bildpostkarten um einen generalisierten symbolischen Code der Alltagskommunikation im Zeitalter der ersten Hochphase der Bildpostkarte handelt. Demzufolge kann man einen hohen Grad der ideellen Übereinstimmung zwischen Absender und Adressat der Postkarte annehmen, konkret heißt das, dass sie sich in ihrem Antisemitis-mus verstanden. Anhand verschiedener Stereotypen ('jüdische' Physiognomie, Sexismus, ausgrenzende Karikaturen, Ostjudenstereotyp, Bäderantisemitismus, Vertreibungs- und Vernichtungsphantasien) verdeutlichte Platz den aggressiven und bösartigen Charakter der antisemitischen Bildpublizistik.
Schließlich stellte er fest, dass die aufgezeigten stereotypen Deutungsmuster in der arabischen Presse in radikal antisemitischen Karikaturen wiederzufinden sind, vom Weltverschwörungsvorwurf, der NS-Relativierung bis zur altbekannten Ritualmord- und Blutlegende findet sich alles. An aktuellen Beispielen von Leserbriefen während des Libanonkrieges zeigte er aber auch, dass das Phänomen, das aus Postkartenbeispielen aus Trier im Vortrag beleuchtet wurde, auch heute wieder fröhliche Urstände feiert.

DIG-AG Trier


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