Was haben Hamburger Schülerinnen und Schüler mit Israel zu tun? In der Regel wenig. Im April 2004
jedoch überraschend viel! Das JUNGE FORUM der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg (DIG)
hatte im November 2003 die Idee, unter Jugendlichen im Alter von 14 bis 25 Jahren eine Umfrage
zu starten: "Was wissen wir über das Leben in Israel?" - jenseits von deutscher Geschichte und dem
täglichen Terror im Nahen Osten! Wir stellten Fragen, die Israel aus ganz unterschiedlichen
Perspektiven zeigen. Die Fragen haben für sich bereits einen hohen Informationswert und lenken
die Aufmerksamkeit der jungen Befragten auf Themen, die im Alltag untergehen: Womit verdient die
israelische Wirtschaft das meiste Geld? Dürfen israelische Fußballer um den europäischen
UEFA-Cup spielen? Wie viele Israelis sind arabisch? Die Umfrage sollte lebendig informieren
und gleichzeitig auf interaktive Weise unterhalten.
Geschwind waren Ende 2003 die ersten Fragen konzipiert. Die Botschaft des Staates Israel in
Berlin recherchierte für das JUNGE FORUM top aktuell die Antworten. Als Fragemethode wurde das
"multiple choice"-Verfahren ausgewählt, es verspricht eine rasche Führung durch die insgesamt
23 Fragen. Zum Abschluss wird der Fragebogen von einer offenen Frage abgerundet.
Mit der Unterstützung der Behörde für Bildung und Sport konnten an hundert Schulen über 3000
Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Und damit es den Schulen auch nicht schwer fällt
mitzumachen, wurden ihre Bemühungen belohnt: Allen teilnehmenden Schulen schenkte das
JUNGE FORUM als Dank fürs Mitmachen neben Broschüren und Literatur zu Israel den preisgekrönten
Roman-Polanski-Film "Der Pianist", den die Bertelsmann Music Group (Universum Film) aus München
zu einem Freundschaftspreis zur Verfügung stellte.
Überhaupt wurde die Aktion von starken Partnern begleitet: Das Hamburger Abendblatt als
Medienpartner sorgte mit regelmäßigen Beiträgen während des Befragungszeitraumes immer wieder
für Gesprächsstoff, die Senatorin für Bildung und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg
übernahm die fürsorgliche Schirmherrschaft. Ihre Behörde war es, die uns mit einem günstigen
und direkten Transportweg der Fragebögen und Materialien sehr half. Und ohne die fachlichen
Hinweise und Anregungen hätte der Aktion vieles gefehlt.
Berge von Papier türmten sich im März 2004 beim JUNGEN FORUM - und verschwanden gut sortiert
in hundert großen Umschlägen: Eine der größten Umfragen unter Jugendlichen zum Thema Israel in
Deutschland überhaupt kam ins Rollen.
Die Papierberge kamen jedoch zurück! In der zweiten Mai-Woche nahmen ein Dutzend Mitglieder und
Freunde des JUNGEN FORUMS mit gespitztem Bleistift die ausgefüllten Fragebögen zur Auswertung
gespannt entgegen. Informieren durch Animieren
Nur wenige Teilnehmer haben alle Fragen richtig beantwortet. Das war vorhersehbar, aber auch nicht
das Entscheidende: Da wir so wenig über Israel jenseits der aktuellen Nachrichtenlage wissen,
wollte das JUNGE FORUM das Bauchgefühl und Vorstellungsvermögen der Befragten herausfordern.
Und es gelang, mit dem Fragebogen einen oftmals ersten Kontakt zu Israel überhaupt herzustellen.
"Wir wollen die stark unterbelichteten Seiten Israels zeigen, die Vielfalt der modernen
israelischen Gesellschaft vor Augen führen!", so die Botschaft der Initiatoren.
Die Ergebnisse der Umfrage sind daher zweitrangig, aber nicht minder interessant und
spannend: Detailliert wurden exakt 1.300 Fragebögen ausgewertet, nach Altersgruppen,
Schultyp und Geschlecht.
"Wie viele Frauen darf ein jüdischer Israeli heiraten?". Eine oder maximal fünf? Kenner
und Freunde des Landes Israel lächeln dabei etwas ratlos, aber nicht alle Befragten meinten,
die Polygamie sei jüdischen Israelis unmöglich. Extremer jedoch die Tatsache, dass 59% der
Befragten Israel als Militärstaat oder Monarchie wahrnehmen. Die Aktion "Was wissen wir über
das Leben in Israel?" hat gezeigt, wo die Gründe und Wurzeln eines um sich greifenden und nicht
ganz unpopulären Anti-Israelismus' liegen: natürlich in den verzerrten Bildern aus Nachrichten
und Fernsehen, aber ganz sicher auch in der allgemeinen Unkenntnis über Land und Leute. Welche
Schlüsse können wir aus den Ergebnissen der Umfrage ziehen?
Erstens: Die Aktion hat prima funktioniert! Wenn Hamburger Schulen um Mithilfe gebeten werden,
sind sie dabei, und wenn man Jugendliche um eine freiwillige Beteiligung an einer Umfrage fragt,
sind sie um ihre Teilnehme nicht verlegen.
Zweitens: Jugendliche wissen zu wenig über Israel, um differenziert urteilen zu können. Israel
leidet unter der verengten Wahrnehmung des Landes in der Öffentlichkeit ("Krieg & Terror"), weil
über die so westliche, moderne und bunte Gesellschaft in Israel fast nichts bekannt ist.
Drittens: Aufklärung tut not. Wir, das JUNGE FORUM in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg,
müssen uns weiter engagieren in der Information und dem Dialog mit und über Israel.
Der Erfolg der Aktion hat uns ermutigt, unsere Arbeit hat erneut großen Spaß gemacht und wir sind
unserem Ziel, jenseits der politischen Bühne zur Völkerverständigung beizutragen, wieder
einen Schritt näher gekommen.
Felix Husmann