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AUS DEN ARBEITSGRUPPEN: Bonn

THEMA: Bericht über das Januarseminar 2006 der DIG AG Bonn

Zum 20. Mal trafen sich Mitglieder und Freunde der AG Bonn der DIG zum traditionellen Wochenendseminar Ende Januar in Königswinter. 60 Interessenten, darunter wieder zahlreiche Schülerinnen und Schüler, hatten sich zu einem Programm eingefunden, das unter dem Titel "Einwanderung als Heimkehr? - Die Aliyah in Vergangenheit und Gegenwart" stand. Israel als Einwanderungsland also war das Thema, das - nicht zuletzt mit Blick auf die Wahrnehmung der ortsansässigen, mehrheitlich arabischen Bevölkerung - Anlass zu lebhaften Debatten bot: über die ideologische Begründung der "Heimkehr" durch den Zionismus, über die Bedeutung des Holocaust bis hin zur Diskussion über das "Rückkehrrecht" der Palästinenser.
Das Seminar begann mit einer Einführung über die Situation der osmanischen Unterprovinz Palästina und des britischen Mandatsgebiets vor Gründung des Staates Israel. Dr. Jakob Eisler zeichnete anhand von z.T. erst jüngst entdecktem Filmmaterial aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und des Mandats ein farbiges Panorama jener Epoche, das erstaunliche Erfolge und dramatische Niederlagen der jüdischen Einwanderer gegenüberstellte. Der satirische Kurzfilm aus den 70er Jahren "Der Hühnerstall" mit Uri Zohar und Arik Einstein parodierte jenes geflügelte Wort, dass Israelis zwar die Einwanderung lieben, aber nicht die Einwanderer. Unser Vorstandsmitglied Prof. Tilman Mayer stellte am Samstagmorgen den Zionismus, die ideologische Grundlage der Einwanderung nach "Erez Israel", in den Kontext der europäischen Nationalbewegungen des 19. Jahrhunderts und arbeitete die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Zionismus heraus, die z.T. weit vor Theodor Herzls Sammlungsbewegung zurückreichen.
Dr. Joseph Croitoru, Publizist und Mitarbeiter von FAZ und NZZ, gab einen Überblick über die Einwanderungswellen seit 1882, skizzierte deren soziale und politische Zusammensetzung und erläuterte die durchaus divergierenden Zielvorstellungen der zionistischen Gruppierungen. Er beschrieb schließlich die praktische Einwanderungspolitik des Jischuw wie des Staates Israel, indem er die Anwerbungs- und Integrationsstrategien seit dem Ersten Weltkrieg analysierte. Ein Film über die illegale Einwanderung vor der Staatsgründung rundete das Bild jener hochdramatischen Jahre ab.

Pava Raibstein, die Leiterin des deutschen Büros der Jugendaliyah, übernahm am Samstagnachmittag die Präsentation dieser am 30.1.1933 in Berlin gegründeten Organisation, die mittlerweile über 400.000 Jugendliche bei der Integration in die Gesellschaft des Jischuw und des Staates Israel betreut hat. Heute verfügt diese NGO über 125 Jugenddörfer in Israel, in denen auch junge "Sabres" aus sozial schwachen Familien eine Chance erhalten. Jakob Horowitz, Überlebender des Holocaust, berichtete über seine Erfahrungen als junger Einwanderer, der von der Jugendaliyah im befreiten Lager Bergen-Belsen ausgewählt und nach "Erez Israel" gebracht wurde, über seine ersten Jahre dort und seinen Eintritt in den Palmach bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland. Hanns-Jörg Krumpholz las zum Abschluss dieses langen Programmtages zwei Kapitel aus dem Roman "Im Schatten der Orangenhaine" von Eli Amir, die der israelische Schriftsteller und Generalsekretär der Kinder- und Jugendaliyah selbst ausgewählt hatte. Sie gaben einen Einblick in die Probleme der irakischen Juden in der von Ashkenasim geprägten israelischen Gesellschaft Anfang der 50er Jahre.
Frau Dr. Margret Johannsen vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik übernahm es, die Wahrnehmung und die Reaktion der Bevölkerung Palästinas auf die zionistische Einwanderung zu beschreiben. Sie stellte die ersten Kommentare der arabischen Eliten aus den Jahren 1910-13 vor, skizzierte die offene jüdisch-arabische Konfrontation in der Mandatszeit, um schließlich die Diskussion um den UN-Teilungsbeschluss und die Flüchtlingsbewegung im Gefolge des ersten arabisch-israelischen Krieges nachzuzeichnen.
Die abschließende Podiumsdiskussion zwischen Frau Dr. Johannsen und Herrn Dr. Croitoru, die Prof. Tilman Mayer moderierte, griff die Ausgangsfragestellung unseres Seminars auf: "War die Einwanderung der Juden in die Provinz Palästina seit Beginn der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts eine Rückkehr in die einst verlorene Heimat oder eher eine Zuflucht in der Fremde?" War sie ein Akt der nationalen Notwehr gegenüber dem zunehmenden Antisemitismus in Europa und andernorts oder doch v.a. die Wiederbelebung eines historisch-religiös begründeten Rechtsanspruchs, dessen Substanz über die Jahrhunderte Bestand hatte? Und es konnte angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Region nicht ausbleiben, dass den Experten auch eine Bewertung des Wahlsiegs der Hamas für die Zukunft des "zionistischen Projekts" abverlangt wurde.

Heinrich Bartel


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