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AUS DEN ARBEITSGRUPPEN: Bonn

THEMA: Persönliche Begegnungen – ein Fundament der bilateralen Beziehungen

Unter der Überschrift „Mehr als Politik!“ stand das 18. Königswinterer Treffen der AG Bonn Ende Januar diesen Jahres. Vorträge und Gespräche sollten die vorrangige Bedeutung der persönlichen Begegnungen zwischen Israelis und Deutschen für die Beziehungen zwischen beiden Ländern dokumentieren. Das Verhältnis zweier Staaten zueinander lässt sich nicht auf die „Haupt- und Staatsaktionen“ der Regierungen reduzieren, besonders dann nicht, wenn wie im Fall von Deutschland und Israel die Beziehungen ein so breites historisches und gesellschaftliches Fundament besitzen. Die Intensität der Kontakte zwischen Deutschen und Israelis hat ein gesellschaftliches Netz geschaffen, das auch in Zeiten politischer Irritationen Festigkeit beweist.

Das Seminar begann mit einem Musikabend des Cellisten Gilad Kaplanski, der – begleitet von der chinesischen Pianistin Dan Dan Zheng – Cellosonaten von Beethoven und Prokofiev sowie drei Stücke für Cello solo des in München als Paul Frankenberger geborenen israelischen Komponisten Paul Ben-Haim spielte. Im Gespräch mit Vorstandsmitglied Gesa Biffio, selbst Cello-Dozentin, berichtete Kaplanski über Leben und Studium in Deutschland und über die Aussichten für seine musikalische Zukunft.

Am Samstagmorgen folgte der Vortrag des früheren ARD-Korrespondenten Professor Dr. Friedrich Schreiber, jetzt Universität München, mit einem Tableau der unterschiedlichsten Bereiche des deutsch-israelischen Dialogs. Zu Beginn zeigte Schreiber einen Film über das Schicksal der deutschen Sprache in Israel. Darin präsentierte er den Spannungsbogen zwischen dem langsamen Verschwinden der Sprache der „Jeckes“ und dem Wiederaufleben des Interesses an Deutsch als wichtiger Verkehrssprache in der EU.

Professor Dr. Manfred Lämmer, Leiter des Instituts für Sportgeschichte in Köln, ließ in seinem beeindruckenden Vortrag 40 Jahre deutsch-israelischer Sportgeschichte, die er selbst maßgeblich mitgestaltet hat, Revue passieren, nicht ohne zuvor die Anfänge der jüdischen Sportbewegung in Deutschland seit Gründung des Vereins der jüdischen Turnerschaft „Bar Kochba“ im Berlin des Jahres 1898 skizziert zu haben. Die Vielfalt und Breite der sportlichen Kontakte auf allen Ebenen überraschte. Professor Lämmer bekräftigte zudem die These von der „völkerverbindenden Kraft des Sports“ mit dem Argument, dass die Logik des Sports immer auch ein Rückspiel fordere und so auf echte Gegenseitigkeit ziele.

In Arbeitsgruppen konnten die Seminarteilnehmer in Kleingruppen die Themen „Jugendaustausch“ (Gerd Braun), „Friedensdienste“ (Dr. Christian Staffa, Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen), „Städtepartnerschaften“ (Anke Riefers, Vorsitzende des Freundeskreises Mewasseret Zion – Sankt Augustin) und „Wissenschaftsbeziehungen“ (Botschaftsrätin Ilana Loewi von der israelischen Botschaft in Berlin) intensiv diskutieren.

Am Abend stellten die Schülerinnen und Schüler des Ville-Gymnasiums einen Videofilm über ihren Austausch mit der Friedensschule in Neve Shalom – Wahat al-Salam vom Sommer 2003 vor. Der Film „Zwischen den Fronten“ überzeugte durch die offene Darstellung der politisch motivierten Konflikte zwischen jüdischen und arabischen Schülern ebenso wie durch die differenzierten Kommentare ihrer deutschen Freunde.

Unter der Frage „Was trägt?“ stand die abschließende Podiumsdiskussion am Sonntag. Die Gesprächspartner reflektierten das Verhältnis von gesellschaftlichen und politischen Beziehungen. Botschafter a.D. Wilhelm Haas zeigte anhand von offiziellen Besuchsprogrammen wie wichtig auch bei diesen politischen Terminen die menschlichen Begegnungen sind.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen beschrieb die vielfältigen Aktivitäten der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. Die Gruppe nimmt zwischen der politischen und der gesellschaftlichen Ebene eine erfolgreiche Vermittlungsfunktion wahr, indem sie bei gemeinsamen Projekten Hilfestellung leistet und den Informationsfluss zwischen beiden Parlamenten aufrechterhält.

Botschaftsrätin Ilana Loewi gab einen eindruckrucksvollen Rückblick auf 50 Jahre erfolgreicher bilateraler Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Institutionen. Die Kooperationen sind inzwischen so gefestigt, dass etwa Boykottaufrufe gegen israelische Wissenschaftler, die in jüngster Zeit aus manchen EU-Staaten zu hören waren, in Deutschland keinerlei Echo fanden.

Anke Riefers, Vorsitzende des Freundeskreises Mewasseret Zion – Sankt Augustin, berichtete lebhaft von ihren Erfahrungen beim Aufbau der Städtepartnerschaft mit der westlich von Jerusalem gelegenen Gemeinde. Abschließend skizzierte Dr. Christian Staffa, Geschäftsführer von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die Arbeit seiner Organisation, die seit 1961 zumeist junge Erwachsene nach Israel entsendet, die dort soziale Arbeit insbesondere mit aus Deutschland stammenden Israelis oder Überlebenden des Holocaust leisten. In seinem nachdenklichen Statement unterstrich Staffa die Notwendigkeit, die gesellschaftlichen Kontakte zwischen Deutschland und Israel auf ihre „Realitätstauglichkeit“ zu überprüfen, sie zu „entmythologisieren“. Um die Tragfähigkeit der gesellschaftlichen Beziehungen auf Dauer zu erhalten, komme es darauf an, vor der sich wandelnden sozialen und politischen Wirklichkeit in beiden Ländern nicht die Augen zu verschließen, nur so seien die gesellschaftlichen Beziehungen auf dem hohen Niveau der letzten Jahre zu halten.

Bei aller unterschiedlichen Akzentsetzung waren sich die Gäste des Podiums einig in der Auffassung, dass die Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern beider Länder das Fundament der bilateralen Beziehungen darstellen. Treffen und Vereinbarungen auf politischer Ebene sind jedoch eine notwendige Voraussetzung und als Rahmenbedingung unentbehrlich. Insofern setzt die politische Agenda auch Maßstäbe für das Handeln der Gesellschaften – im Positiven wie im Negativen.


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