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Überraschend freundlich
Austausch. Eine Woche lang waren 20 israelische Austauschschüler in Dresden - wir begleiteten einen von ihnen mit seiner Gastgeberin.

Flughafen Berlin Schönefeld, ständig setzen Flugzeuge zur Landung an, stetig strömen Menschen aus den Gateways. Gehetzte Geschäftsleute und bunt angezogene Touristen teilen sich das Terminal. Endlich kommt der Flug aus Tel Aviv an. Die vielen unsicher umherblickenden jungen Männer heben sich aus der Masse ab. Hier sind sie richtig. Erstmal verschnaufen. "It's cold here, isn't it?", ist der erste Kommentar im Freien auf dem Weg zum Bus. An diesem Sonntag ist es zwar ein bisschen windig, trotzdem ist es einer der wärmsten Tage in Berlin.

Schlichtes Frühstück

Etwas sicherer machten sich die jungen Israelis am Montag schließlich auf den Weg nach Dresden. Im Pizza Hut auf der Prager Straße wird sich typisch deutsch ernährt, bevor die Gastfamilien überfallen werden. Der Organisator für Dresden, Ralf Wilhelm, ist übermüdet aber glücklich, dass endlich alle satt und in die richtige Gastfamilie einsortiert sind. Viele Familien haben gleich zwei Israelis aufgenommen, da sich nicht genug Familien bereit erklärten, jemanden aufzunehmen. Bei Anne Bartschies (18) schlafen auch zwei Israelis. Nathan Varda (15), einer von ihnen, freut sich über das aufgeräumte Deutschland und die schöne Landschaft, die hier sogar grün ist. Über kleine Dinge ist Nathan besonders überrascht. Dazu gehört zum Beispiel das deutsche Frühstück. Er mag es, weil es schlicht, nahrhaft und irgendwie anders als in Israel sei.
Unterschiede sind nicht nur in der Küche zu finden, sondern auch auf der Landkarte. So gibt es in Deutschland keine Wüste, sondern viel Wasser. Das hat Nathan schon bei der Fahrt nach Sachsen und während einer Stadtrundfahrt durch Dresden erkannt. Gewundert hat er sich über die Architektur, die "very strange" sei, so kennt er doch ganz andere Bauten aus seiner Heimat. Positiv überraschten ihn die Dresdner mit ihrer Freundlichkeit - trotz der israelischen TV-Berichte über den Einzug der NPD in den Sächsischen Landtag.

Der Spieß wird umgedreht

Unterschiedliche Geschichte und andere Kulturkreise stoßen aufeinander. Wie kreativ solche Zusammentreffen sein können, zeigt sich am Mittwoch, da wurden Wegweiser zu einem Spielplatz in Dresden gestaltet. Erstes Muster wurde die israelische Flagge, dann wurde eine deutsche daneben ins Holz geritzt. "Kennen lernen und Erfahrungen austauschen", sind Anne bei dem Besuch der Israelis ganz wichtig. "Und natürlich die Fahrt nach Israel", sagt sie mit leuchtenden Augen. Die Israelis sind "ganz normal, sehr nette Menschen, mit denen wir viel Spaß haben", meint Anne während sie mit Nathan durch die Kunsthofpassage spaziert. Nun steht nicht mehr soviel auf dem Programm, noch ein Grillabend und ein Besuch in einer Synagoge. Dann geht es Sonntag weiter nach Limburg und schließlich zurück nach Israel. Nathan freut sich schon darauf, den deutschen Jugendlichen seine Heimat zu zeigen. Gastgeber sind dafür schon gefunden!

Von Till Ostermann (schreibt regelmäßig für die Jugendseite der Sächsischen Zeitung) Erschienen am 15.Juli in der Sächsischen Zeitung

 


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