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AUS DEN ARBEITSGRUPPEN: Frankfurt

THEMA:War es Spielberg oder Lapid?

Geheimdienstgeneral auf Vortragstour bei zehn Arbeitsgemeinschafen der DIG War es Spielberg oder Lapid? War es das Olympiaattentat 1972 oder der Wahlsieg der Hamas vor wenigen Wochen? So vielschichtig wie die Motive der Zuhörer, so facettenreich waren die Ausführungen des Redners. Mit Ephraim Lapid, General der Reserve, Führungskraft des israelischen Geheimdienstes, Sprecher der israelischen Armee, bot die Deutsch-Israelische Gesellschaft jetzt einen Vortragsreisenden der besonderen Art. Und so kam es, dass in zehn deutschen Städten, in denen Ephraim Lapid aufgrund einer Initiative der Frankfurter DIG-Vorsitzenden Claudia Korenke tourte, ungewohnte Zuhörerzahlen, ein neues Publikum und jüngere Menschen erreicht wurden. In Frankfurt musste der Saal wegen Überfüllung geschlossen, die Veranstaltung geteilt werden, in München hielt die Seidl-Villa dem Medienansturm kaum statt - und selbst im ostfriesischen Aurich waren es 80 Personen, die im Kinosaal die Ausführungen des Generals gespannt verfolgten.
Ausgehend von der insbesondere in Israel und Deutschland intensiv geführten Diskussion um Steven Spielbergs Kinostück "München", das die Ermordung der elf israelischen Sportler und die anschließende Tätigkeit des Mossad thematisiert, hatte Claudia Korenke mit Kinostart des Filmes General Lapid den Arbeitsgemeinschaften als Redner angeboten. Obwohl Lapid die Vorträge in englischer Sprache hielt, kam auf diese Weise eine Deutschlandtournee zusammen, die dem General nicht zuletzt einen Eindruck sehr unterschiedlicher deutscher Landschaften vermittelte. Gemeinsam mit Partnern - das Spektrum reichte von den Jüdischen Gemeinden über Kinocenter bis hin zu Einrichtungen der Erwachsenenbildung - hatten die Arbeitsgemeinschaften den Vortrag realisiert. Das Ergebnis war verblüffend: Cineasten und politisch Engagierte, Israelfreunde, Journalisten und nicht zuletzt Veteranen des deutschen Geheimdienstes fanden sich ein, um Lapids Ausführungen zu verfolgen.
Das Rednerangebot wahrgenommen hatte die Arbeitsgemeinschaft in Bamberg, wo Lapid im Saal der Jüdischen Gemeinde sprach; die DIG in Erfurt, die gemeinsam mit der Universität eine morgendliche Lehrveranstaltung aus Vortrag und Diskussion gestaltete; die DIG Hagen, deren Vorsitzender die dortige Volkshochschule zur Kooperation gewinnen konnte. Dem Jugendforum der DIG war es gelungen, das Duisburger filmforum zum Partner zu machen. Die Besucher hier sahen den Film, hörten den Vortrag und gestalteten nach dieser vierstündigen Veranstaltung eine lebhafte Diskussion, die, wie fast überall, vom Cineastischen schnell ins Politische glitt.
Und schließlich Dresden: Souverän Einzug haltend in den Plenarsaal des ehrwürdigen Rathauses der Stadt, konnte Lapid, noch unter dem Eindruck seines nachmittäglichen Besuches bei der Gauckbehörde, nicht nur im Vortrag, auch im Gespräch mit zahlreichen Kommunalpolitikern, israelische Positionen darlegen. Dass er aus vielschichtigen Gründen - und nicht nur, weil, er ein Veteran des israelischen Geheimdienstes ist, den interviewenden deutschen Medien nicht Auskunft über aktuelle terroristische Bedrohungen geben wollte, lag auf der Hand - ungeachtet medialer Hartnäckigkeit.
Auf Dresden folgte München. "München" in München, das musste Aufsehen erregen, und so war es naturgemäß hier, dass die Presse Lapid bestürmte mit der stets gestellten Frage, welches seine Rolle 1972 gewesen sei. Als auch in München - übervoller Saal der Schwabinger Seidl-Villa - die charakteristische, einer bestimmten Auffassung von politischer Korrektheit entspringende Frage nach moralischer und juristischer Berechtigung von gezielten Tötungen gestellt wurde, brachte es der eloquente, sachliche, in seinen Überzeugungen ruhende General auf den Punkt: "Wir können uns keinerlei Feinschmeckerei leisten - es geht darum, terroristische Drahtzieher zu vernichten, um Morde zu verhindern". Im Frankfurter Raum hatte die Verwaltungsfachschule Mühlheim, Ausbildungsort für Polizeibeamte, kurzfristig um einen zusätzlichen Vortrag gebeten, den 120 Zuhörer besuchten. So kam es zu der außergewöhnlichen Situation, dass Polizeischüler den Vortrag als fachliche Unterweisung, "Laien" als spannenden Bericht erlebten. Unübertroffen schließlich der Abend im Frankfurter Polizeipräsidium, dessen großen Saal Frankfurts Polizeipräsident Dr. Thiel der DIG zur Verfügung gestellt hatte: 200 Gäste und Wartende vor der Tür, die schließlich abgewiesen werden mussten.
Das ostfriesische Aurich und sein Kinocenter war Schauplatz der vorletzten Station, die auch dadurch ihren Reiz hatte, dass der Leiter des Staatsschutzes, der hier wie in anderen deutschen Städten Lapid betreute, als junger Mann das Attentat 1972 in München miterlebt hatte. Ephraim Lapid beendete seine Vorlesungsreihe in Berlin, wo die DIG ins Hollywood Hotel auf dem Kurfürstendamm eingeladen hatte.
Fazit des Generals, der insgesamt vor ca. 1500 Gästen gesprochen und mehr als 4000 Kilometer absolviert hatte: "Die Fragestellungen sind gleichbleibend - von Bamberg bis Aurich: Stets wird der Themenkreis moralischer/juristischer Berechtigung von Tötungen angesprochen, immer wieder ist es die iranische Bedrohung, die die Menschen beschäftigt und zu erregten Diskussion kam es wiederholt auch über die Frage der EU-Gelder für die Palästinenser". Und immer wieder sah sich Lapid gefordert, die unterschiedliche Strukturen des Terrorismus der 70er Jahre und heute zu erläutern: Terrorismus 2006 sei, so der Referent, internationale Bedrohung religiös-ideologischer Art, die nur in einer internationalen Koalition bekämpft werden könne.
Der Film "München" von Spielberg war Anlass, aber nicht Zentrum der Vorträge und ihrer anschließenden Diskussionen. Lapid konzentrierte sich darauf, drei Thesen des Streifens zu widerlegen: Zum einen hält er die scheinbare Gleichwertigkeit - Terrorristen töten Sportler - Mossad tötet Terroristen - für unerträglich, zum anderen schildert er, der 1972 zuständig war für Informationsbeschaffung und - verbreitung, das Absurde der Darstellung von Informationseinkäufen im Film und schließlich betont er, dass die Mitarbeiter der Geheimdienste loyal, mit ihrer Zentrale eng verbunden und ohne Gewissenskonflikte agierende Kollegen seien.
Auch ein persönliches Fazit zieht Ephraim Lapid aus der 10-tägigen Vortragsreise: Nicht nur seine berufliche Tätigkeit für den Geheimdienst, auch seine zivile Karriere als Direktor des Ulpan Akiva oder seine Tätigkeit für die Jewish Agency birgt reichlich öffentlichkeitsrelevanten Stoff. Insbesondere das in vielen westeuropäischen Ländern virulente Thema der Integration befasst ihn seit einigen Jahren. Lapid hat sich vorgenommen, seine diesbezügliche Kompetenz und seinen Wissensstand nicht nur der deutschen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Claudia Korenke


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