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DEN ARBEITSGRUPPEN: Pfalz-Speyer
THEMA: Zehn Jahre Arbeitsgemeinschaft Pfalz-Speyer
Seit dem 10. Juli 1996 gibt es in der Pfalz eine Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Diese beging ihren Geburtstag - mit leichter Verspätung - mit einer Podiumsdiskussion am 24. September 2006,
zu welcher die Vorsitzende Dr. Lenelotte Möller zahlreiche Vertreter von Kommunal- und Landespolitik begrüßen
konnte. Unter der Anleitung der gebürtigen Speyererin Judith Wipfler - heute Redakteurin des Schweizer Rundfunks
in Basel - diskutierten Manfred Lahnstein, Johannes Gerster, Hans-Georg Meyer und Eldad Beck über "Alltag in
Unsicherheit - Aspekte israelischen Lebens".
Eldad Beck, Berliner Korrespondent der israelischen Tageszeitung Yediot Aharonot, konnte der Entwicklung des
letzten Jahres trotz vieler Probleme auch eine positive Seite abgewinnen: Vielen Menschen sei angesichts der Unruhen
in Frankreich und der antisemitischen Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad klar geworden, dass
nicht Israel das Problem darstelle. Vielmehr gehe es um eine neue Gefahr nicht nur für Israel, sondern für die gesamte
freie Welt. Beck, dessen Familie teilweise in Kirjat Schmona lebt und unter dem Raketenbeschuss unmittelbar zu leiden
hatte, betonte die Gelassenheit und Ruhe der israelischen Bevölkerung angesichts der Bedrohung. Während in Frankreich
der Notzustand ausgerufen werden musste, war dies in Israel zu keinem Zeitpunkt nötig.
Hans-Georg Mayer, ehemaliger Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz und der DIG seit zwanzig Jahren
verbunden, ist der Initiator von deutsch-israelischen und später von deutsch-israelisch-palästinensischen Autorentreffen.
Er berichtete von erheblichen, aber letztlich überwundenen Schwierigkeiten beim Zustandekommen des diesjährigen Treffens.
Weiter macht er sich Sorgen über die Armut in Israel, die er für eine Bedrohung der Demokratie hält.
Prof. Manfred Lahnstein, scheidender Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, konnte ihm hierin nicht folgen.
Er wies darauf hin, dass ein israelischer Araber im Durchschnitt zwar weniger verdiene als ein jüdischer Israeli
(12.000 bzw. 20.000 Dollar), aber immer noch fünfzehnmal soviel wie ein Palästinenser, der im Jahr lediglich auf 800 Dollar komme.
Es gibt in Israel auch nicht erkennbar mehr Armut als in Deutschland. Weiter berichtete er von Stadt und Universität Haifa.
Drei Studenten der Uni seien im jüngsten Krieg gefallen, zwei weitere (arabische) Kommilitonen einer Hisbollah-Rakete
zum Opfer gefallen. Bisher sei man in Haifa ohne große Probleme miteinander ausgekommen. Ob dies so bleibe, müsse sich
weisen.
Sein designierter Nachfolger, Dr. h.c. Johannes Gerster, langjähriger Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem,
sieht drei große Probleme, mit denen Israel heute konfrontiert sei:
Erstens sind "Guerillakämpfer", die sich hinter der Zivilbevölkerung verstecken und teilweise aus Kindergärten,
Krankenhäusern und Altersheimen heraus agieren, ein schwierig zu bekämpfender Gegner. Zumal die
Kriegsberichterstatter in Presse, Rundfunk und Fernsehen oftmals nur über den israelischen Gegenschlag
und seine Folgen berichteten.
Zweitens macht Gerster eine politische Krise als Folge des für Israel schlechten Kriegsausganges aus.
Und drittens werde Israel nach wie vor von der Weltöffentlichkeit missverstanden, die Israelis werden
als "Goliath" dargestellt, der über den kleinen Libanon herfalle. Dabei sei ihre Reaktion auf die
Hisbollah-Raketen letztlich alternativlos: "Was hätten sie denn sonst tun sollen?", fragte er.
Wie Beck zeigte sich auch Gerster beeindruckt davon, dass Israel unter schwierigsten Umständen eine normal
funktionierende Demokratie bleibe und machte folgende Rechnung auf: In den vergangenen dreißig Monaten verloren
1000 Israelis bei Attentaten und durch Raketenbeschuss ihr Leben, viele weitere wurden durch Verletzungen für
ihr Leben gezeichnet. Wie sähe wohl Deutschland aus, wenn es hier eine Anschlagsserie mit (
entsprechend der höheren Bevölkerungszahl) 12.000 Toten und 30.000 Schwerverletzten gäbe?
Das wollte niemand so genau wissen.
Joachim Lösch
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