Neue Chancen für Friedensinitiativen in Nahost – wo bleibt die EU?
Die Europäische Union muss ihre Passivität im Nahen Osten beenden
und eine kraftvolle Vermittlerrolle übernehmen, denn die Zeiten
stehen auf Sturm oder auf Ausgleich. Wenn die Zeichen der Zeit nicht
erkannt und genutzt werden, drohen neue kriegerische Auseinandersetzungen,
die durch eine Überwindung der politischen Stagnation noch
verhindert werden könnten. Dies erklärte der Präsident der Deutsch-
Israelischen Gesellschaft, Dr. h.c. Johannes Gerster nach Gesprächen
mit führenden Israelis und Palästinensern am 8. August in Berlin.
Auf der einen Seite rüsten Syrien und die Hisbollah, letztere trotz
Internationaler Friedenstruppen im Libanon, massiv auf. Nicht nur
Russland in Syrien, sondern auch die USA und Frankreich planen
massive und äußerst riskante Waffenlieferungen in den Nahen Osten.
Auf der anderen Seite gibt es hoffnungsvolle Anzeichen für neue
Verhandlungen in Nahost.
Die gemäßigten arabischen Staaten drängen Israelis und Palästinenser
auf eine Lösung des Konfliktes auf der Basis zweier Staaten. Sie
haben längst die Gefahren einer weiteren Radikalisierung der
palästinensischen Bevölkerung für die gesamte Region erkannt. Sie
gilt es zu unterstützen.
Der israelische Ministerpräsident Olmert, unterstützt von Staatspräsident
Peres, hat gerade ganz erstaunliche Überlegungen für ein
Abkommen mit den Palästinensern geäußert. Man darf sich durch
Dementis in der israelischen Politik nicht irritieren lassen: Die
weitgehende Räumung der Westbank, Gebietsaustausch und die
Eingliederung arabisch bevölkerter Gebiete stehen im Raum.
Auch Präsident Abbas ist bemüht, Gespräche mit der israelischen
Regierung, die in offiziellen Verhandlungen über ein Friedensabkommen
einmünden könnten, zu forcieren. Olmert und Abbas
müssen deutlich erkennbar unterstützt werden.
Krieg oder Frieden lautet wieder einmal die Frage. Weichenstellungen
müssen jetzt erfolgen.
Man muss den Menschen Hoffnung auf eine friedliche Lösung und
auf die Verbesserung ihrer eigenen Lebensverhältnisse machen.
Nur dadurch kann den Radikalen Wind aus den Segeln genommen
werden.
Wo bleibt die EU, die offenbar wieder einmal zu einem
äußerst entscheidendem Zeitpunkt in einem außergewöhnlich
breiten und tiefen Sommerloch verschwunden ist?
Berlin, 8. August 2007
Dr. h.c. Johannes Gerster
Johannes Gerster lebte und arbeitete 9 Jahre in Jerusalem an der Nahtstelle zwischen Israelis und Palästinensern.