Zum Tod von Ernst Cramer
Mit dem Tod von Ernst Cramer in seinem 97. Lebensjahr verliert Deutschland einen Jahrhundertzeugen der christlich-jüdischen und deutsch-israelischen Aussöhnung nach dem Naziterror und dem Zweiten Weltkrieg.
Cramer verlor Vater, Mutter und seinen jüngeren Bruder in einem Konzentrations- lager. Dennoch widmete er sich in seinem langen Arbeitsleben bis zuletzt der Aussöhnung zwischen Deutschen und Israelis. Nach den Grausamkeiten des Rassenwahns entwickelte er sein Weltbild der Humanität, des Vergebens, einer besseren Welt. Er verkörperte wie kein anderer das jüdische Bildungsbürgertum in Deutschland, das die Nationalsozialisten zerstören wollten und weitgehend zerstört haben. Durch sein Leben, durch sein Wirken überzeugte er, dass der Ungeist des nationalsozialistischen Rassenwahns und der Überheblichkeit keine Zukunft haben durfte.
Ernst Cramer hinterlässt eine Lücke, die niemand schließen kann. Deutschland ist ein Stück ärmer geworden. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft bewahrt Ernst Cramer ein dankbares und ehrendes Andenken.
Dr. h.c. Johannes Gerster
Berlin, 21. Januar 2010