Der Tod Yassins kann die Eskalation der Gewalt fördern
Scheich Yassin ist ein "Schreibtischtäter des Terrors" gewesen.
Der Führer der Hamas hat den blutigen Terror gegen Israel immer
wieder legitimiert. Und aus seinem Ziel, den Staat Israel von der
Landkarte zu tilgen, hat er nie ein Hehl gemacht.
Dennoch wirft seine gezielte Tötung zwei Fragen auf:
Darf die Regierung Sharon in Verfolgung auch der berechtigsten
Interessen zur Selbstjustiz greifen - und zwar auch gegen die
unbestreitbaren Hintermänner eines unbestreitbaren Terrors?
Das ist - von allen Problemen des internationalen Rechts abgesehen -
eine sehr schwierige Gewissensfrage. Eine einmütige Haltung erscheint
kaum möglich. Mein persönliches Gewissen sagt mir, dass dieses Vorgehen
nicht gerechtfertigt ist.
Die andere Frage ist die nach den denkbaren Konsequenzen. Ich fürchte,
sie werden negativ sein. Das bereits vorhandene Chaos im Gaza - Streifen
wird noch größer werden. Der Terror gegen Israel wird noch blindwütiger
werden (wenn das überhaupt noch geht). Und der Weg zurück zur "road map"
ist in noch weitere Ferne gerückt.
Das ist ein bedrückender Tag für den Nahen Osten.
Professor Manfred Lahnstein
Präsident
22. März 2003