„The New Kibbutz“ in Augsburg

Die DIG Hochschulgruppe Augsburg eröffnete am 20 April ihr Sommersemesterprogramm mit einer Informationsveranstaltung zu Praktika in Israel. In Kooperation mit dem Generalkonsulat des Staates Israel in München informierte die Veranstaltung umfassend über die israelische Unternehmenskultur und präsentierte Möglichkeiten, diese praktisch und vor Ort zu erfahren.

Zunächst sprach Johanna Yaacov (Referentin für Innovation & Forschung, Generalkonsulat des Staates Israel) über das Praktikantenprogramm „The New Kibbutz“. Das Programm ermöglicht Bachelor- und Master-Studenten Praktika in israelischen Unternehmen, vorzugsweise in den Bereichen High-Tech, IT, Biowissenschaften und Biotechnik.  Insgesamt umfasst das Programm 54 Praktikumsstellen in israelischen Firmen. Bewerben können sich Studierende zwischen 19 und 30 Jahren. Zudem ist die Förderung durch ein Stipendium möglich. Die Dauer beträgt zwischen 2 und 6 Monaten.

Anschließend informierte Guy Cohen (Marketing Director & Government Affairs, MS-Munich Services GmbH und Cyber Risk Intelligence) über die Scale-Up Nation: Israel's Tech Unicorns." Begleitend gab Vize-Generalkonsul Jonathan Glick Einblicke in die israelische Start-Up Branche.

Abschließend wurde bei israelischen Snacks und Getränken diskutiert und wurden Netzwerke geknüpft.

 

Semesterprogramm Sommer 2016


Die Veranstaltung war die erste des Semesterprogramms an der Universität Augsburg mit dem Titel „Darum Israel“, welche Notwendigkeit und Besonderheit des jüdischen Staates aufzeigen möchte.
Dominik Drexel, Sprecher der DIG Hochschulgruppe erklärt zum Programm: „Zur Debatte steht nicht Israel, in der Kritik stehen seine Feinde.“
Alle weiteren Termine der Reihe können hier eingesehen werden:
https://www.facebook.com/dighgaugsburg/events

Bereits im Wintersemester 2015/16, dem ersten nach ihrer Gründung lud die DIG Hochschulgruppe Augsburg zu einem anspruchsvollen und vielfältigen Programm zu „Kritik der Israelkritik“ ein. Dabei konnte sie sich regen Zuspruchs und zahlreicher Besucher erfreuen. Der große Erfolg und die vielen dabei angestoßenen Fragen inspirierten das nun gestartete Programm

 

Kritik der Israelkritik


Nach der Gründung im Juni 2015 hatte sich die DIG Hochschulgruppe das Ziel gesetzt, in Augsburg neue Akzente zu Israel, Antisemitismus im Allgemeinen und Israelfeindschaft im Speziellen zu setzen. Die Auswahl der Veranstaltungen des Semesterprogramms „Israelkritikkritik“ im Winter 2015/16 folgte der Maßgabe, grundlegende und zugleich aktuell wirksame Themen zu beleuchten und Diskussionen anzustoßen, die bislang nicht an der Universität Augsburg geführt wurden.
Gut drei Monate nach der umstrittenen Einigung der fünf Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands mit dem iranischen Regime im Streit um dessen Atomprogramm referierte Ende Oktober Dr. Stephan Grigat an der Universität Augsburg. Neben den Vernichtungsbestrebungen des Irans gegenüber Israel thematisierte er dabei vor allem die Geschichte der Kollaborationen des arabischen Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, mit den deutschen Nationalsozialisten während des Holocausts und des Zweiten Weltkriegs. Grigat zeigte am Iran und an al-Husseini zweierlei: erstens, dass der nach wie vor starke Antisemitismus im Nahen Osten kein Ergebnis, sondern der entscheidende Ursprung des Nahostkonflikts ist. Zweitens wurde betont, dass der politisch artikulierte Antisemitismus in Form des Antizionismus kein beliebig austauschbares Mittel zum Zweck, sondern ein Ziel für sich darstellt – wenngleich ein höchst irrationales. Knapp hundert Besucher folgten der Einladung der DIG Hochschulgruppe zu ihrer Auftaktveranstaltung.
Bereits zuvor besuchten Studierende und interessierte BürgerInnen die Augsburger Jugendstil-Synagoge und das angeschlossene jüdische Museum. Dabei wurde über die Geschichte der Augsburger Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus aufgeklärt. Die prächtige Synagoge entging in der Reichspogromnacht 1938 nur deswegen der völligen Zerstörung, weil der zuvor durch die Nazis gelegte Brand aus Angst vor der Explosion einer angrenzenden Tankstelle wieder gelöscht wurde.

 

Israel - das neue Rückgrat


Im November erzählte der unter anderem in Augsburg tätige Rabbiner Dr. h.c. Henry Brandt im Rahmen eines Podiumsgesprächs eindrücklich und mitreißend Passagen seines Lebens. Die Kindheit in München, die Schreckenserfahrungen in der Reichspogromnacht in Augsburg und die erzwungene Emigration nach Palästina beleuchteten die jugendlichen Erinnerungen an den deutschen Nationalsozialismus und dessen Alltag.
Brandt erzählte darüber hinaus von seiner Beteiligung an der jungen israelischen Marine vor und während des Unabhängigkeitskriegs, der Israel seitens seiner arabischen Feinde aufgezwungen worden war. „Wenn uns Israel eins gebracht hat, dann war es das Rückgrat“, beschreibt Brandt das neue jüdische Selbstbewusstsein nach der erfolgreichen Gründung des jüdischen Staates 1948.

 

Brunnenvergifter revisited – der Mythos des israelischen Wasserraubs

m Dezember 2015 diskutierte der Journalist Alex Feuerherdt unter dem Titel „No Business like NGO-Business“ die Aktivitäten antiisraelischer NGOs. Dabei gerieten nicht nur die Stiftungen der vier größten deutschen Parteien in die Kritik. Ausführlich behandelte Feuerherdt die mangelnde Unabhängigkeit und Einseitigkeit des berüchtigten „Goldstone-Berichts“ der Vereinten Nationen (UN) über den Gazakrieg 2008/2009.
Einer der am häufigsten verbreiteten Vorwürfe gegenüber Israel der letzten Jahre ist die mangelnde Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten. Zuletzt wiederholte 2014 der Präsident des EU-Parlaments diesen Vorwurf vor dem israelischen Parlament unter Berufung auf einen Jugendlichen, den er in Ramallah getroffen hatte. Alex Feuerherdt kontrastierte diese Anschuldigungen mit unabhängigen sowie israelischen Angaben und den Lebensstandards im Westjordanland, die in beinahe allen Belangen besser entwickelt sind als in anderen arabischen Ländern. Zudem verwies er auf die Gründe des nach wie vor ungleichen Wasserverbrauchs von Israelis und Palästinensern: mangelnde Bemühungen zur Verbesserung der Infrastruktur durch die palästinensische Autonomiebehörde, ineffiziente Wassernutzung im Westjordanland (v.a. in der Landwirtschaft) und die weltweit einzigartig hoch entwickelte Nutzung der Wiederaufbereitung von Trinkwasser in Israel.

 

Antisemitismus in Europa und in den arabischen Ländern


Anfang 2016 widmeten sich zwei Vorträge dem Antisemitismus. Die Islamwissenschaftlerin Carmen Matussek berichtete über die Verbreitung judenfeindlicher Verschwörungstheorien im Nahen und Mittleren Osten. Dabei zeichnete sie vor allem die historische und aktuelle Rezeption des frühesten Machwerks des modernen Antisemitismus, der „Protokolle der Weisen von Zion“ nach. Obwohl das Buch bald nach seiner Veröffentlichung 1903 als Erfindung des zaristischen russischen Geheimdienstes entlarvt worden war, beriefen sich im Europa des 20. Jahrhunderts immer größere antisemitische Massenbewegungen auf die vorgeblichen Protokolle eines geheimen Treffens mächtiger zionistischer und jüdischer Personen. Während heute die Verbreitung des Buchs in Europa verboten ist, gebe es in den arabischen Ländern kaum eine Buchhandlung, die in ihrem Schaufenster nicht die „Protokolle“ ausstelle, so Matussek.
Eine Woche später schloss Daniel Späth das Semesterprogramm mit einem Vortrag zu „Antisemitismus und Antizionismus bei Immanuel Kant“ ab. Er führte aus, wie der deutsche Philosoph der Aufklärungsepoche bereits in seinem Identitätsdenken das rein Abstrakte der bürgerlichen Gesellschaft in den Juden personifizierte („eine Nation von Betrügern“). Indem Kant Jüdinnen und Juden die Fähigkeit zu moralischem Handeln absprach, leugnete er gleichermaßen ihre Fähigkeit zur Staatlichkeit – eine unheimliche Form des Antizionismus, mehr als 300 Jahre vor der Gründung Israels.




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