Wo samstags Sonntag ist

 


Als deutscher Student in Israel: Markus Flohr lernte und lebte mehr als ein Jahr dort. Seine Erfahrungen, Erlebnisse und Beobachtungen hat er jetzt als Buch veröffentlicht. Der Titel: "Wo samstags immer Sonntag ist." Auf Einladung der DIG und des Jungen Forums las der junge Autor in Hamburg.


 

Im Großraumtaxi "Scherut" auf dem Weg vom Flughafen nach Jerusalem. Schon diese erste Taxifahrt stellt den Hamburger Pfarrerssohn vor ungeahnte Fragen. Denn neben ihm sitzt Friedrich, ebenfalls ein Deutscher, der bereits seit einem Jahr in Israel wohnt, in einem Krankenhaus arbeitet und seine ganz eigenen Ansichten zu deutschen Israel-Besuchern hat: „Die Frage ist, warum man überhaupt nach Israel fährt (…) Es kommen viele, die glauben, es sei edel von ihnen, nach Israel zu fahren. Weil sie den Juden helfen wollen. Oder den Palästinensern. Oder den Christen. Auf jeden Fall helfen und versöhnen. (…) Jetzt kommst Du hierher, in das Land der Menschen, die unsere Großväter nicht erwischt haben.“ Und obwohl Friedrich Deutsche normalerweise meidet, will er von Markus Flohr wissen, warum er nach Israel gekommen sei. Mit der kurzen und knappen Antwort „zum Studieren“ gibt sich der Sitznachbar nicht zufrieden. Seiner Meinung nach habe jeder zwei Gründe, warum er nach Israel komme. Einen, den er zugäbe und einen, den er verschweige.

 

Wirklich eintauchen ins israelische Leben kann Flohr in seiner neuen Wohngemeinschaft. Unter der Überschrift „Koscher wohnen“ beschreibt der Autor seine WG, in der sich alle an die Speisegesetze Kaschrut halten. Flohr lernt im Zusammenleben mit seinen durchaus sehr unterschiedlichen Mitbewohnern, die Küche koscher zu halten. Am Anfang wird er immer von der Angst begleitet, alles zu „entkoschern“ und seinen religiösen Mitbewohner in eine Krise mit Gott zu stürzen. Der Autor trägt humorvoll vor, wie er lernt, mit politischen Ansichten und auch mit Nazi-Witzen umzugehen.


Amüsantes und Leichtes kommt ebenfalls nicht zu kurz. In dem Kapitel „A little bit lucky“ spricht er von Fußball, von Lothar Matthäus als Trainer von Maccabi Nethanya – dessen Fußball-Philosophie auf Englisch Flohr grandios nachahmt. Das Publikum ist begeistert und applaudiert. Flohr richtet die Frage an die Anwesenden, ob sie einen israelischen Spieler in der Bundesliga kennen. Für eine richtige Antwort würde er eines seiner Bücher spendieren – doch die Fußballkenner scheinen an diesem Abend nicht dabei zu sein, denn keiner weiß einen Namen.


Großartig sind auch die folgenden Schilderungen des Oktoberfest-Besuchs bei Ramallah. Die Brauerei von Taybeh braut Bier nach deutschem Reinheitsgebot und veranstaltet jährlich ein Fest nach dem Münchner Vorbild. Obwohl nicht ungefährlich, wird er von einem seiner jüdischen Mitbewohner begleitet. Denn sie müssen auf die palästinensische Seite der Mauer, wo zum Erstaunen des Autors keine eingehende Kontrolle stattfindet. Auch hier gelingt es Flohr, die Vorurteile der Palästinenser gegenüber den Israelis und auch Deutschen amüsant zu beschreiben. Wie das Taybeh-Bier geschmeckt habe, wollen die Zuhörer wissen. „Süß. Ehrlich gesagt, fürchterlich toll war es nicht“, so Flohr.


Der Autor spricht immer wieder auch heikle Themen an: Das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis, Nazi-Witze, Mauerbau, seine Beziehung zu israelischen Frauen (einer im Besonderen), Geheimdienst und auch Gazakrieg. Wie z.B. in dem Kapitel „15 Sekunden“ in dem er beschreibt, wie er mit seiner israelischen Freundin Noa in den Gaza-Streifen fährt, um ihre Oma nach Raketenangriffen der Hamas aus der Sperrzone zu holen. Wie sie ihm unterwegs erklärt, dass man bei der Durchsage „Tzewa adom, tzewa adom“ nur noch 15 Sekunden Zeit hätte, einen Schutzraum aufzusuchen. Der erste Alarm lässt nicht lange auf sich warten und Flohr realisiert, wie nah Krieg und Tod sind.


In jedem Satz merkt der Zuhörer, dass Flohr sehr fein beobachtet und genau beschreibt, ohne aber den moralischen Zeigefinger zu erheben. Das Bild von Israel ist herzlich, komisch, sympathisch, absurd und traurig zugleich. Auf die Frage, wie er sich in Israel eingelebt habe, antwortet der Autor, dass ihm Israel aus den Erzählungen anderer westlicher vorkam. Andererseits aber habe es auch vieles gegeben, woran er anknüpfen konnte, wie z.B. Fußballspielen, Partys, Konzerte. 



Melanie Kiel



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