Dieter Mauch
Buchlesung mit Donna Rosenthal in München
Am 14. Oktober 2007 präsentierte die DIG München den Bestseller der preisgekrönten amerikanischen Reporterin Donna Rosenthal Die Israelis Leben in einem außergewöhnlichen Land vor zahlreichem Publikum im Neuen Jüdischen Gemeindezentrum. Zum Auftakt dieser mehr als nur interessanten Lesung wer nicht da sein konnte, hatte in der Tat was versäumt begrüßte Ellen Presser, die langjährige Leiterin des Kulturreferats der Israelitischen Kultusgemeinde München nicht nur die Gäste, sondern bedankte sich auch beim C.-H. Beck-Verlag für die Auswahl und die Übersetzung des Buches. Denn wie keine andere habe die Autorin es geschafft, alles zwischen diese beiden Buchdeckel zu bringen, was die Menschen aus allen Völkern dieser Erde in Israel eingebracht haben, in Israel, einem der interessantesten Länder dieser Erde. Dieses Buch gehöre in jeden Haushalt, wenn jemand etwas auf sein Bildungsbürgertum hält!
J. Samson Altman-Schevitz vom israelischen Bildungsunternehmen Keshetisrael und Mitglied der Israelisch-Deutschen Gesellschaft IDG in Jerusalem meinte dazu, das Buch habe ihm vor seiner Aliya vor anderthalb Jahren damals noch als amerikanische Erstausgabe sehr geholfen, das Land zu verstehen, und war begeistert! Er hofft, dass es sich als Standardwerk in Deutschland ebenso etabliert wie in den USA.
Die bekannte Schauspielerin Karin Boyd las im Anschluss daran aus ausgewählten Kapiteln dieses Buches, das wie kein zweites wort- und bildreich ein sehr facettenreiches Bild von Israel zeichnet. Sie las von den Orthodoxen und Ultraorthodoxen; von den oft jungen High-Tech-Unternehmen oder wie es ein zum Multimillionär gewordener Dotcom-Unternehmer ausdrückte: Israel und das Internet passen perfekt zusammen. Sie haben 2000 Jahre aufeinander gewartet. ; von dem arabischen Kinderarzt, dem ein Schass-Mitglied aus Dank für seine Arbeit eine Mesusa an den Eingang der Klinik nagelte; über Haifa, einer Insel der Normalität; über die Beduinen, die sich für die wahren Araber halten und von den Christen, die mehrheitlich israelische Araber sind ...
Im Anschluss daran erläuterte Donna Rosenthal einige ihrer Passagen und das Publikum konnte Fragen an die lebendig und humorvoll erzählende Autorin stellen: Ausgangspunkt zu ihrem Buch war der Anruf eines ehemaligen Studenten, der bei CNN Videoclips bearbeitete und meinte, sie seien im Sender verwirrt, denn auf dem Bildmaterial aus Israel seien schwarze Juden, Juden die aussehen wie Araber und sehr sexy gekleidete arabische Mädchen mit Nasenringen und Bauchpiercing zu sehen. Nun, nur 16% der Juden in Israel gehen in die Synagoge und die anderen beten bestenfalls, wenn ihr Fußballclub verliert (98% der Synagogen sind orthodox oder ultraorthodox), doch die meisten Menschen glauben, Juden sehen wie Ultraorthodoxe aus. Und auf die Frage an chinesische Staatsbürger, ob Israel größer oder kleiner als China sei, meinten die meisten von ihnen: etwas kleiner als China!
In Israel sind 50% Juden aus den arabischen Ländern. 1917 bestand die Bevölkerung Bagdads zu 40% aus Juden. 1949 waren es immer noch 25% mit 56 Synagogen. Heute leben nur mehr 2 oder 3 ältere jüdische Bewohner in Bagdad.
In der israelischen Armee gibt es vier heilige Bücher/Schriften, auf die die Rekruten schwören können: die Thora, den Koran, eine Schrift für die Drusen und die christliche Bibel. Israelische Araber können freiwillig in der israelischen Armee dienen und auf den Koran schwören. Zumeist sind dies Beduinen. Die Drusen sind eine muslimische Abspaltung des 11. Jahrhunderts. Ihre Religion ist so geheim, dass die drusischen Rekruten auf zwei Blätter ohne Inhalt schwören auf dem Deckblatt ist dabei der Schwiegervater von Moses zu sehen. Die Drusen hatten nach der Staatsgründung Israels die israelische Regierung gebeten, sie in ihre Armee einzuziehen. Die Bibel wird insbesondere von den arabischen Christen genutzt. Insbesondere in den letzten Jahren wird sie verstärkt herangezogen, da viele Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere aus der Ukraine, inzwischen in der Armee dienen bzw. eingezogen werden. Und die Hälfte von ihnen sind keine Juden.
Nun, Journalismus funktioniere so die Autorin überall gleich: If it bleeds, it leads. Wenn Blut fließt, kann eine Story daraus werden. Und je mehr Blut fließt, desto länger kann berichtet werden. So ist es nicht leicht, in zehn Sekunden zu sagen, dass beim Abzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen nicht nur vier israelische Soldaten ums Leben kamen, sondern vier arabisch-beduinische Soldaten, die freiwillig in der IDF ihren Dienst taten.
1991 haben in 36 Stunden israelische Flugzeuge 22.000 äthiopische Juden ins Land geflogen. Und als sie da waren, sagten sie: Das kann nicht das richtige Land sein! Wie zur Hölle können diese weißen Leute Juden sein, die an Schabbat Auto fahren, Bikinis tragen so breit wie Zahnseide und sich halbnackt an den Strand legen, um braun zu werden?! Auch heute noch sind viele äthiopische Juden sehr religiös aber ihre Kinder sehen aus wie Bob Marley, singen Hiphop und können oft die Sprache ihrer Eltern nicht mehr.
Und auf die Frage Ist Frieden in dieser Region möglich? antwortete Donna Rosenthal: Dies ist das Land, wo schon viele Wunder geschehen sind. Man sollte nie eine Prophezeiung in und über dieses Land abgeben!
An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Beteiligten dieses gelungenen Abends bedankten allen voran bei der Autorin sowie Frau Ellen Presser, die diesen Abend im Neuen Jüdischen Zentrum im Herzen der Stadt ermöglichte, beim C. H. Beck-Verlag und Herrn Altman-Schevitz von Keshetisrael, der die Veranstaltung moderierte und möchten der IDG Jerusalem viele Grüße auf diesem Wege senden.