Vor 70 Jahren: Reichspogromnacht
von Dr. h.c. Johannes Gerster
Im gleichen Jahr, in dem wir den 60. Jahrestag des Staates Israel ausgiebig und freudig gefeiert haben und noch feiern werden, holt uns sehr rasch ein anderes Datum ein, das Grund zum Innehalten und zur Nachdenklichkeit geben muss:
Am 9. November 2008 jährt sich zum 70. Mal die Reichspogromnacht. In dieser Nacht vor 70 Jahren brannten in Deutschland die Synagogen, zerbrachen Fensterscheiben, wurden Möbel auf die Straßen geworfen, wurden Geschäfte und Wohnungen der jüdischen Mitbürger ausgeplündert. Es war eine vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Zerstörung von Einrichtungen, Eigentum und Leben der Juden in Deutschland.
Die Nacht vom 9. zum 10. November 1938 markiert den Übergang der seit 1933 praktizierten Diskriminierung und Ausgrenzung der Juden zu deren systematischer Verfolgung und Vernichtung.
Wer Augen hatte zu sehen, konnte spätestens seit der Reichspogromnacht erahnen, daß blinder Hass und Rassenwahn in die tiefsten Abgründe menschlicher Perversion führen werden.
So wie wir Israel gegen manch´ israelkritischen Zeitgeist gefeiert haben, sollten wir den 9. November gegen einen allzu oberflächlichen Zeitgeist in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit rufen. Dies dürfen wir nicht den jüdischen Gemeinden überlassen, das muss unser aller Anliegen sein. Denn Rechtsradikalismus, Rassismus und Antisemitismus machen sich wieder in unserer Gesellschaft breit.
Mit der Erinnerung an den 9. November 1938 kann deutlich erkennbar werden, wohin dumpfe Judenfeindlichkeit führen kann oder wird.
Wenige Tage zuvor, am 2. November, findet in Potsdam die 33. ordentliche Hauptversammlung der DIG statt. Dort soll die Arbeit der kommenden Jahre beraten und beschlossen sowie ein neues Präsidium gewählt werden. Bitte sorgen Sie dafür, dass alle Arbeitsgemeinschaften mit ihren Delegierten vertreten sein werden. Auf ein gutes Gelingen!