Israel will Frieden
Die Israel-Lobby auf den Parteitagen in Denver und Minneapolis, USA
Was macht eine pro-israelische Gruppe wie „The Israel Project“ (TIP) auf den Parteitagen der Demokraten und Republikaner in den USA? Im Medientraining haben wir gelernt, diese Frage wie folgt zu beantworten: „Wir sind hier, weil uns Israel am Herzen liegt und wir die Bedrohung Israels durch den Iran zu einem Hauptthema im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf machen wollen.“ Wir fangen jedes Interview und jede Antwort damit an zu betonen, dass Israel Frieden will, egal wie die Frage lautete. „Israel will Frieden und hat ein Recht, seine Staatsbürger zu verteidigen.” Das ist das „Mantra“ des Sommers.
Bewaffnet mit dem Slogen „Israel wants peace“ und tausenden von Flyern zu Religionsfreiheit, Frauenrechten, Minderheitenrechten, Technologie zur Nutzung alternativer Energie in Israel und über das nukleare Programm des Iran, schwirrten die 10 Media Fellows (Praktikanten für einen Sommer) von The Israel Project durch die Parteitage der Demokraten in Denver und der Republikaner in Minneapolis. Sie waren gut sichtbar durch blaue T-Shirts mit der Aufschrift: „I love Israel, I want peace“.
Media Fellows die als Praktikanten 9 Wochen bei TIP gearbeitet haben
Im Unterschied zu Deutschland, wo Parteitage eher an abgeschiedenen Orten stattfinden, sind die amerikanischen Parteitage ein riesiges Medienspektakel mit großer Öffentlichkeit und ca. 15 000 in- und ausländischen Journalisten. Die immense Medienaufmerksamkeit ist die ideale Arena für die Arbeit von TIP.
The Israel Project ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Presse und die Öffentlichkeit über den Staat Israel zu informieren und Sicherheit, Freiheit und Frieden zu fördern. Das Ziel ist es, die öffentliche Meinung gegenüber Israel in den USA, aber auch in Europa und weltweit mit Methoden der strategischen Kommunikation zu verbessern. Mit Hilfe von zwei großen amerikanischen Umfrageinstituten wird herausgefunden, welche Ideen bei der Bevölkerung gut aufgenommen werden. Amerikaner reagieren positiv auf die Information, dass Israel die gleichen Werte wie die westliche Welt hat, eine liberale Demokratie ist, die ihre Minderheiten achtet und Religions- und Pressefreiheit garantiert. Es ist auch gut zu vermitteln, dass Israel Technologien zur Nutzung von alternativen Energien besitzt, z.B. Autos mit Elektromotor herstellt, denn diese Technologien helfen auch Amerika, unabhängiger von Erdöl zu werden; zur Zeit ein heiß diskutiertes Thema in den Vereinigten Staaten.
Aufgrund dieser Umfrageforschung erstellte TIP verschiedene Flyer, die jeweils ein Thema aufgreifen und die Vorzüge Israels darstellen. Die Flyer wurden zu tausenden auf den Parteitagen an Journalisten und Delegierte verteilt. Und obwohl die meisten zu den Parteitagen gehen, um über nationale Themen oder den Krieg im Irak zu diskutieren, haben sie die Flyer doch meistens interessiert gelesen.
Media Fellows Hanna und Alex verteilen Flyer
Die Verteilung von Flyern ist aber nur ein kleiner Teil der Strategie, die TIP bei den Parteitagen verfolgte. Es wurde eine sehr kostenintensive TV-Kampagne gestartet mit zwei Kurzfilmen, die in den besten Kabelsendern einmal pro Stunde in dem Gebiet der Parteitage ausgestrahlt wurden. In einem der zwei Clips wurde die Situation des Raketenbeschusses von Gaza auf Sderot auf Denver bzw. Minneapolis übertragen. „Stell dir vor, Denver liegt unter Raketenbeschuss von seinem nahen Nachbarn. Seit 2005 feuerten Hamas und Hisbollah mehr als 8.000 Raketen auf Israel. Der Iran hilft, diese Terrorgruppen zu finanzieren, zu trainieren und zu bewaffnen. Ein nuklear bewaffneter Iran ist eine Gefahr für den Frieden. Nukleare Materialien könnten in die Hände von Terroristen gelangen, die unberechenbar und überall zuschlagen könnten. Die Weltmächte sind in der Lage, die nukleare Bewaffnung des Irans auf friedliche Weise zu verhindern. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.“ (Man sieht eine Karte von Israel und dem Iran mit fliegenden Raketen.) Dieser Clip und ein weiterer zur alternativen Energienutzung und Technikentwicklung durch Israel wurde von 90 % aller Leute gesehen, die sich im Sendegebiet aufhielten. Ein Autofahrer hielt mitten auf der Straße an, als er die T-Shirts von TIP sah, fragte gezielt zu der Anzeige und kommentierte sie betroffen. Die Leute können sich kaum vorstellen, wie es ist, unter der ständigen Gefahr von Raketenbeschuss zu leben. Er war sichtlich ergriffen von dem Film.
Außer den Flyern und der TV-Kampagne gab es auch prominente Präsenz in den Medien. Die Präsidentin der Organisation, Jennifer Laszlo Mizrahi, gab zahlreiche Interviews für verschiedene Radiosender, in denen sie über die Gefahr sprach, die vom Iran ausgeht, und die Notwendigkeit, schnell schärfere Sanktionen gegen das Nuklearprogramm des Iran durchzusetzen, um einen Krieg mit dem Iran zu vermeiden.
Jennifer Laszlo Mizrahi, Gründerin und Präsidentin von The Israel Project auf dem republikanischen Parteitag
TIP organisierte auch Pressekonferenzen, wo Umfragewerte veröffentlicht wurden, die kurz vorher von leitenden amerikanischen Umfrageinstituten erhoben wurden. Die Hauptergebnisse sind, dass eine große Mehrheit der Amerikaner eine nukleare Bewaffnung des Iran verhindern will und dass eine Mehrheit dies auf friedlichem Wege durch Sanktionen erreichen will.
Außerdem organisierten wir auf jedem Parteitag eine Fundraising-Veranstaltung, schließlich wollen die Aktionen auch bezahlt werden. Wenn man sich jetzt fragt, wie das alles von 6 Mitarbeitern und 10 Media Fellows geleistet werden konnte, ist das mehr als berechtigt. Der Schlüssel liegt in einer sehr guten strategischen Planung und dem Zukaufen von Expertenwissen (TV-Produktionen, Flyergestaltung und Umfragekapazitäten). Die Media Fellows haben mit ihren T-Shirts Präsenz gezeigt und waren einfach immer überall. Schätzungsweise jeder zweite der Parteitagsbesucher hat mindestens einen unserer Flyer bekommen und mindestens einmal die TV-Produktion gesehen.
Selbst wenn wir es nicht auf die die erste Seite der New York Times geschafft haben, waren wir doch eine auffällige Erscheinung auf den Parteitagen, die sich eigentlich um Themen wie die Ernennung Barak Obamas und John McCains zum Präsidentschaftskandidaten bzw. den „Willen zum Wandel“ des Ersteren und die „Militärheldengeschichte“ des Letzeren drehten.
Und übrigens, und das will ich an dieser Stelle wiederholen, denn Wiederholung ist eine der Haupttaktiken der strategischen Kommunikation: Israel will Frieden!
Mehr Informationen zum Israel Project finden Sie hier: http://www.theisraelproject.org/de. Die Webseite ist in Deutsch und 5 weiteren Sprachen lesbar.
GG