Hoffen auf bessere Zeiten!
Von Dr. h.c. Johannes Gerster
Israel hat gewählt. Statt bisher 13 Parteien nehmen jetzt 12 Parteien die 120 Sitze der Knesset ein. Die Kadima-Partei, von Ariel Sharon gegründet, liegt knapp vor dem Likud, die Partei Liebermans, Yisrael Beitenu, kam auf Platz 3 vor der Arbeitspartei. Die beiden Parteien, die über die Jahrzehnte um den 1. Platz gerungen hatten, der Likud und die Arbeitspartei, sind gerade noch 2. und 4. Wahl! Wer hätte das vor zehn Jahren für möglich gehalten?
Natürlich wussten viele europäische Kommentatoren sofort von einem Rechtsruck in Israel zu berichten und dem Friedensprozess das Totenglöcklein zu läuten. Auch uns beunruhigt das Wahlergebnis. Es dokumentiert einen tiefen Vertrauensmangel in die Idee einer friedensstiftenden Zwei-Staaten-Lösung.
Aber waren es nicht Likudpolitiker, die seinerzeit den Sinai an Ägypten zurückgaben sowie Hebron gemäß dem Oslo-Abkommen und den Gazastreifen räumten? Israel war und wird auch in Zukunft für manche Überraschung gut sein.
Auch wird häufig übersehen, dass die Amtszeit von Palästinenser-Präsident Machmud Abbas am 9. Januar 2009 abgelaufen ist und daher noch weniger als zuvor auf palästinensischer Seite ein kompetenter und durchsetzungsfähiger Verhandlungsführer zur Verfügung steht.
Also leben wir wieder einmal von der Hoffnung, die bekanntlich zuletzt stirbt. Hoffen wir auf die neue US-Regierung, auf handlungsfähige Europäer und auf die gemäßigten arabischen Staaten, die gemeinsam tätig werden müssen. Natürlich erwarten wir auch von der israelischen Regierung die Erkenntnis, dass ein Ausgleich mit den Palästinensern, abgesichert durch internationale Garantien, die beste Fahrkarte in eine sichere Zukunft ist. Keine Regierung, die diese Perspektive vermissen lässt, wird wohl eine volle Amtszeit durchhalten können.