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"Wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht sterben"
Die Sammlung Felix Nussbaum in Osnabrück

1904 wurde Felix Nussbaum in Osnabrück geboren, 1944 in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet. Er hinterließ ein künstlerisches Werk, das in ganz unterschiedlichen Phasen seines Lebens entstand: Zunächst sind Nussbaums Bilder von der beschaulichen Geborgenheit der Provinz geprägt, dann vom schnellen, dem Zeitgeist konformen Erfolg in der Kunstmetropole Berlin, später von der Orientierungslosigkeit in der Emigration, von Kriegsdrohung und Bombenkrieg, von der Angst im Internierungslager, von der Isolation im Untergrund und im Versteck, schließlich vom Leid und der Vernichtung der Juden in Europa durch das Naziregime. In seiner aussichtslosen Situation wurde die Malerei für Nussbaum zur Widerstandshandlung, da die Kunst ihm seine menschliche Würde erhielt und ihm lange Zeit die Kraft zum Überleben gab. Er war Protokollant dieser Zeit und wurde ihr Opfer.

Vor mehr als 15 Jahren entschied die Stadt Osnabrück, ein Museum errichten zu lassen, um der Öffentlichkeit das Lebenswerk Nussbaums adäquat präsentieren zu können. Daniel Libeskind wurde mit der Realisierung beauftragt und so entstand das Felix-Nussbaum-Haus. Das architektonische Konzept des Museums nutzt eine einmalige Chance. Es schafft einen räumlichen Kontext, in dem die tragische Verknüpfung von Leben und Werk des Künstlers zum bestimmenden Eindruck wird. Mit einem System von Bezugslinien – zwischen Osnabrück, Berlin, Brüssel und Auschwitz – symbolisiert die Architektur die ständige Bewegung und zunehmende Orientierungslosigkeit im Leben Felix Nussbaums.

Auch die äußere Gestaltung des Gebäudekomplexes setzt Zeichen. Die verwendeten Materialien Holz (Nussbaum-Haus), Beton (Nussbaum-Gang) und Zink (Brücke) stehen mit ihrer zunehmenden Kälte für Nussbaums Lebensweg: von der behüteten Jugend über die Zeit der Vertreibung und Bedrohung bis zum gewaltsamen Tod in Auschwitz.

Am 16. Juli 1998 wurde das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück eingeweiht. Seit dem 21. März 1999 ist in diesem Museum die weltweit größte Sammlung seiner Werke zu sehen. Aber auch Sonderausstellungen trugen in den vergangenen zehn Jahren dazu bei, dass das Haus von vielen Menschen aus der ganzen Welt besucht wurde und so Nussbaums Wunsch in Erfüllung gehen kann: „Auch wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht sterben, zeigt sie den Menschen.“

Zum zehnjährigen Bestehen des Felix-Nussbaum-Hauses konzipierte die Direktorin des Museums, Frau Inge Jaehner, eine Jubiläumsausstellung mit hochkarätigen Exponaten, die unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel steht. Sie folgen der Spur, die jüdische Künstler in der Moderne hinterlassen haben. Passend zur Eröffnung der Sonderausstellung ist auch eine Biografie des Malers erschienen. Peter Junk und Wendelin Zimmer sind die Autoren, die sich intensiv mit den Lebensdaten des Künstlers beschäftigt haben. Die beiden Verfasser haben in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, die Nussbaum-Forschung in Osnabrück voranzutreiben. In Verbindung mit dem schon vor Jahren veröffentlichten Katalogbuch zum Werk Felix Nussbaums, an dem Junk und Zimmer auch beteiligt waren, lassen sich Werk und Lebenslauf des Malers jetzt weitestgehend rekonstruieren.

Wenn die Jubiläumsausstellung am 19. April endet, wird das Felix-Nussbaum-Haus in der Hauptsache wieder dem Werk des Osnabrücker Künstlers gewidmet. In der Verbindung mit der Architektur Libeskinds wird die Dauerausstellung die Bilder Nussbaums nicht in einer konventionellen Museumshängung präsentieren. Durch die Symbiose von Architektur und Malerei werden Räume gegen das Vergessen geschaffen, die auch Bereiche für begleitende Wechselausstellungen bereithalten.

Informationen zur aktuellen Ausstellung

Inge Jaehner und Tom Bullmann

 


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