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Israel nach den Wahlen.

Berlin: Veranstaltung mit Eldad Beck am 16.2.2009

Wahlergebnis in Prozent und Sitzverteilung
 
Gewählte Abgeordnete der 18. Knesset - nach Parteien

Fast hätte man ihm doch noch angemerkt, dass auch ihn der überraschend und gegen die Prognosen erzielte Vorsprung von Zipi Livni bei den Wahlen in Israel ein wenig schockiert hat. Aber zum Glück ist Eldad Beck einer der coolsten und ironischsten und auch in der ihm fremden deutschen Sprache gewandtesten Journalisten, die in der Hauptstadt agieren. So entzückte er bei seinem Auftritt in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt seine Zuhörer durch einen von Anfang bis Ende witzig und zupackend gehaltenen Vortrag zu den Knesset-Wahlen, in dem nichts – fast nichts – ausgelassen wurde: Fulminant eröffnet mit der Frage „Wie deutsch ist die israelische Politik geworden?“ schonte Beck „die neue Kindersprache“ mit Zipi und Bibi ebenso wenig wie den „Dschungel feindseliger Männer“, durch den Zipi sich habe kämpfen müssen; Gerhard Schröder als Ehrendoktor der Uni Damaskus bekam sein Fett ebenso weg wie Ehud Barak als Millionär und Sozialistenführer, und die einzigen Lichtgestalten, die völlig unversehrt aus allem herausragten, waren die beiden derzeit einflussreichsten deutschen Politiker, Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Die Frage „was steckt dahinter“ oder „wie meint er das jetzt,“ soll man nicht stellen, nie: in dieser Frage an Zipi Livni hätte Beck sich dann und wann fast selbst verfangen, sie ist unabschließbar, mag sie auch zu dieser oder jener brillanten Beobachtung führen, etwa der, dass im Vergleich zu Angela Merkel Zipi Livni sicher ebenso prinzipienfest und ehrlich, dass sie aber doch viel flexibler sei, wenn es darum gehe, ihre Mitsprache zu erhalten. Wichtiger als die Frage, wie ein Politiker etwas meint, ist aber die, welche Aussichten das Programm, an dem er prinzipienfest festhält, in bestimmten Konstellationen hat. Natürlich musste Beck wie jeder, der sich in diesen Tagen in Europa für Israel stark macht, betonen, dass es sich bei den gegen Israel gerichteten Waffen nicht um Wunderkerzen und bei den Feinden Israels nicht um spielende Kinder handelt. Und schmerzhaft deutlich wurde auch, dass innerhalb der israelischen Politik die ein einheitliches Handeln behindernden Kräfte enorm sind. Dass es nicht nur die existentielle Bedrohung, sondern auch die vielen Korruptionen und Korruptiönchen sind, die Avigdor Lieberman seinen großen Erfolg verschafften, dass ausgerechnet Lieberman als einer gilt, der ehrlich und einfach und klar ausspreche, was alle denken, dies ist sicher – neben der Information über die so verständliche wie besorgniserregende Entfremdung der israelischen Araber von ihrem Staat – eine der unangenehmsten Nachrichten des Abends. Beck erklärt den Befund unter anderem mit der Resignation, die sich in Israel ausgebreitet hat, weil alle Kompromisse, die man doch schon gemacht hat, offenbar keinen Frieden gebracht haben. Dies führe eben bei einigen zu einer gewissen Verhärtung und Radikalisierung.

Unter diesen Umständen sieht es für den Friedensprozess schlecht aus. Wenn man durchaus nicht ohne Hoffnung von dannen ziehen möchte, wird man diese wohl am ehesten an die Tatsache, dass in Israel überhaupt den Vertretern einer europäischen Macht etwas wie eine loyale Haltung gegenüber Israel zugetraut wird, heften können, aber auch an die angesichts der vielfältigen Gegenkräfte tatsächlich überraschende Kraft und Ausdauer von Kadima und Livni.

Der Vortrag von Eldad Beck findet sich mit freundlicher Genehmigung des Autors auf unserer Website unter www.digberlin.de/SEITE/beck_wahlen.php

Gesine Palmer


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