Impressionen einer Geschäftsreise
Die NTBB Systemtechnik GmbH ist ein kleines Technologieunternehmen in Zeuthen, am Rande Berlins. Ich leite die Firma seit 2002. Auch bei uns hat die Globalisierung bereits Einzug gehalten. Der Exportanteil stieg in 2008 auf 40%.
Am 2. Februar 2009 checke ich in Berlin–Schönefeld für eine kurze Geschäftsreise nach Israel ein.
Ein Jahr zuvor hatte ich an einer Unternehmerreise im Gefolge des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck teilgenommen. Seitdem pflegen wir Kontakte zur PAZGAS in Rishon le Zion und zur hebräischen Universität Jerusalem.
Als Hersteller funkbasierter Fernwirktechnik für Industrie, Logistik und Verkehr würden wir gern unsere Spezialprodukte zur Funkfernüberwachung von Flüssiggasbehältern bei der PAZGAS platzieren. Seit unserem ersten Gespräch in 2008, zu dem wir sehr freundlich und interessiert empfangen wurden, haben wir viel gemailt und telefoniert und schließlich einige Geräte nach Rishon le Zion zur Erprobung gesendet.
Und dann ist da schon die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit Professor Schwartz von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität Jerusalem. Der Forscher unterstützt unsere Erprobungsarbeiten an einem neuartigen System zur optimierten Bewässerung in der Landwirtschaft. Es handelt sich um eine Kooperationsentwicklung unseres Unternehmens mit der Teltower Firma TeleBITcom und der Universität Würzburg. Der Entwicklungsleiter der NTBB, Herr Fitzke, arbeitet bereits seit Tagen mit Spezialisten aus Würzburg an unseren Testanlagen in Israel.
Am Ben-Gurion-Airport ist es ein sonniger warmer Spätnachmittag und ich vergesse, dass es Februar ist. Ein Taxifahrer russischer Herkunft fährt mich in die Stadt und freut sich über meine wenigen russischen Vokabeln, die ich aus dem Hinterkopf hervorkrame.
Am nächsten Morgen genieße ich das quirlige Tel Aviv, wie es mich bereits vor einem Jahr gefangen nahm. Eine beeindruckende, lebendige Metropole zwischen dem historischen Jaffa und supermodernen Stadtteilen mit imposanten Hotel- und Bürogebäuden.
Zuerst führt mein Weg zur deutsch-israelischen Außenhandelskammer. Der Leiter, Herr Weinberg, ist ein wichtiger Vermittler zwischen deutschen und israelischen Geschäftspartnern. Hier wurde auch unser Erstkontakt zu einem Consultbüro hergestellt.
Bereits am Nachmittag treffe ich mich zum wiederholten Mal mit dem Geschäftsführer, Emanuel Shahaf, um Wege und Perspektiven einer Zusammenarbeit auf internationalen Märkten auszuloten. Wer das Abenteuer sucht, mietet in Tel Aviv ein Auto und versucht das Einbahnstraßensystem der Stadt zu ergründen! Nach kurzer Zeit erreiche ich, glücklicherweise ohne Blechschaden, Rishon le Zion.
Miron Ilan, Vizepräsident der PAZGAS, eines bedeutenden und traditionsreichen Flüssiggasunternehmens, empfängt mich freudig im repräsentativen Firmengebäude.
Herr Fitzke ist ebenfalls zu uns gestoßen und wir diskutieren technische Fragen der Fernübertragung von Gasbehälterfüllständen und die spezifischen Anforderungen in Israel. Wir beschließen, die technische Zusammenarbeit auszubauen.
Der Leiter des modernen Ausbildungszentrums für Gasspezialisten, Herr Tzirka, führt uns stolz durch seine Einrichtung. Beim anschließenden Mittagessen finden wir Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. Man kommt sich näher, baut Vertrauen auf. Das ist die nachhaltigste Basis für erfolgreiche gemeinsame Geschäfte.
Dass man sich in dem Land sofort wohl fühlt und leicht Kontakt zu seinen Menschen findet, liegt wohl auch an den kulturellen Wurzeln, die bei vielen noch europäisch geprägt sind.
Nach einer kurzen Autofahrt treffe ich in Rehovot ein. In unmittelbarer Nachbarschaft zum renommierten Weizmann-Institut liegt hier der Campus der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität von Jerusalem. Eine nette Dame erwartet mich bereits und versorgt mich im Gästehaus mit einem Zimmer. Der Campus befindet sich in sehr schöner Umgebung und man beneidet die Studenten um das angenehme Ambiente – ein Studium unter Palmen und Orangenbäumen.
Hier treffe ich auf die Würzburger Forschergruppe um Prof. Zimmermann und auf Prof. Schwartz. Es ist ein herzliches Wiedersehen, denn bereits im Jahr zuvor hatte ich Gelegenheit, sein Institut zu besichtigen und bei einer gemeinsamen Autofahrt durch den israelischen Süden viel über das Land zu erfahren.
Mit technischen und wissenschaftlichen Gerätschaften im Gepäck geht es früh am Morgen dann auf die Autobahn in Richtung Negev-Wüste. Dort, wo am Rande der Wüste noch vor Jahren pure Kargheit herrschte, installieren wir heute unser System auf einer üppigen Orangenplantage. Unsere neu entwickelte Technik misst den tatsächlichen Wasserbedarf lebender Pflanzen und überträgt die Daten sekundenschnell an die Universität Würzburg, wo sie analysiert werden. Ziel der Arbeiten ist die Schaffung neuartiger Methoden der Bewässerung zur Einsparung der wertvollen Ressource Wasser bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung der Früchte und Eindämmung der Bodenversalzung infolge der starken Verdunstung. Eine Aufgabe, die angesichts begrenzter Anbauflächen, wachsender Weltbevölkerung und Klimaerwärmung dringend einer Lösung bedarf.
Israel ist mit seinem heißen Klima ein idealer Erprobungsstandort und das Problembewusstsein der Forscher und Farmer in Israel ist groß, denn der Export landwirtschaftlicher Produkte ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Von hier ist es nicht weit zum Toten Meer und die Zeit erlaubt einen kurzen Abstecher dorthin. Die gut ausgebaute Straße führt durch eine imposante Landschaft mit wuchtigen Felsen. Am Rande der Strecke rastet eine kleine Armeeeinheit. Nun erst werde ich daran erinnert, dass erst seit wenigen Tagen die Waffen in Gaza wieder schweigen und welche Last auf diesem Land und der Region liegt.
Umso bewundernswerter ist der überall gegenwärtige Optimismus, den die Menschen ausstrahlen und der uns in Deutschland mitunter abhanden gekommen scheint.
Leider bleibt auf der Rückfahrt nach Rehovot diesmal keine Zeit für einen Abstecher nach Jerusalem, diesem Zentrum dreier Weltreligionen mit seiner malerischen, restaurierten Altstadt.
Selbst einen Atheisten wie mich ergreift an diesem Ort immer wieder aufs Neue die spirituelle Atmosphäre, die sich aus Jahrtausende alter Geschichte speist.
Es ist spät geworden. Nur noch wenige Kilometer fahre ich durch das friedlich schlafende Israel von Rehovot zum Ben-Gurion-Airport. Ein Kontrollposten an der Zufahrt zum Flughafen mustert mich mit prüfendem Blick und schätzt mich schließlich als unbedenklich ein.
Schalom, bis zum nächsten Mal.
Von Klaus-Dieter Heiland