Beth-El: „Haus Gottes“ – Eine deutsche christliche Gemeinschaft in Israel
Unternehmen liefert auch ABC-Schutz für die Fahrzeuge deutscher Soldaten im Einsatz
Ungläubiges Staunen ist immer wieder die erste Reaktion deutscher Gäste, wenn sie beim Besuch der israelischen Firma „Beth-El“ vom Betriebsleiter in reinstem Schwäbisch begrüßt werden. „Beth-El Zikhron Ya’aqov Industries Ltd.“ – so der vollständige Firmenname – liegt auf dem Carmel-Höhenzug westlich von Haifa und ist ein „deutsches“, im ABC-Schutz weltweit führendes Unternehmen.
Beth-El, hebräisch für „Haus Gottes“, ist der Name einer vor fast 50 Jahren von deutschen Christen in Israel gegründeten Gemeinschaft, die in der Rechtsform eines Kibbuz organisiert ist. Die heute etwa 1.000 Mitglieder – überwiegend aus dem Großraum Stuttgart stammend – glauben an das Alte und Neue Testament in ihrem Wortsinn ohne irgendwelche Zusätze oder Auslegungen. So ist für sie das jüdische Volk unverändert das auserwählte Volk Gottes, das es zu unterstützen gilt – auch wenn die Juden Jesus als Messias nicht anerkannt haben. „Wer Israel segnet, der ist gesegnet“, dieses Wort der biblischen Verheißung ist deshalb bis heute Richtschnur allen Handelns der Gemeinde.
Die Idee, ABC-Schutzanlagen zu entwickeln und zu bauen, entstand Ende der siebziger Jahre, als man feststellte, dass es zwar Schutzräume für die israelische Zivilbevölkerung gab, diese jedoch über keinerlei Belüftung verfügten – im Krieg eine tödliche Falle! In den folgenden Jahrzehnten installierte das Unternehmen in Israel zig-tausende Schutzsysteme jeder Größe – von der kleinsten Anlage für eine Familie bis zu komplexen Systemen für hunderte von Menschen in Hotels, Krankenhäusern, Altersheimen, Schulen oder Kindergärten. Viele dieser Anlagen waren beispielsweise während des Irak-Krieges 2003 im Einsatz, als zu befürchten war, dass Israel durch SCUD-Raketen mit chemischen Sprengköpfen angegriffen werde könnte.
Der Alltag der Gemeindemitglieder spielt sich hauptsächlich in den beiden kleinen „Moschavoth“ Zikhron-Yaaqov und Benjamina ab. Die Mitglieder leben mit ihren Familien in gemeinschaftseigenen Häusern und arbeiten in den eigenen Betrieben oder auf dem Bauernhof, die sie mit fast allem versorgen, was sie brauchen. Ein Kindergarten, eine Schule, ein Gemeinschaftsraum für religiöse Veranstaltungen sowie ein Altersheim gehören ebenfalls zum Kibbuz. Grundlegende und das tägliche Leben bestimmende Werte dieser in Gütergemeinschaft und sozialer Gleichheit lebenden Menschen sind dabei: Bescheidenheit, Sittsamkeit, Einfachheit, Genügsamkeit, harte Arbeit und schöpferische Kreativität.
Erst 2001 begann Beth-El eine Exportabteilung aufzubauen und entwickelte gleichzeitig Anlagen für den militärischen Nutzer. Aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung im Zivilschutz besaß das Unternehmen im Bereich der Filtrationstechnik eine solche Kompetenz und Expertise, dass es innerhalb von nur fünf Jahren in Europa größter Lieferant militärischer Sammelschutzanlagen für Fahrzeuge, Container und Zelte wurde.
In Deutschland stattet Beth-El mittlerweile alle geschützten Führungs-, Funktions- und Transportfahrzeuge der Bundeswehr (z. B. Dingo 2, Yak, Boxer, Eagle) mit kombinierten Belüftungs- und ABC-Schutzanlagen aus; diese Systeme schützen „rund um die Uhr“ – auch bei widrigsten Umweltbedingungen – die Soldaten in Afghanistan und auf dem Balkan sicher vor Staub, Feinstaub, Krankheitskeimen, industriellem Gefahrenpotential und auch vor terroristischen Angriffen mit biologischen oder chemischen Kampfmitteln. Viele hochrangige Repräsentanten der Bundeswehr nutzten in den letzten Jahren die Gelegenheit und informierten sich bei Besuchen in Israel oder auf internationalen Messen über die Produkte des Unternehmens. So beispielsweise auch der damalige Befehlshaber des Streitkräfteunterstützungskommandos und heutige Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Generalleutnant Kersten Lahl, als er Beth-El 2007 auf einer Fachmesse in Göteborg, Schweden, besuchte.
Von Ernst Elbers
Der Autor , Diplom-Kaufmann und Oberst a.D. d.R.,
ist Repräsentant von Beth-El in Deutschland. Von 2000 bis 2003
war er Verteidigungsattaché an der Deutschen Botschaft in Tel Aviv.