DAS NÄCHSTE JAHRZEHNT WIRD NICHT EINFACH
Wirkliche Solidarität erfordert Geduld
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Vierzig Jahre deutsch-israelische Beziehungen, das ist und bleibt etwas Besonderes.
Dessen sind sich beide Seiten voll bewusst, wie die vielen, vielen Ereignisse dieses Jahres eindrucksvoll belegen.
Die offiziellen Besuche von Staatspräsident Katsav und Bundespräsident Köhler belegen dies ebenso wie die vielen
Veranstaltungen in beiden Ländern. In Deutschland sind es besonders die Botschaft des Staates Israel und die Deutsch-Israelische
Gesellschaft gewesen, die landauf und landab dieses Jubiläum ins Gedächtnis und für eine solidarische Zukunft geworben haben.
All denen, die daran mitgearbeitet haben, sein von Herzen gedankt.
Wie es gekommen ist, was in den vergangenen 40 Jahren die Arbeit an der deutsch-israelischen Verständigung ausgemacht hat,
darüber ist viel gesprochen und geschrieben worden. Was aber sind die nächsten Schritte auf einem komplizierten, aber auch
überaus lohnenden Weg?
Für mich steht fest, dass das vor uns liegende nächste Jahrzehnt der deutsch-israelischen Verständigung schwierig werden wird.
In Deutschland werden wir uns mit einem Antisemitismus auseinander zu setzen haben, der sich aus vielen Quellen speist,
von denen diejenige der bekennenden Neonazis und anderer Extremisten zwar die widerwärtigste, keinesfalls aber die
gefährlichste ist. Größer ist die Gefahr, dass das antisemitische Vorurteil, geschickt verkleidet, in der Mitte der
Gesellschaft wieder salonfähig werden könnte. Hier wird von uns allen ein erhöhtes Maß an Wachsamkeit erforderlich sein.
Es sind nicht die hastig hingesprayten Hakenkreuze, die uns zu schaffen machen werden, sondern die feinen Giftpfeile
einer Argumentation, die auf das kurze Gedächtnis setzt.
Israel wird, wenn man die Dinge illusionsfrei setzt, auch in den nächsten zehn Jahren um seine Sicherheit und um
Annäherung an Verhältnisse ringen müssen, die man als einigermaßen friedlich bezeichnen könnte. Das wird sowohl
Ariel Sharon als auch Mahmud Abbas überdauern. Ein derartiges Ringen aber wird Israel nicht populär machen, auch
bei uns in Deutschland nicht. Und auch der Rückfall in eine offene "Intifada" ist leider nicht auszuschließen.
Hier werden wir immer wieder aufklären und um Verständnis werben müssen - bei all unseren Mitgliedern, in den
Medien und auch in der uns zugänglichen Öffentlichkeit.
n beiden Ländern wird die Generation der "Zeitzeugen" von der Bühne des Geschehens abtreten. Um so wichtiger
wird es sein, die Erinnerung an das uns in untrennbarer Weise Verbindende, an den Holocaust, wach und lebendig
zu erhalten. Um so wichtiger wird es sein, für den einzigen wirklichen Rechtsstaat, die einzige wirkliche
Demokratie im Nahen Osten einzutreten. Umso wichtiger wird es sein, zusätzlich gerade unter den jungen Menschen
dieser beiden spannenden und schönen Länder deutlich zu machen, das so gut wie nichts den direkten, persönlichen
Kontakt ersetzen kann.
Eine Menge Arbeit also für das nächste Jahrzehnt! Packen wir sie in der Erkenntnis an, dass nur eine Freundschaft,
die ständig gepflegt wird, von Dauer ist. Lassen wir uns durch die Überzeugung tragen, dass sich Solidarität mit
Israel gerade in komplizierten Zeiten zu bewähren hat, dass sie von uns großes Engagement und viel Geduld abfordert.
Prof. Manfred Lahnstein
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