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Die Deutsch-Israelische Gesellschaft zu Gast in Bremen
31. Ordentliche Hauptversammlung am 21. November 2004

Alle zwei Jahre haben die Delegierten der 48 Arbeitsgemeinschaften der DIG aus ganz Deutschland das gleiche Ziel: in diesem Jahr trafen sich die mehr als 100 Delegierten - darunter viele langjährige Weggefährten, aber auch neue Gesichter - in Bremen. Hier fanden sie hervorragende Voraussetzungen für ihre Versammlung vor. Der Bremer Arbeitsgemeinschaft und allen anderen Beteiligten ist aber auch für das eindrucksvolle Begleitprogramm zum Kennenlernen der Stadt zu danken.

Schon am Samstag, am Tag vor der offiziellen Versammlung, trafen sich die Delegierten, um unter sich über "Grundsätze und Schwerpunkte unserer Arbeit" so der Titel der Vorlage des Präsidiums zu beraten. Die darin enthaltenen besorgniserregenden Einschätzungen zum derzeitigen Israelbild der Deutschen und zu einem neuen Antisemitismus bildeten den Rahmen für die vielen mit Verve und großem Engagement vorgetragenen Redebeiträge, in denen immer wieder die Verbundenheit mit dem Staat Israel und seinen Bürgern zum Ausdruck kam. Da kann kein Zweifel bestehen, dass die DIG als Zusammenschluss von Freunden Israels eindeutig Partei nimmt und sich als Anwalt israelischer Interessen versteht. Einig war man sich auch darin, dass Antizionismus immer Antisemitismus beinhaltet.

Natürlich wird es in einem offenen Dialog in einzelnen Punkten auch unterschiedliche Auffassungen und kritische Äußerungen geben. In diesem Zusammenhang empfahl Botschafter Stein in seinem sehr eindrucksvollen und mit viel Beifall bedachten Grußwort die griffige Formel: "Solidarität mit Israel nach außen, kritische Auseinandersetzungen innen!"

In der vielstimmigen Diskussion herrschte unter den Delegierten über die wesentlichen Punkte Einigkeit: Zu viele Menschen in Deutschland stehen heute Israel kritisch bis ablehnend gegenüber. Nach vier Jahren Intifada hat dazu die insgesamt einseitige Berichterstattung der Medien, insbesondere die Bilder des Fernsehens, sicherlich maßgeblich beigetragen. In diesem schwierigen Umfeld muss sich die DIG mit ihren lokalen Arbeitsgemeinschaften behaupten. Generelle Medienschelte scheint wenig erfolgversprechend. Die Pflege der Beziehungen zur lokalen Presse bringt da wahrscheinlich mehr. Jedenfalls soll versucht werden, sich offensiver in der Öffentlichkeit darzustellen. Dazu wird im kommenden Jahr, wenn Israel und Deutschland auf vierzig Jahre diplomatische Beziehungen zurückblicken können, oft Gelegenheit sein.

Überhaupt spielte das Thema "Öffentlichkeitsarbeit" eine wichtige Rolle. Dabei ging es auch darum, wie die Möglichkeiten des Internet besser genutzt werden können. Seit einiger Zeit gibt es die zentrale DIG-Website www.deutsch-israelische-gesellschaft.de. Außerdem sind immerhin auch noch elf Arbeitsgemeinschaften mit eigenen Internetseiten "online", und die meisten Arbeitsgemeinschaften sind per E-Mail zu erreichen. Die sich damit bietenden Kommunikationsmöglichkeiten sollen in Zukunft besser genutzt werden; zum Beispiel durch einen regelmäßigen Info-Dienst. Schön wäre es, wenn durch das Internet auch mehr junge Menschen den Weg zur DIG fänden, denn diese altert noch schneller als die deutsche Gesellschaft. Das ist vielleicht das größte Problem, mit dem sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft konfrontiert sieht.

Am Ende der sehr lebhaften Diskussion konnte Prof. Manfred Lahnstein nicht ohne Zufriedenheit feststellen, dass keine Gegenpositionen zum vom Präsidium vorgelegten Papier bestehen. Die Satzung und die Leitsätze der DIG brauchen nicht geändert zu werden; allenfalls kleinere Anpassungen sind zu erwägen.

Im nächsten Jahr wird zum dritten Mal der DIG-Friedenspreis an Projekte vergeben, die die Verständigung und das Zusammenleben von Juden und Arabern fördern, insbesondere in der Kinder- und Jugenderziehung. Unter zwölf Vorschlägen war das Zentrum für jüdisch-arabische Erziehung in Jerusalem mit seinen zweisprachigen "Hand in Hand Schulen", die zur Hälfte von jüdischen und arabischen Schülern besucht werden, erfolgreich und erhält den Friedenspreis 2005.

Am frühen Sonntag Nachmittag wurde dann gewählt: Der Präsident - Prof. Lahnstein: "Das ist meine letzte Kandidatur" -, die Vizepräsidenten, das Präsidium, der Schatzmeister, die Kassenprüfer. Prof. Lahnstein wird mit großer Mehrheit wiedergewählt, die DIG-Führungsmannschaft geschlossen im Amt bestätigt.

Die nächste Delegiertenversammlung wird im Jahr 2006 stattfinden, voraussichtlich in Süddeutschland. Dort wird man es nicht leicht haben: die Freie und Hansestadt Bremen, Mischung aus Tradition und Weltoffenheit, und ihr Bürgermeister Dr. Henning Scherf, der seine Gäste beim herzlichen Empfang im Rathaus als unnachahmlicher Hausherr durch seine Räume führte und Bremer Stadtgeschichte lebendig werden ließ, waren hervorragende Gastgeber. Da kann man die Bewerbung Bremens als Kulturhauptstadt Europas 2010 wahrhaftig nur unterstützen.

Ralph Treviranus

 


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