Die Karikaturen des Propheten Mohammed in einer dänischen Regionalzeitung wären an sich kein Weltereignis. Und seit dem
Erscheinungsdatum im vergangenen September hielt sich die Aufregung auch in engen Grenzen. Dann aber, wohl durch in Dänemark
lebende Islamisten ausgelöst, brach ein Sturm los, dessen rauchende Trümmer wir heute fassungslos besichtigen können.
Einiges muss klar sein: Für uns sind diese Karikaturen durch das Grundrecht der Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt.
Diese Grundrechte müssen wir verteidigen, so wie es Bundespräsident und Bundeskanzlerin bereits getan haben.
Für Grundrechte braucht man sich auch nicht zu entschuldigen. Gewiss, unser Grundgesetz enthält auch das Grundrecht
der Freiheit des religiösen Bekenntnisses und gewährleistet die ungestörte Religionsausübung. Das fordert uns von uns
allen Respekt, schafft aber keine Tabuzonen.
Die Karikaturen haben die religiösen Gefühle vieler Muslime verletzt. Das müssen wir ehrlich bedauern.
Aber - Zurückhaltung und Geschmack kann man nur empfehlen und vorleben. Anordnen kann man sie nicht, jedenfalls
nicht in unserer freiheitlichen Gesellschaft. Dass der Vorgang Protest hervorruft, ist ebenfalls verständlich.
Gläubige Christen haben aus anderem Anlass auch protestiert. Auch dieser Protest ist durch das Grundrecht der
Meinungsfreiheit geschützt. Er muss sich dann aber direkt gegen den Stein des Anstoßes richten und vor allem gewaltlos sein.
Die Reaktionen in der islamischen Welt aber lassen mich erschaudern. Dass man dort überhaupt keinen Unterschied
zwischen unabhängigen Medien und Regierungen macht, ist dabei noch nicht das Schlimmste. In den meisten islamischen
Ländern kennen sie es nicht anders (und wir sollten das endlich zur Kenntnis nehmen!). Wenn aber Karikaturen zum
Verbrennen von Flaggen, zur Zerstörung von Gebäuden, zum Mordaufruf ("Dänemark, das wirst Du mit Deinem Blut bezahlen"),
zur Geiselnahme eines deutschen Lehrers oder - wie in London - zu dem Slogan "Zur Hölle mit der Freiheit!" führen,
dann ist die Grenze des Verständnisses überschritten.
Was hier an blindem Hass nicht nur gegen "Jyllands Posten" oder Dänemark, sondern gegen uns alle aufbricht, das darf
uns weder sprach- noch wehrlos lassen.
Wohin sind wir gekommen? Muss es erst Tote geben, bevor wir begreifen, dass wir vor dem totalen Machtanspruch des
Islamismus nicht einen Schritt zurückweichen dürfen? Hier liegt die Wurzel des Problems, nicht in einer süddänischen
Zeitungsreaktion!
Retourkutschen sollten wir uns aber auch jetzt verkneifen. Das fällt allerdings schwer. Da kann der Präsident eines
wichtigen islamischen Staates ungehemmt zur Zerstörung Israels aufrufen, und dann werden Karikaturen zum Anlass für
Mordbrennerei? Da glauben Fanatiker, im Namen des Propheten töten zu dürfen und wüten gegen eine Darstellung dieses
wahnwitzigen Irrglaubens? Übrigens: in der islamischen Welt ist der Prophet mindestens bis ins 14. Jahrhundert hinein
abgebildet worden, wenn ich es richtig sehe.
Und auch verallgemeinern dürfen wir nicht. Es ist aber die Wahrheit, dass der Aufstand der Straße durch Islamisten
inszeniert wird, die nicht nur den "zionistischen Westen", sondern auch ihre eigenen Regierungen treffen wollen.
Mit diesen Leuten hat es Israel zu tun, und nicht erst seit dem Wahlsieg der Hamas. Öffnen wir also die Augen!
Und wenn man am Golf dänische Produkte aus den Regalen nimmt, so sollten wir unserem Nachbarn im Norden unsere Solidarität zeigen.
Manfred Lahnstein