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Die andere Narrative

Der Spross einer seit 1300 Jahren in Jerusalem ansässigen Familie, Jahrgang 1949, erzählt sein eigenes Leben und zugleich, wie es seiner Familie, seiner Heimatstadt und seinem Land Palästina in den letzten 60 Jahren erging. Nusseibeh, Professor der Philosophie und Präsident der Al-Quds-Universität, Weltbürger und Jerusalemer, in wechselnden Rollen des Beobachters und des zivilgesellschaftlichen Aktivisten, hat viel zu erzählen und erzählt meisterhaft: Geschichte in Geschichten, spannend und reflektiert, humorvoll und selbstdistanziert, immer erhellend. In so schweren und bitteren Konflikten wie dem des Nahen Ostens steht die Bereitschaft, auch einmal die Perspektive der anderen Seite einzunehmen, am Beginn eines langen Weges zu Verständigung und Kompromiss. In den Worten Nusseibehs aus dem einleitenden Kapitel: „Waren nicht beide Konfliktparteien so auf ihre je eigene Tragödie fixiert, dass sie einfach vergaßen oder nicht hören wollten, was die andere Seite zu erzählen hatte? Ist die Unfähigkeit, sich das Leben der anderen vorzustellen, nicht der Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts?

Übrigens hat Nusseibeh zusammen mit einem israelischen Partner, dem ehemaligen Geheimdienstchef Ami Ayalon, im Juli 2002 auf dem Höhepunkt der Zweiten Intifada auf nur einer DIN A 4 – Seite einige wenige „Principles of Peace“ vorgelegt, die zum Klarsten und Fairsten gehören, was zur Beendigung des israelisch-palästinensischen Konflikts vorgeschlagen wurde – nachzulesen auf der Website der Foundation for Middle East Peace,
http://www.fmep.org/documents/briefing_Nusseibeh-Ayalon_12-12-03.html 

Franz-Hellmut Schürholz

Vorgestellt wurde:
Sari Nusseibeh mit Anthony David, Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina, Verlag Antje Kunstmann, München 2008, 526 Seiten, 24,90 €.

 

 

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