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Plädoyer für die Demokratie

„Ein Russe und ein Amerikaner streiten kurz nach dem Krieg in Berlin über den Grad der Freiheit in ihren Ländern. Der Amerikaner: Mir passiert nichts wenn ich auf dem Time Square in New York Präsident Truman einen Schurken nenne. Antwortet der Russe: Mir passiert auch nichts, wenn ich auf dem Roten Platz in Moskau Präsident Truman als Schurke bezeichne“.

Das ist das Thema des Buches, in dem Sharansky sein ungewöhnliches Leben schildert, neun Jahre als sowjet-politischer Gefangener, neun Jahre als israelischer Politiker. Er bietet eine einzigartige Perspektive seiner Erfahrungen zusammen mit seinem Freund und Berater Ron Delmer. In dieser Analyse – obwohl ein sehr persönliches Werk – legt er die nichtdemokratischen Gesellschaften unters Mikroskop, um die sie erhaltenden tyrannischen Mechanismen zu beleuchten. Er erklärt die inneren Zusammenhänge von „Angstgesellschaften“ und erklärt, warum alle Staaten Demokratien werden sollen und dass das möglich ist.

Freiheit beruht auf Dissens (s.o.) und Gesellschaften, die die Freiheit nicht schützen, können in Sachen Frieden keine verlässlichen Partner für die Demokratien sein. Die Demokratie, die uns hasst, ist für unser Leben sicherer, als eine Diktatur, die vorgibt, uns zu lieben. Der Preis, den nichtdemokratische Regime für die innere Stabilität entrichten, ist Tyrannei im Innern und Terror außerhalb. Alle möglichen Hebel des Westens – Moral, Politik, Finanzen – sind einzusetzen, um die Sicherheit der Freien Welt und die Demokratie zu erhalten und diese zu verbreiten.

Dieses Buch bietet nicht nur einen theoretischen Ansatz. Nach der Erklärung, warum die Ausdehnung von Demokratie so wichtig für unsere Zukunft ist, nimmt uns der Autor mit auf eine Reise, um selbst zu sehen – aus erster Hand –, wie ein „Reich des Bösen“ zerstört wurde. Die Prinzipien selbst, die zu seiner Zerstörung führten, wurden aber auf der Suche nach Frieden im Nahen Osten, aufgegeben.

Der Autor prangert die (immer noch) mangelnde moralische Klarheit des Westens im Umgang mit „demokratisch“ gewählten autoritären und totalitären Regimen an. Er stellt viele Fragen, kritisiert die mehrheitlich aus undemokratischen Staaten bestehende UN mit wirren Folgen für die Sache der Menschenrechte. Er begründet, warum beim Prozess der Demokratisierung Wahlen erst am Ende zu stehen haben und nicht am Beginn.

Sharansky analysiert die Vereinbarungen von Helsinki und Oslo mit dem Fazit für den Nahen Osten, dass dieser einen Helsinki-Prozess benötigt. Er geht auf den „neuen Antisemitismus“ ein und bietet Beispiele dafür, dass Moslemstaaten für die Demokratie nicht ungeeignet sind.

So verliert er seinen tiefen Optimismus nicht und zeigt den Skeptikern, dass die Tyrannei bald ebenso zu den Anachronismen gehören wird, wie es heute die Sklaverei ist – wenn die Freie Welt ihren Prinzipien treu bleibt.

Ein Buch, in dem (leider nicht auf deutsch) klar Stellung bezogen wird. Michael Stürmer zählt es zu seinen meistgeschätzten.

Heribert Schmitz (Oberasbach/Nürnberg)

Vorgestellt wurde:
Nathan Sharansky: „The Case for Democracy“ - Plädoyer für die Demokratie; die Kraft der Freiheit, Tyrannei und Terror zu überwinden; Public Affairs-Verlag, New York 2004

 

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