Home    Links    Kontakt    Impressum

Der ewige Sündenbock – Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt

Wer das Wort „ewig“ im Titel führt, muss darlegen wann dieser schier endlos dauernde Zeitraum beginnt. Der Verfasser legt ihn auf das Jahr 1929 mit dem verschwiegenen Pogrom von Hebron und steigt ohne Vorwort direkt ins Thema ein. In 17 Kapiteln, nur von einem Exkurs unterbrochen, spannt er einen Bogen von der sechsten Säule des Islam – dem Dschihad, der alles und jedes zu rechtfertigen scheint – bis zum Schweigen der Medien des „vereinigten“ Europa zu berichtenswerten Ereignissen, die sich aber in doppeltem moralischen Standard über Vorgänge in einer Weise hermachen, die Ursache und Wirkung oder Reaktion darauf gewöhnlich auf den Kopf stellen. Er öffnet den Europäern die Augen vor einem demographischen Dschihad, wenn für das legitime Rückkehrrecht der palästinensischen „Flüchtlinge“ geworben wird, was in Wahrheit – so der Friedensaktivist Amos Oz – ein Euphemismus für die Auslöschung des jüdischen Staates ist. Er entkleidet die politische Linke ihrer ewig guten Gesinnung seit Lenin, die dann umschlug, als Israel nicht als Opfer aus dem 1967er Krieg hervorging. Der Autor entlarvt den US-amerikanischen Kuschelkurs gegenüber der PLO, der durch die Aussicht motiviert zu sein scheint, nach einer palästinensischen Staatsgründung sich dort eher bequem einnisten zu können, als im selbstbewussten Israel. Er analysiert die längst zum Selbstzweck verkommene, auf dem Globus einzigartige Flüchtlingsmaschinerie der UNO im Nahen Osten, die UNRWA mit über 25.000 Beschäftigten – und welche Organisation löst sich schon selbst auf?! – die sich durch die Vererbbarkeit (!) des Flüchtlingsstatus (was gegen die Genfer Flüchtlingskonvention verstößt) um den Zuwachs an zukünftig zu betreuenden „Flüchtlingen“ keine Sorgen machen muss.

Als Einleitung hätte eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Sündenbock“ gepasst. Diese aber fehlt und zu einem vorläufigen Fazit kommt der Autor auch nicht.

Auf zahlreiche Quellen gestützt und mit ganz einfacher Logik versucht er die gängigen Vorurteile zu widerlegen, wie die Jahrhunderte lange friedliche Koexistenz zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten oder wie die jüdische Herrschaft über die Medien. Doch „Vor“-Urteile zu revidieren, hieße geschlagene Eier in ihren status quo ante zu versetzen.

Unverdrossen zeigt er weiter Zusammenhänge zwischen dem 11. September 1971 (nicht 2001!), der Tag, an dem die Scharia als Hauptquelle der Gesetzgebung der verkündeten neuen ägyptischen Verfassung bestimmt wurde, und 34.000 ägyptischen Gefängnisinsassen, die zu der militanten Abspaltung der Muslimbruderschaft zählen. Er zeichnet die Verbindungen zwischen dem Vatikan, allen US-Regierungen und Friedensnobelpreisträger Arafat nach. Interessant auch Hitlers „Zionismus“ und sein Balanceakt zwischen der offenen Unterstützung für den Großmufti von Jerusalem und einer für Hitler dadurch hervorgerufenen verfrühten Feindschaft zu England. Er beleuchtet die „seitenverkehrten“ Rollen z.B. in puncto Waffenlieferungen von USA (lehnt ab) und UdSSR (lässt liefern durch die damalige CSSR) bei der Staatsgründung Israels, wie auch Personen verschiedenster Couleur der Zeitgeschichte irgendwie mit diesem Themenkomplex verbunden sind wie Eduard von Schnitzler, Leopold Trepper, Noam Chomsky, Jürgen Möllemann, Hildegard Hamm-Brücher, Javia Solana, Günter Wallraff oder Norbert Blüm, um nur einige zu nennen.

Den „Protokollen …“ räumt er das längste Kapitel ein und verweist auf die bis hin zu Paranoia gehenden heutigen Argumentationen und ihre immer noch hohe Marktaktualität. Unbehelligt wurden sie auf dem umlagerten Stand des iranischen Staatsverlages auf der Frankfurter Buchmesse 2005 ausgestellt und nicht selten sind die Protokolle auf den Nachttischen als Bettlektüre in arabischen Hotels zu finden. Für jedes und alles Übel dieser Welt wurden und vor allem werden diese aus 24 Hasstiraden bestehenden „Protokolle“ aus einer „Geheimsitzung“ immer noch oder schon wieder herangezogen. Ob es sich dabei um ein die jüdische Rasse schonendes, aber gleichzeitig die Araber vergiftendes, in Umlauf gebrachtes Virus handelt, die wahren Ursprünge der dänischen Mohammed-Karikaturen oder die zu den jüdischen Feiertagen jährlich wiederkehrende „notwendigen“ Ritualmorde handelt.

Die Rolle der Linken auf Seiten des faschistischen Argentinien im Falklandkrieg wird ebenso erwähnt wie der gemeinsame Nenner von Islam und Christentum herausgearbeitet: das Mittelalter. Im Kapitel „USrael“ fragt sich der Autor, ob der Schwanz Israel mit dem Hund USA wedelt oder ob es nicht doch eher umgekehrt ist, wenn mangelnder Mut zur Kritik an den USA zu „berechtigter Israelkritik“ führt. Müsste es dann nicht auch eine Italienkritik oder Österreichkritik geben? Da wird lediglich die Arbeit der italienischen bzw. österreichischen Regierung kritisiert! Tarach konstatiert die Kapitulation der Europäer im Broderschen Sinne („Hurra, wir kapitulieren“). Dabei sollten diese nur mal genauer hinschauen, wenn palästinensische Homosexuelle, um der Verfolgung in ihrer „Demokratie“ zu entgehen, zum Erzfeind flüchten müssen. Ohne ihn expressis verbis zu erwähnen, läuft der Inhalt auf den 3D-Test zur Entlarvung von Antisemitismus hinaus: Dämonisierung, Delegitimierung und doppelter Standard.

Der Inhalt des Buches ist gut recherchiert, er basiert auf weit über hundert Quellen und einem Namensregister von über 300 Eintragungen. Das Buch ist leicht lesbar. Der Stoff ist bekannt, die vielen Einzelheiten teilweise neu. Selbst für Kenner des Themas ist die Lektüre ein Zugewinn. Schade nur, dass der Autor sprachlich hier und da in ein Niveau (Gesocks, futsch, kindsköpfige Schläulinge, am Arsch vorbei, ans Bein pissen…) abgleitet, das ernsthaften Ansprüchen nicht gerecht wird. Wurde auf ein Lektorat verzichtet?

Heribert Schmitz (Oberasbach/Nürnberg)

Vorgestellt wurde:
Tilman Tarach, Der ewige Sündenbock – Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt, Edition Telok, Freiburg 2009, 299 S. € 19,80

 

Mehr Rezessionen

Zum Seitenanfang

© Copyright 2003-2009 Deutsch-Israelische Gesellschaft * last update: 29.04.2009