„Alte Unfreiheit“
Eigentlich hätte man meinen sollen, dass sich nach dem Unglück, das der Nationalsozialismus über Deutschland und Europa gebracht hat, die Anhänger solch kruder Ideen vom Volk und Reich in ihren Löchern verstecken und den Rest der Menschheit nicht mehr mit ihrem Blödsinn behelligen, doch weit gefehlt.
Das populärste Magazin, das sich im nationalkonservativen „Geist” betätigt, ist das Wochenmagazin „Junge Freiheit”. Man gibt sich gerne intellektuell, doch schon der Name dieses Blattes führt in die Irre. Es geht nicht um junge Ideen, sondern um abgestandene Ideologien aus dem 19. und 20. Jahrhundert, und um Freiheit geht es den Machern dieses Blattes schon gar nicht. „Alte Unfreiheit” wäre wohl der passende Name für diesen publizistischen Unfug.
Regina Wamper hat sich die Mühe gemacht, das Blatt auf Antisemitismus zu untersuchen. Bei ihren Recherchen wurde schnell klar, dass die versteckt angedeutete Judenfeindschaft nicht offen propagiert wird, sondern christlich verbrämt daherkommt. Das überrascht, denn die geistigen Väter der „Jungen Freiheit”, die Nazis, huldigten eigentlich einem Neuheidentum. In diesem Spannungsfeld tummeln sich die Autoren dieser Zeitschrift. Wamper weist sehr genau die Verbindungen zu fundamentalistischen Gruppierungen der beiden großen christlichen Kirchen nach. Überrascht es, dass sich auch die vermeintlich frommen „Pius-Brüder” mit ihren alten Thesen von der Unfreiheit in diesem wöchentlichen Opus wiederfinden? Eines ist diesen merkwürdigen Figuren gemeinsam: man sucht die Shoah zu verharmlosen und die Juden anzugreifen.
Hier ist ein Werk entstanden, das die Verästelungen der politischen und religiösen Rechten in Deutschland am Beispiel der Wochenzeitschrift nachweist und verdeckte antisemitische Codes offenlegt.
Das Buch ist leider schwer lesbar. Die Autorin frönt der feministischen Schreibweise und lässt den Plural gerne mit einem „Innen” enden; bei dem Wort „JüdInnen” hörte der Spaß bei mir auf.
Norbert Korfmacher
Vorgestellt wurde:
Regina Wamper, Das Kreuz mit der Nation. Christlicher Antisemitismus in der Jungen Freiheit (Edition DISS, Bd. 18), Münster 2008.