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Begegnungen am Checkpoint

Die 1979 geborene Schweizer Journalistin (NZZ) verfügt über eine mehrjährige Erfahrung im Nahen Osten. Ihre Gespräche mit einem palästinensischen Kämpfer und vom Schicksal gebeutelten Frauen, einem Kollaborateur und israelischen Soldaten der Friedensbewegung und solcher, die ihr das israelische Militär benannt hat, dokumentiert sie mit sehr präzisen Notizen aus der Zeit September 2004 bis Dezember 2006 zu Begegnungen in Israel, Gaza und Westjordanland. Es gelingt ihr dabei, eindrücklich die Situation vor und unmittelbar nach dem 2. Libanonkrieg zu vermitteln.

Vor dem Leser entsteht ein nuanciertes Bild, das völlig auf Schwarz-Weiß-Darstellungen verzichtet. Mit viel Empathie und großer Sachlichkeit folgt die Autorin den Narrativen der Menschen, die das Erlebte verarbeiten müssen und die versuchen, eine Position zu finden. Im Mittelpunkt steht die Straßensperre Huwara südlich von Nablus auf dem Wege nach Jerusalem. Hier begegnen sich Palästinenser und junge israelische Soldaten, die in völlig unterschiedlichen Welten und Kulturen leben. Geprägt von Feindbildern, die sie von kleinauf verinnerlicht haben, können sie einander als individuelle Menschen nicht wahrnehmen. Karin Wenger folgt ihnen behutsam und unaufdringlich in ihre Welten, soweit diese sie dazu einladen.

Sie wertet nicht, sie nimmt detailgenau wahr und lässt Respekt und Mitgefühl spüren. Dies ist wohl die Ursache dafür, dass ihre Gesprächspartner selbstkritisch und umfassend ihre Situation schildern. Wohltuend für den Leser führt sie in die jeweilige Lebenssituation ein, ohne belehrend zu wirken.

Das Buch besticht durch die völlige Selbstrücknahme und Bescheidenheit der Autorin, die mit viel Mut und Klarheit ihrem Anliegen folgt. Ihre Sprache ist klar und unaufdringlich und nimmt den Leser auf einen Weg mit, der zu Abgründen und schwer zu ertragenden Einzelheiten führt. Nur so kann sie allen am Konflikt beteiligten Menschen gerecht werden. Ärgerlich dagegen ist das Nachwort von Arnold Hottinger, der belehrend und wertend die Stärke des Buches mindert.

Roland Neidhardt

Vorgestellt wurde:
Karin Wenger, Checkpoint Huwara, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2008, Lizenzausgabe für Deutschland und Österreich: Diederichs (Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München, August 2008), mit Fotos von Kai Wiedenhöfer und einem Nachwort von Arnold Hottinger

 

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