Woche 21.10. bis 27.10.13

Angst vor Brain Drain: Israel diskutiert Abwanderung von Wissenschaftlern


Es sollte eigentlich eine gute Nachricht sein: Zwei der Nobelpreisträger für Chemie sind israelische
Wissenschaftler. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass beide schon vor einer ganzen Weile in
die USA ausgewandert sind und dort leben und forschen. Diese Information und die Tatsache, dass
mittlerweile rund 17.000 Israelis allein in Berlin leben, führte zu einer hitzigen Diskussion über den
gefürchteten „Brain Drain“ im Land.

Brain Drain, damit sind volkswirtschaftliche Verluste durch die Emigration besonders ausgebildeter
oder talentierter Menschen aus einem Land gemeint. Akademiker, Künstler, Fachkräfte – die
meisten westlichen Länder fürchten diese Abwanderung. Auch in Ländern wie der Schweiz oder
Deutschland wird der Brain Drain talentierter Akademiker immer wieder diskutiert. In Israel
sollen, laut einer Studie des Taub Instituts, seit 2008 durchschnittlich ein bisschen mehr als ein
Wissenschaftler von fünf die israelische Universität für eine amerikanische verlassen haben. Nach
einem Bericht des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie lebten 2011 rund 10 Prozent
der Israelis, die einen Doktortitel haben, im Ausland.

Neben der akademischen Abwanderung in die USA und nach Europa, wird aber auch die
Abwanderung junger Israelis allgemein diskutiert. „Ich habe wenig Verständnis für diejenigen, die
bereit sind, das einzige Land der Juden auf die Müllhalde zu werfen, nur weil es leichter ist, in Berlin
zu leben.“, echauffierte sich Finanzminister Yair Lapid kürzlich als es mal wieder um die meist
jungen Israelis ging, viele von ihnen Kreative und Künstler, die ausgerechnet in der deutschen
Hauptstadt eine Zukunft sehen. Dabei war Lapid 1997 selbst ins Ausland gegangen, um seine
journalistische Karriere voranzutreiben. Und bei aller Diskussion sollte man zwei Dinge nicht
vergessen: Viele Israelis würden jederzeit zurückkehren, wenn die Lebenserhaltungskosten nicht so
hoch und israelische Gehälter im Vergleich nicht so niedrig wären. Und trotz allem ist Israel immer
noch weltweit für seine ausgezeichneten Forschungsinstitute und hervorragenden Forschungs- und
Entwicklungsabteilungen im High-Tech-Bereich bekannt.

 

--> Die gesamte Ausgabe der Zwischenzeilen als PDF herunterladen. <--

 



Zwischenzeilen

Pharmazie-Gigant Teva muss tausende Mitarbeiter entlassen weiter

Pressemitteilungen

Israelfreunde verlangen √úberarbeitung des Passus zum Nahen Osten weiter