Nr. 46/2015 – Woche 09.11. bis 15.11.15

Radikale Veränderungen auf Israels Mobiltelefon-Markt


Der israelische Mobiltelefon-Markt ist einer der wenigen Punkte, der nicht
regelmäßig in der Debatte um zu hohe Lebenskosten kritisiert wird. Tatsächlich
waren die Veränderungen des damaligen Kommunikationsminister Moshe Kachlon
so erfolgreich, dass er mit ihnen im Rücken zur letzten Wahl angetreten und mit
seiner gegründeten Partei prompt Finanzminister geworden ist.
Dank Kachlon konnte der ehemals unflexible Markt reformiert werden und neue
Mobilanbieter, allen voran Golan Telecom, sorgten mit einem starkem Wettbewerb
für fallende Preise. Für rund 100 NIS monatlich (ca. 23 Euro, 25 CHF) kann man
heute Telefon-, Internet- und SMS-Flat bekommen und zusätzlich kostenlos auf
Festnetzanschlüsse in vielen Ländern telefonieren. Gelitten hat unter dem
Preiskampf vor allem die Infrastruktur, da die Unternehmen anführen, nicht mehr
genug Geld zu haben, um in diese zu investieren. Mittlerweile wurde die Start-up-
Nation sowohl bei den Bedingungen für Mobilfunknetze als auch beim Internet-
Speed von vielen OECD-Ländern abgehängt.
Eine Tatsache, die nun auch Golan Telecom zum Verhängnis wurde: Da der
Billiganbieter versprochene Infrastruktur-Projekte nicht stemmen konnte, musste
das Unternehmen verkauft werden. Mit Cellcom hat ausgerechnet einer der
ehemaligen Monopolisten das junge Mobilfunkunternehmen erworben.
Finanzminister Moshe Kachlon hatte sich übrigens erfolglos gegen den Deal
ausgesprochen. Denn damit scheint sicher, dass die Zeiten von Israels preiswerten
Mobiltelefon-Markt vorbei sind.


Israelis hängen leidenschaftlich gerne am Handy – die Bedingungen dafür werden
jetzt schlechter (Bild: Presse).

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