Zur Personalie Thomas Bach, IOC-Präsident

 Anlässlich der Wahl von Thomas Bach zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees dokumentieren wir hier noch einmal einen Kommentar von DIG-Präsident Reinhold Robbe zur Personalie Bach, der auch Präsident der deutsch-arabischen Handelskammer Ghorfa ist, die Boykott gegen Israel fördern: „Herr Bach muss sich schon gewisse Fragen gefallen lassen, wie er seine neutrale Position auch als einer der führenden Sportfunktionäre in der Bundesrepublik Deutschland vereinbaren will mit der Praxis, die gegen Israel von der Ghorfa betrieben wird.“


Der designierte IOC-Präsident Thomas Bach


Monitor Nr. 651 vom 29.08.2013


www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2013/0829/ioc.php5


Hajo Seppelt, Robert Kempe, Monika Wagener:
„Auch nicht Sportinteressierte sollten sich diesen Namen merken: Thomas Bach. Denn dieser Mann könnte schon übernächste Woche der neue Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden, einer der mächtigsten Posten in der Sportwelt. Ein Deutscher an der Spitze des IOC, eines Milliarden- Imperiums, das aufgrund zahlreicher Korruptionsaffären allerdings nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt ist. Thomas Bach hat gute Chancen, denn er hat mächtige Unterstützer. Und das hat möglicherweise auch Gründe. Hajo Seppelt und Robert Kempe wissen mehr.“ London letztes Jahr. Olympische Spiele. Man redete von Fairplay, von Völkerverständigung. Ein grandioses Fest. Mit einem Schatten: Es fehlte das Innehalten für die israelischen Opfer des Attentates von München, 40 Jahre zuvor. Eine Minute schweigen nur, von den Angehörigen der Opfer gefordert, vom IOC abgelehnt. Darunter von diesem Mann, der deutsche Vizepräsident Thomas Bach.

 


Yakov Hadas-Handelsman, Israelischer Botschafter: „Einmal, einmal nur das zu erinnern, die Leute, die unschuldigen Leute, die kaltblütig massakriert worden waren von diesen Terroristen - zu erinnern. Schon seit 40 Jahre zurück. Aber noch nicht. Die verweigern sich. Politik. Alles ist Politik. Wissen Sie es nicht? Auch in diesem Fall.“

Reporter: „Sie hätten sich also gewünscht, dass das IOC mit seinen Spitzenkräften - darunter auch Thomas Bach - da ein klares Zeichen pro Israel setzt?“

Yakov Hadas-Handelsman, Israelischer Botschafter: „Ja.“

Das ist Thomas Bach beim Fotoshooting. Es ist Wahlkampf im IOC - Bach möchte der neue Herr der Olympischen Ringe werden. IOCPräsident, eine Art Papst des Weltsports. Er wäre dann auch Herr dieser Bilder. Bilder, die von Fair Play, von Ethik, von Vorbildern erzählen wollen. Und die Milliarden wert sind. Ein mächtiges Amt. Und das Gesicht Deutschlands in der Sportwelt. Und dazu hätten wir dann doch ein paar Fragen. Zum Beispiel zu ihm. Seinem Förderer, wie es heißt, Scheich Ahmed Al-Sabah aus Kuwait. Ein einflussreicher Strippenzieher, der jüngste Abstimmungsergebnisse im Weltsport schon kannte, bevor überhaupt gewählt wurde. Sogar die genaue Stimmenzahl. Recht bemerkenswert irgendwie. Seine Unterstützung wäre für Bach wohl die halbe Miete. Kleines Problem: Der IOC-Ethikcode ist völlig klar - öffentliche Unterstützung eines Kandidaten ist verboten.

Trotzdem sagt der Scheich nach Bachs Kandidatur: Sheik Ahmad Al-Fahad, Al-Sabah, IOC-Mitglied (Übersetzung MONITOR): „Wir werden an unserer Vision, unserem Fahrplan festhalten und wir haben eine Verabredung, seit 12 Jahren. Daher werde ich offen sein, ich bin Unterstützer von Thomas Bach. Ich bin dafür, dass Dr. Bach der nächste Präsident wird.“

Reporter (Übersetzung MONITOR): „Was heißt das konkret? Heißt das, andere Mitglieder zu überzeugen, für ihn zu stimmen?“

Sheik Ahmad Al-Fahad, Al-Sabah, IOC-Mitglied (Übersetzung MONITOR): Ich mache alles, was helfen kann.“

Reporter (Übersetzung MONITOR): „Was heißt das?“

Sheik Ahmad Al-Fahad, Al-Sabah, IOC-Mitglied (Übersetzung MONITOR): „Warten Sie ab, bis September.“

Diese Sätze sind sportpolitisch mehr als heikel. Jetzt muss eigentlich die Ethikkommission untersuchen. Aber noch so eine Frage: Was verbindet Bach mit dem Scheich außerdem? Ein paar Wochen später in Berlin. Das größte Treffen von deutschen und arabischen Geschäftsleuten. Bachs Beziehungen in den arabischen Raum sind blendend. Er ist Präsident der Ghorfa. Eigentlich nur ein Verein zur Förderung der arabisch-deutschen Handelsbeziehungen. Lobby also. Aber auch Akteur: Die Ghorfa bereitet den Warenimport einiger arabischen Staaten vor. Legalisierung heißt das. Und legal ist es. Ach ja: Grundsätzlich alle Waren, darunter auch Rüstungsgüter, Waffen werden von der Ghorfa legalisiert. Mathias John, Amnesty International: „Wenn ich diese Situation betrachte, dass der Präsident der Ghorfa gleichzeitig in einem Gremium Führungspositionen anstrebt, das eigentlich für ... ja, Völkerverständigung und Frieden stehen möchte, dann habe ich dann doch da kein gutes Gefühl dabei, wenn ich sehe, wie auch die Ghorfa Rüstungsexporte unterstützt. Wie wenig sich die Ghorfa offensichtlich nach allem, was wir sehen, um menschenrechtlich verantwortliches Unternehmensverhalten kümmert.“

Reinhold Robbe, Präsident Deutsch-Israelische Gesellschaft: „Herr Bach muss sich schon gewisse Fragen gefallen lassen, wie er seine neutrale Position auch als einer der führenden Sportfunktionäre in der Bundesrepublik Deutschland vereinbaren will mit der Praxis, die gegen Israel von der Ghorfa betrieben wird.“

Nur ein paar Fragen, auf die wir gerne eine Antwort hätten. Aber nicht bekommen. Noch nicht mal schriftlich. Thomas Bach - ein ganz großer Name in der Sportwelt. Demnächst so hofft er, im Rampenlicht. Viele seiner Beziehungen liegen im Schatten.







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