08 Juli, 2026 Chrupallas Lob für Möllemann markiert eine neue Qualität der Normalisierung des Antisemitismus
Tino Chrupalla lobt Möllemanns außenpolitische Positionen und sieht Parallelen zwischen AfD, Chrupalla und Möllemann (Artikel). Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, erklärt:
Im Taumel steigender Umfragewerte fallen bei der AfD die letzten Masken. Nun wirbt sie ganz offen um antisemitische Wähler.
Die vermeintliche Israelfreundlichkeit einzelner AfD-Politiker sollte der Partei einen demokratischen Anstrich verleihen. Tatsächlich war die AfD stets offen für Antisemiten und fiel immer wieder durch geschichtsrevisionistische Positionen auf – von der Rede vom „Denkmal der Schande“ bis zum „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte.
Die Ausführungen von Tino Chrupalla markieren jedoch eine neue Qualität: Mit seiner positiven Bezugnahme auf Jürgen Möllemann wird Antisemitismus normalisiert.
Jürgen Möllemann vertrat Anfang der 2000er Jahre eine scharf israelfeindliche Position, die nach Auffassung vieler Beobachter durch einseitige Schuldzuweisungen gegenüber Israel, die Relativierung der Verantwortung palästinensischer Terrororganisationen und die Instrumentalisierung antisemitischer Ressentiments gekennzeichnet war. Seine Angriffe auf den damaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, sowie seine Zurückweisung der gegen ihn erhobenen Antisemitismusvorwürfe beschädigten seine demokratische Glaubwürdigkeit nachhaltig. Sie führten zur Trennung zwischen FDP und Möllemann.